Halberstadt l Urzeitliche ­Schätze stehen im Mittelpunkt einer neuen Sonderausstellung des Naturkundemuseums Heineanum Halberstadt. Die Vorharz-Stadt gehört zu den bedeutendsten Saurier-Fundorten von internationaler Bedeutung. Dino-Fossilien sowie Überreste von Mammut und Riesenhirsch werden in einer neuen Sonderausstellung „Urzeitliche ­Schätze – Plateosaurus, Mammut & Co.“ präsentiert, die vom 26. Mai bis 26. August zu sehen ist.

„Plateosaurus, Mammut und Co. sind Teil der faunistischen Geschichte Halberstadts. Die einen Tiere lebten im subtropischen Wüstenklima vor 220 Millionen Jahren im Zeitalter der Trias, die anderen in der sogenannten Weichsel-Eiszeit vor 125.000 bis 10.000 Jahren. Das ist das Besondere der Ausstellung“, bringt es Rüdiger Becker, Direktor des Vogelkundemuseums Heineanum Halberstadt, auf den Punkt.

Konzept vorgestellt

Bereits am Montag hat der Heineanum-Chef ­einen ersten Blick hinter die Kulissen gewährt und das Konzept der Ausstellung vorgestellt. Von den 182 Dinosaurier-Fundstücken, die sich heute im Besitz des Heineums befinden, werden in insgesamt sechs Vitrinen 24 ausgestellt. „Darunter befinden sich Exponate vom Plateosaurus, der vor etwa 220 Millionen Jahren in Halberstadt gelebt hat“, berichtet Rüdiger Becker.

Bilder

Kinder können "Fossilien" ausgraben

Vom Plateosaurus sind zwei Varianten in der Ausstellung zu sehen – eine vier- und eine zweibeinige. „Das Rätsel, ob diese Art sich nun auf zwei oder vier Beinen bewegt hat, wird in der Ausstellung verraten“, weckt Rüdiger Becker die Neugier auf die Schau. Außerdem wird im Museumshof am Domplatz eine 208 Kilogramm schwere, sieben Meter lange und zwei Meter breite Kunststoffnachbildung des Dinos zu sehen sein. Sie ist vom Naturhistorischen Museum Braunschweig zur Verfügung gestellt worden. Etwa neun Meter lang und bis zu acht Tonnen schwer war Plateosaurus und gehörte in seiner Zeit zu den großen Vertretern im Saurierreich. Er ist ein Vorläufer der riesigen langhalsigen Sauropoden und aufgrund seines Körperbaus ein wichtiges Bindeglied zwischen den zweibeinigen Fleischfressern und den vierbeinigen Pflanzenfressern.

Für Kinder haben sich die Ausstellungsmacher etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie können selbst Fossilien ausgraben. Gut, keine echten. Aber gut gemachte ­Gipsabgüsse, die in einer Sandkiste versteckt sind, und darauf warten freigelegt zu werden. „Die kleinen Entdecker können ihre Fundstücke selbst bemalen“, informiert Museums­pädagogin Evelyne Winkelmann. Um eine Vorstellung von der Größe und dem Lebensraum der Dinos zu bekommen, ist in einem Raum eine lebensgroße Darstellung eines Plateosaurus zu sehen.

Keinen wissenschaftlichen Beleg

Rüdiger Becker ist stolz darauf, auch Zeugen der sogenannten Weichsel-Eiszeit präsentieren zu können. Natürlich authentische Fundstücke von Tieren, die einst in Halberstadt gelebt haben. Dazu zählt unter anderem der Stoßzahn eines Mammuts. „Der ist etwa 80.000 Jahre alt“, schätzt Rüdiger Becker vorsichtig. Dafür hat er zwar keinen wissenschaftlichen Beleg. „Aber das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Tiere einst hier gelebt haben, und wir können das mit den Stücken beweisen.“ Zu diesen fossilen Überresten gehören Teile vom Riesenhirsch und Steppen­bison. Sie wurden allesamt aus Kiesgruben nordwestlich von Wegeleben und südwestlich von Groß Quenstedt geborgen.

Reste von 50 Dinos in Halberstadt ausgegraben

Vor 109 Jahren wurden die ersten Dinosaurier-Fossilien in einer Ziegelei-Tongrube in Halberstadt gefunden. Ungefähr dort, wo sich heute an der B 79 zwischen Halberstadt und Harsleben die Shell-Tankstelle befindet. Reste von fast 50 Exemplaren, die sich auf zwei, drei Arten verteilen, sind dort geborgen worden. Der ­Berliner Paläontologe Professor Otto Jaeckel erkannte bereits die Bedeutung der Funde und setzte sich dafür ein, dass sie fachmännisch geborgen und wissenschaftlich sichergestellt wurden. 1914 veröffentlichte Jaeckel eine umfangreiche wissenschaftliche Dokumentation über den Fund in Halberstadt. Das Skelett eines sogenannten Rudersauriers (Plesiosaurus) ist bereits 1899 am Kanonenberg (Wernigeröder Straße) gefunden worden – ebenfalls in einer Tongrube. Das Original ist heute im Heineanum zu sehen.

Ein Großteil der ­Dino-Fundstücke ist erst vor etwa zwei Jahren zufällig wieder aufgetaucht und nach Halberstadt zurückgekommen, berichtet Rüdiger Becker. 150 versteinerte Knochen lagen im Keller einer Grundschule in Wernigerode.