Osterwieck l Historisch gesehen war es das Wohnhaus, das Hauptgebäude auf dem Schäfers Hof, das auf dem Foto im Hintergrund zu sehen ist. In nicht zu ferner Zukunft soll man dort in gewisser Weise auch wieder wohnen können.

Nachdem vor gut 20 Jahren das nebenstehende Gebäude saniert worden war, hatten die Stadtväter jener Zeit auch über die Sanierung des alten Hauptgebäudes nachgedacht. Allerdings fanden sie keine Nutzung, da die infrage kommenden Vereine im ganz offiziell als Vereinshaus deklarierten Schäfers Hof alle versorgt waren. Somit verschwand das Vorhaben aus dem Blickfeld.

Herberge für Pilger

Seit einigen Jahren ist dieser Gebäudeteil mit seinen wertvollen Wandmalereien im Innern zurück im Fokus. Ziel ist es nun, hier eine Herberge für die Pilger der Via Romea, des Romwegs, einzurichten. Einfache Schlafgelegenheiten und Räume, in denen sich die Pilger selbst versorgen können sowie Begegnungen möglich sind. Auch der deutsche Romwegverein möchte hier sein Büro einrichten. Der Sitz ist jetzt schon auf dem Schäfers Hof.

Ein großes Vorhaben also, das sich der erst vor einem halben Jahr gegründete Förderverein auf die Fahne geschrieben hat. Um Geld für die Sanierung einzuwerben, geht er jedoch nicht mit der Sammelbüchse durch die Stadt, sondern organisiert und unterstützt Veranstaltungen, deren Erlöse dem großen Ziel zugute kommen sollen. Dabei schmort er nicht im eigenen Saft, sondern hat zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit dem Kulturlandverein auf den Weg gebracht, in dem als einfaches Mitglied auch Jens Kiebjieß mitarbeitet.

„Der Förderverein leistet eine tolle Arbeit“, brachte der Kommunalpolitiker Jens Kiebjieß den Grund für seine Anerkennung auf den Punkt. Kiebjieß ist seit Juli im Stadtrat Vorsitzender der Fallsteinfraktion. Dafür erhielt er in dem halben Jahr 738 Euro Aufwandsentschädigung, die er komplett dem Schäfers-Hof-Verein zur Verfügung gestellt hat. Wie auch sein Vorgänger Wolfgang Englert seine Fraktionschefgelder gespendet hatte.

Bei null angefangen

„Das ist die bisher größte Einzelspende für uns“, berichtete Fördervereinschef Thomas Helmuth. Da der Verein im Sommer 2019 quasi bei Null angefangen hat, ist er immer noch dabei, Ausstattung für seine Veranstaltungen anzuschaffen. Was nicht ohne Geld geht. „Die Spende hilft uns enorm“, unterstrich Helmuth.

Parallel dazu wurden Förderanträge gestellt, um die Gebäudesanierung auf den Weg zu bringen. Zuallererst mit einer Notsicherung. Sollten die Förderquellen wie geplant angezapft werden können, wäre 5.000 Euro Eigenkapital notwendig, um das 85.000 Euro teure Vorhaben zu starten. Für das Gesamtvorhaben wird durchaus mit einer Million Euro gerechnet.

Thomas Dahms ist im Vorstand des Schäfers-Hof-Vereins, aber auch Deutschland-Chef des Romweg-Vereins – und mindestens doppelter Fan vom einstigen Ackerbürgerhof. Der in Stade an der Elbe beginnende Romweg erfreue sich immer größerer Beliebtheit. Belastbare Zahlen, wie viele Pilger im Jahr unterwegs sind, gebe es nicht. „Ich schätze um die 1000“, so Dahms. Aber der Weg wird auf verschiedene Weise immer bekannter. Es gibt gedruckte Wegbeschreibungen. Etliche Skandinavier sind hier unterwegs, das italienische Fernsehen hatte 2018 auf dem Schäfers Hof gedreht, die Präsidentin des australischen Pilgerverbandes war hier, ebenso der Streckenpate für den Jakobsweg in den Ostalpen. Alles Multiplikatoren, wie man im Neudeutsch sagt.

Ende Juni steht ein großes Ereignis an. Dann beginnt eine europäische Pilgerwanderung von Stade bis Rom. Am 18. Juli werden die Pilger von Hornburg aus in Osterwieck eintreffen und tags darauf nach Wasserleben weitergehen. Auf dem Schäfers Hof soll abends ein Begegnungsfest stattfinden. Auch mit Unterstützung des hiesigen Fördervereins.