Benzingerode/Halberstadt l Ein Holzwurm ziert die Visitenkarte von Lars Pahl-Lundgreen. Bezeichnet man ihn als Holzwurm, ist das für den Handwerker ein Kompliment. Der Wurm ist sein Markenzeichen. In seiner Werkstatt in Benzingerode riecht es angenehm nach Holz. Mittendrin präsentiert der Möbeltischlermeister stolz die neue Treppenanlage für den Gläsernen Mönch. In den zurückliegenden Wochen haben viele Halberstädter für den Neubau Geld gespendet. Der 27-Jährige aus dem Wernigeröder Ortsteil hat sich nicht um einen Auftrag beworben, sondern er stellte sich umgehend in den Dienst der guten Sache und baut die Treppe zum Nulltarif.

Morsch und verschlissen

Ein armseliges Häufchen Holz liegt auf dem Werkstatthof. „Es sind die Reste der alten Treppe“, berichtet Lars Pahl-Lundgreen. Die Teile sind morsch und verschlissen. Als Vorbild für den Neubau taugen sie nicht mehr. Der Möbeltischler plant völlig neu. Für den Benzingeröder steht eines fest, die neue Treppe muss stabil sein und möglichst lange halten. Zumal die Konstruk­tion am Gläsernen Mönch Wind und Wetter ausgesetzt ist. Kriterien, die nach einem guten Werkstoff verlangen, der etwas aushält. „Lärchenholz ist eine gute Wahl, das hält lange“, entscheidet der junge Handwerker. Die Lebensdauer von Lärchenholz unter den Bedingungen am Gläsernen Mönch müsste mit entsprechender Pflege etwa 30 bis 40 Jahre betragen. „20 Jahre hält die Lärche auf jeden Fall“, so der Benzingeröder. Etwa vier Tage steht seine Werkstatt im Dienst der Spendenaktion, dann ist die massive Anlage, bestehend aus einer kleinen und einer größeren Treppe, fertig.

Stolze 1,9 Tonnen bringt sie auf die Waage. Die Montage vor Ort stellt Lars Pah-Lundgreen vor eine Herausforderung. „Das schwierige Gelände hat es in sich. Der Weg zum Gläsernen Mönch ist steil“, sagt er. Daher wird der größere Teil der Treppe in Einzelteilen angeliefert und erst dort montiert. Beim Schleppen helfen Mitarbeiter des Stadt- und Landschaftspflegebetriebes Stala, ist der Möbeltischler erleichtert. Das habe ihm Stala-Chef Thomas Wald versprochen. Die Montage nimmt noch einmal einen Tag in Anspruch. Die Arbeitsleistung, die Pahl-Lundgreen mit etwa 3000 Euro angibt, spendet er. Doch wie kommt ein Benzinge­röder dazu, den Halberstädtern ein solches Geschenk zu bereiten? „Wir sind doch alle Harzer. Und die müssen zusammenhalten“, sagt er, ohne lange nach einer Erklärung suchen zu müssen.

Kontakt zum Oberbürgermeister

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Halberstadt habe ihm Freude bereitet. „Über Facebook habe ich mit dem Oberbürgermeister Kontakt aufgenommen und meine Dienste angeboten. Bei einem Käffchen habe ich mit Thomas Wald die Einzelheiten abgesprochen. Das war alles sehr entspannt.“

Die Bau- und Möbeltischlerei PNP Bongossi Holzwürmer GmbH Benzingerode ist 1999 aus der Taufe gehoben worden. 2009 hat Lars Pahl-Lundgreen den Betrieb vom Vater übernommen. Der mittelständische Betrieb arbeitet für Kunden in der Harzregion, baut Fenster, Türen, Treppen sowie alles, was mit Holz zu tun hat und beschäftigt mit dem Chef insgesamt drei Mitarbeiter.

12.000 Euro gespendet

Für das Projekt „Gläserner Mönch“ spendeten Halberstädter 3200 Euro. Die Gesamtkosten betragen 12.000 Euro, informiert Rathaussprecherin Ute Huch.

Oberbürgermeister An­dreas Henke (Linke): „Der Verein Halberstädter Berge hat sich engagiert um Spenden für die Reparatur der Treppenanlage bemüht. Es ist immer wieder wohltuend, zu erleben, wie sich Menschen für unsere Stadt engagieren. Gleichzeitig möchte ich allen Spendern für ihre Hilfe danken, besonders aber dem Tischler aus Benzingerode für die kostenfreie Handwerksarbeit. Das war eine tolle Hilfe aus der Region für die Re­gion.“