Halberstadt l Bei der Abstimmung dreht sich Daniel Szarata kurz um, blickt in den Saal und sagt vernehmlich: „Ach kommt, traut euch!“ Denn es hatten zwar alle Mitglieder seiner Fraktion den Arm gehoben, aber die anderen Ratsfraktionen wollten den Antrag der CDU-Fraktion nicht unterstützen. Außer Jens Rehmann, was den ÖDP-Mann zum Zünglein an der Waage werden ließ. Denn letztlich stand es 14 : 13 bei 5 Enthaltungen. Und damit war der CDU-Antrag mehrheitlich angenommen. Die Baugrundstücke im Sonntagsfeld werden künftig für 130 Euro pro Quadratmeter von der Stadt an Interessenten verkauft.

Seit 7500 Jahren besiedelt

Die Stadt hatte dem Rat vorgeschlagen, die noch nicht vergebenen Grundstücke des vierten Bauabschnittes für einen Quadratmeterpreis von 99,60 Euro zu verkaufen. Im Preis enthalten sind Erschließungsbeiträge sowie die Kosten für die erforderlichen archäoligschen Grabungen. Denn auf dem Areal zu Füßen der Spiegelsberge am Goldbach siedeln nachweislich seit mehr als 7500 Jahren ununterbrochen Menschen.

Aus diesem Grund wollte die CDU den Preis nicht erhöhen. Fraktionschef Daniel Szarata sagte, als er den Änderungsantrag stellte, dass die Stadt nicht mehr so viele Grundstücke habe, die sie anbieten könne. Und für so eine Toplage seien 99 Euro zu günstig. „Wir haben nichts zu verschenken, auch keine Grundstücke.“ Das zeige auch der aktuelle Haushalt mit einem Überschuss von knapp 50 000 Euro. Das ist nicht viel für eine Stadt. „Wenn wir merken, wir werden die Grundstücke für diesen Preis wirklich nicht los, kann man ja nochmal darüber reden. Aber lasst es uns doch erstmal versuchen. In vergleichbaren Lagen in Wernigerode zahlen die Käufer 200 Euro pro Quadratmeter. Und ich will mich nicht dahinter verstecken. Lasst uns mutig sein!“

Auswirkung auf Bodenrichtwert

Jens Müller von der SPD wandte sich gegen den CDU-Vorschlag. Denn man habe bereits zahlreiche Grundstücke zu einem anderen Preis verkauft, für die Eigentümer bedeute diese Erhöhung wegen der Auswirkung auf den Bodenrichtwert eine enorme Wertsteigerung ihrer Grundstücke.

Auf einen anderen Aspekt verwies Jens Rehmann. Auch bei der von Stadtseite vorgeschlagenen Anhebung des Baulandpreises von 78,10 auf 99,60 Euro sollten jene zum alten Preis kaufen dürfen, die sich schon seit Jahren um ein Grundstück bemühen, es aber nicht kaufen konnten, da der vierte Bauabschnitt noch nicht ausgewiesen war. Das Ansinnen unterstützten neben Jürgen Jüling und Hans-Joachim Nehrkorn von der Links-Fraktion letztlich alle Ratsmitglieder. Zumal es konkret um drei Grundstücke geht, die als „Zukäufe“ reserviert wurden.