Halberstadt l Entdeckungen, die bei Bauarbeiten zutage treten, sind in Halberstadt nichts Neues. Doch dieses Mal sind es keine bronzezeitlichen Gräber oder mittelalterliche Schätze, auf die Arbeiter am Grudenberg bei der Sanierung der Dombergstützmauer gestoßen sind. Dieser Fund ist viel jüngeren Datums und weniger ein Grund zur Freude: eine Kabeltrasse der Telekom, 80 mal 80 Zentimeter dick.

„Wir müssen jetzt wir umplanen“, erläutert Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, auf Nachfrage der Volksstimme. Die Arbeiten, die Anfang Februar begonnen wurden, ruhen deshalb seit Monaten. Von der Grüninsel, für die sich der Stadtentwicklungsausschuss im vergangenen Jahr ausgesprochen hat, ist nichts zu sehen. Stattdessen sind unterhalb des Petershofs Bauzäune und graue Planen zu finden.

Anfrage vergessen

Jens Klaus räumt ein, dass der Baustopp auf einen Planungsfehler zurückzuführen sei. Es wurde schlicht vergessen, sich mit dem Telefonanbieter abzustimmen. „Ich habe zwar zuvor mit den Stadtwerken und anderen Versorgern gesprochen, ob in dem betreffenden Abschnitt Leitungen verlegt wurden, hielt es aber bei der Telekom nicht für notwendig. Mit so einem großen Kabelbündel habe ich einfach nicht gerechnet“, so Klaus.

Eine Umverlegung der Kabel würde nach seiner Einschätzung Kosten im sechsstelligen Bereich verursachen. Für die ursprünglichen Pläne – die Grüninsel – waren Kosten in Höhe von 150.000 Euro vorgesehen.

Zerstörung 1945

Als erster Schritt mussten dafür der Erdhügel samt der darauf gewachsenen Bäume im Bereich Grudenberg 9-11 weichen. Während die Telekom-Kabel nicht bedacht wurden, haben die Planer dagegen mit Resten der Dombergstützmauer unter der Erde gerechnet. Sie muss an dieser Stelle im Zuge des Bombenangriffs im April 1945 zerstört worden sein, vermutete Jens Klaus vor Start der Arbeiten. Für die Statik des darüberliegenden Petershof stelle das Fehlen der Mauer keine Gefahr dar.

Ein Problem ist dagegen die Lärmbelästigung für die Anwohner: Der Grudenberg, mit Kopfsteinpflaster versehen, ist eine viel genutzte Strecke. Die ursprünglichen Überlegungen der Stadtentwickler sahen deshalb vor, die besagte Grüninsel zu schaffen – inklusive einer Mauer, die den Verkehrslärm dämpft. Diese Funktion sollten auch mehrere Bäume, direkt an der Bordsteinkante am Grudenberg gepflanzt, übernehmen.

Begrünte Terasse

„Eine solch große Grüninsel, wie sie vorgesehen war, kann es nun nicht mehr gegeben und auch keine massive Mauer“, informiert Jens Klaus. Auf Bäume und Pflanzen soll trotz der Planänderungen jedoch nicht verzichtet werden. „Wir haben uns nun für eine begrünte Terassenform entschieden.“ Sein Fachbereich habe sich bereits mit anderen betroffenen Instanzen – Anwohner, Versorgungsunternehmen, Denkmalbehörde – diesbezüglich abgestimmt. Wichtig sei es der Stadtverwaltung, trotz aller Veränderungen der Baupläne mit der Sanierung keine Verschlechterung der Lärmbelastung für Anwohner zu erreichen.

Derzeit werde an den konkreten Vorbereitungen für den Plan B gefeilt. „Unsere Zielstellung ist es, noch in diesem Jahr zu beginnen.“