Halberstadt l Klopfen und Hämmern am Katzenplan in Halberstadt. Eine Geräuschkulisse, die an die Arbeit der legendären Mauerspechte 1989 erinnert. Allerdings wird in der Gasse vom Grudenberg zum Dom­platz nichts eingerissen, sondern seit Anfang der Woche im Auftrag der Stadtverwaltung Halberstadt aufwendig saniert – die Südfassade des aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kreuzganges der Liebfrauen­kirche. Die Arbeiten betreut Dombaumeister Dr. Volker Lind.

Sockel besonders betroffen

Umwelteinflüsse haben dem Bauwerk in den zurückliegenden Jahrzehnten stark zugesetzt und nicht zu übersehende Spuren hinterlassen. Die größten Schäden gibt es im Sockel der Fassade. Sandsteinquader lösen sich dort komplett auf. Sie zerbröseln einfach. Manfred Lazar von der Stadtverwaltung Halberstadt hat dafür die Erklärung parat. „Streusalz hat den Sandstein stark angegriffen und zerstört ihn.“ Vor ein paar Jahren habe man dieses Phänomen bereits an der Ratslaube des Rathauses festgestellt. Seitdem ist der Einsatz des aggressiven Streusalzes vor beziehungsweise an den mit Sandstein errichteten wichtigen historischen Gebäuden untersagt, um weitere Beschädigungen zu verhindern, die teure Restaurierungen nach sich ziehen.

Neuer Fugenmörtel

„Die beschädigten Sandsteine werden nicht nur ausgebessert, sondern komplett gegen neue ausgetauscht“, informiert Manfred Lazar. Außerdem verfugen die Fachleute von der Firma Frank Zimmer alles mit Kalkmörtel. Derzeit entfernen die Mitarbeiter den alten Fugenmörtel. „Teilweise ist dort sogar Zement reingeschmiert worden. Ein großer Fehler, weil der keine Verbindung mit dem Sandstein eingeht und Abplatzungen verursacht.“ Dies sei wahrscheinlich zu DDR-Zeiten geschehen. Grundhaft ist die Fassade des Kreuzganges in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht saniert worden. Nur partiell sind immer mal wieder Schäden behoben worden. Lazar schätzt, dass etwa 50 Prozent der Fassade bearbeitet werden müssen. Dazu gehört im Dachbereich die Erneuerung von Gesimsteilen.

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Westfassade wartet auf Sanierung

Insgesamt 38.662 Euro stehen dafür bereit. Bund und Land Sachsen-Anhalt übernehmen den Löwenanteil von 80 Prozent, das Geld stammt aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz. Die restlichen 20 Prozent übernimmt die Stadt. Im kommenden Jahr soll die Westfassade auf Vordermann gebracht werden.

Die Arbeiten an der Südfassade des Kreuzganges sollen spätestens bis 5. August abgeschlossen sein, sagt Manfred Lazar. Bis dahin ist aus Sicherheitsgründen die Gasse für den Fahrzeugverkehr voll gesperrt. Nur Fußgänger können passieren.