Halberstadt l Unter einem Erdwall sind wahrscheinlich die Reste der Dombergstütz­mauer im Bereich Grudenberg 9-11 begraben. Große Bäume haben ihre Wurzeln tief in den Hügel geschoben – ein sicheres Zeichen dafür, dass der Zustand seit Jahrzehnten andauert. Wahrscheinlich seit der Zerstörung Halberstadts während des Bombenangriffs im April 1945, vermutet Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. Am benachbarten Drachenloch wurden damals mehrere Wohnhäuser zerstört.

Im kommenden Jahr soll die Mauer nun saniert und das Areal attraktiv neu gestaltet werden. Einen entsprechenden Beschluss hat der Stadtentwicklungsausschuss während seiner jüngsten Sitzung einstimmig abgesegnet.

150.000 Euro will die Stadt Halberstadt in die Arbeiten zu Füßen des Domplatzes investieren. 120.000 Euro kommen aus dem Programm „Städtebau­licher Denkmalschutz“ und sind laut Beschlussvorlage bereits bewilligt, 30.000 Euro steuert die Stadt Halberstadt an Eigenmitteln bei. Außerdem sind 57.300 Euro für die Umgestaltung des Straßenraumes eingeplant. Diese Kosten werden mit Ausgleichsbeiträgen beglichen. Das bedeuet: Der Finanzierungstopf wird von Grundstückseigentümern im Sanierungsgebiet gespeist, die mit sogenannten Ausgleichsbeiträgen die Wertsteigerung ihres Eigentums einmalig abgelten.

Keine Statikprobleme

Vermutlich seit dem Kriegsende hat den Erdhügel niemand mehr angefasst. „Es wird spannend zu sehen, was darunter von der alten Stützmauer noch vorhanden ist. Es könnten positive wie nega­tive Überraschungen dort auf uns warten“, sagt Jens Klaus. Die vorliegende ­Planung sei aber auf letzteres Szenario gut vorbereitet – also auf eventuelle Mehrkosten. Dass die Stützmauer dort ihre eigentliche Funktion, die ­Sicherung des Domplatzes und der darauf stehenden Bauten nicht mehr erfüllt, verursacht keine Probleme, betont der Fachbereichsleiter. Der direkt oberhalb des Bereiches stehende Petershof sei sehr tief gegründet, sodass das Fehlen der Stützmauer keine statischen Auswirkungen habe.

Im besagten Areal passiert im kommenden Jahr jedoch mehr als nur die Sanierung der Dombergstützmauer. Mit dem Entfernen des Erdhügels und der darauf stehenden Bäume entsteht Platz. Bei den Überlegungen, wie das Areal künftig aussehen soll, spielte der Fakt eine Rolle, dass die Bewohner des Grudenbergs einer großen Lärmbelästigung durch den Verkehr ausgesetzt sind. Daher fiel im Rathaus die Entscheidung, eine Grüninsel zu schaffen. Ange­strebt wird eine verkehrsberuhigende Funktion, heißt es im Beschluss. Zwischen ­Straße und Mauer entsteht ein mit Naturstein gepflasterter ­neuer Gehweg, der von der Einmündung Drachenloch hinter den dortigen ­Parkplätzen verläuft und der an den vorhandenen Fußgängerweg im Norden mündet. Mehrere Bäume, die direkt an der Bordsteinkante am Grudenberg gepflanzt werden, sollen den Lärm „schlucken“ (Skizze).

Zur Umsetzung des Planes muss der Stadtrat am Donnerstag noch grünes Licht geben.

Siebenstellige Summe bislang investiert

Die Dombergstützmauer ist in den zurückliegenden 30 Jahren in mehreren Abschnitten saniert worden: Unter anderem Teile des Lichtengrabens in den 1980er Jahren, vom Tränketor bis Klein Venedig 1991, 2001 der Lichtengraben bis zum Hohen Weg, 2012 flossen 40.000 Euro in den Düsterngraben/Ecke Lichtengraben und 120.000 Euro für den Bereich Grudenberg/Katzenplan, dort sind auch mehrere Parkplätze entstanden.

Die Investi­tionskosten schätzt Jens Klaus insgesamt auf eine siebenstellige Summe. Fertig wird man mit der Sanierung des Bauwerks wohl nie, so der Fachbereichsleiter. Trotz der Investitionen in den zurückliegenden Jahrzehnten wird es immer wieder mal ­Baustellen an der Dombergstützmauer geben.