Halberstadt l Abblätternde Farbe, bröckelnder Putz, wegbrechende Treppenstufen, desolate Heizungs- und Wasserrohre, undichte Dächer. Die Mängelliste ist lang. Wie lang, ist selbst den Akteuren nicht klar, die jeden Tag unter beengten Verhältnissen, in desolaten, wenig einladend wirkenden Gebäuden ihre Arbeit machen. Das Publikum bekommt davon wenig mit. Wenn die Scheinwerfer an sind, ist der Blick auf das Geschehen auf der Bühne gerichtet. Das ist gut so. Denn was da geboten wird, ist an- und aufregende Kunst, gute Unterhaltung, provozierende Fragestellung im gesellschaftlichen Disput. All das, was Theater leisten kann und soll.

Nachdem die drohende Schließung des Harztheaters kein Thema mehr ist – Land Sachsen-Anhalt, sowie Landkreis Harz, Quedlinburg und Halberstadt als Träger haben sich eindeutig zur Landesbühne Nordharzer Städtebundtheater bekannt – kann sich das Augenmerk auf Dinge wie Gebäudesanierung richten. Auch wenn im Vertrag mit dem Land keine Investitionskosten verankert sind, will Verwaltungsdirektor Jörg Heyne keine Kritik am Landesvertrag üben.

 „Es ist ein guter Vertrag, der nach langer Zeit endlich den Ausstieg aus dem Haustarifvertrag ermöglich hat“, sagt Heyne. Denn der damit verbundene Lohnverzicht der Mitarbeiter habe viel zu lange gedauert. „An sich sind Haustarifverträge ein Mittel, um einen finanziellen Engpass in einem überschaubaren Zeitraum von drei bis fünf Jahren zu überbrücken. Hier hat das schon viel zu lange gedauert“, sagt Heyne, wissend, dass es im Kampf um den Erhalt des Theaters in der Region wenig andere Möglichkeiten gab.

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Keine Zukunft ohne Sanierung?

Aber ohne umfassende Investitionen, da ist sich Heyne sicher, hat das Haus langfristig keine Zukunft. Geld muss ebenso in zeitgemäße Technik fließen wie in die Sanierung der baulichen Hülle. Um sowohl für das Publikum, als auch für die Mitarbeiter, annehmbare Bedingungen zu schaffen. Doch wie soll das finanziert werden, wenn es dafür laut Vertrag keine regelmäßigen Zuschüsse gibt?

„PMO“, sagt Heyne. „Wir bekommen fast eine Million Euro.“ Dieses Geld stammt aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR, das laut Bundesfinanzministerium und laut Einigungsvertrag zugunsten gemeinnütziger Zwecke, insbesondere der wirtschaftlichen Umstrukturierung in den neuen Bundesländern und Berlin (Ost) zu verwenden ist. Sachsen-Anhalt konnte sich bis 2018 insgesamt über einen Geldfluss von rund 77,6 Millionen Euro freuen. Allein im vergangenen Jahr waren es 35 Millionen Euro. Diese Mittel sind zugunsten gemeinnütziger Zwecke für Investitionen in den neuen Ländern auszureichen.

Bauplaner soll Kostenschätzung liefern

Nun also gibt es knapp eine Million fürs Städtebundtheater. Was soll davon gemacht werden? Dach? Wände? Technische Infrastruktur? „Nichts“, sagt Heyne und schiebt grinsend hinterher: „Nichts an Bauhandwerklichem. Aber natürlich fließt das Geld für die Bausanierung.“ Weil Theaterleute viel können, aber nicht alles, soll ein Bauplanungsbüro beauftragt werden, eine Ist-Analyse zu erstellen und darauf aufbauend ein Konzept samt Kostenschätzung liefern, was wann zu tun ist.

 „Nicht, dass wir Geld in eine Sache stecken und zwei Jahre später merken, das war unsinnig, weil ein anderer Schritt vorher fehlt. Wir wollen mit dem Konzept Geldverschwendung vermeiden.“ Dass die Summe, die am Ende der Analyse stehen wird, enorm sein wird, weiß Heyne. „Wenn wir wissen, wofür wie viel Geld notwendig ist, kann man sich an die Finanzierung machen, Fördermittel beantragen, öffentliche und private Stiftungen anschreiben.“