Halberstadt l Dicht gedrängt stehen die Kinder im Essensraum, singen ihre Lieder. Die Sternsinger sind zu Gast in der Wärmestube, haben den Segen gebracht und erfreuen die Besucher mit ihrem Auftritt. Dazwischen wuselt Antje Schmidt hin und her, bringt Teller, trägt einen großen Thermo­behälter mit Glühwein. „Den haben wir sehr stark verdünnt“, sagt sie lachend, denn Alkohol ist eigentlich tabu in der Wärmestube. Aber zum allerersten Neujahrsempfang der Einrichtung dürfen die Gäste sich nicht nur an Schmalzstullen und Kaffee stärken, sondern auch einen Glühwein trinken.

Vor den schlichten weißen Containern steht eine Feuerschale auf den Gehwegplatten, die brennenden Holzscheite verbreiten Wärme. Wer mag, kann sich zum Plaudern an der Feuerschale treffen. Doch viele der Gäste genießen lieber die wohligen Temperaturen im Speiseraum.

Gemeinsam ins neue Jahr

An den Tischen haben am gestrigen Dienstagvormittag nicht nur die Stammgäste Platz genommen, sondern auch Mitarbeiterinnen der Caritas. Sie sind von ihren Büros in der Gröperstraße zum Empfang geeilt, um mit Mitarbeitern und Besuchern der Wärmestube gemeinsam in das neue Jahr zu starten.

Antje Schmidt hat derweil wieder die Küche verlassen und gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Oppermann die Gäste begrüßt. Ihre seit Oktober in der Wärmestube arbeitende Kollegin verabschiedet sich kurz darauf ins Büro, um an die bereits wartenden Menschen die Marken auszugeben, mit denen dann einmal in der Woche die sogenannten kalten Taschen abgeholt werden können. Die Marken erhält, wer seine Bedürftigkeit nachweist.

Antje Schmidt ist froh, dass diese Arbeit nun Maria Oppermann übernommen hat. „Damit hat sie mir eine große Last von den Schultern genommen“, berichtet die leidenschaftliche Köchin, die im vergangenen Jahr lange Zeit allein den Hut auf hatte für die Organisation der Arbeit in der Einrichtung. „2016 war das Jahr, in dem wir erstmals komplett ohne Rolf Lange auskommen mussten. Das war eine große Herausforderung für uns alle“, berichtet Antje Schmidt in ihrer kurzen Neujahrsansprache.

Fleißig trotz Feiertag

Sie erinnerte an den 6. Januar 2016, als sie morgens mit Mann und Sohn aus Quedlinburg zur Wärmestube kam, weil es in der Nacht heftig geschneit hatte. „Ich dachte, da müssen wir viel tun, um die Wege freizuräumen. Aber als wir ankamen, hatte ich nicht viel mehr zu tun, als Kaffee zu kochen, weil viele von unseren Gästen trotz des Feiertages hergekommen und bereits fleißig gewesen waren.“ Antje Schmidt erinnerte auch an die Faschingsfeier, bei der erstmals ein Prinzenpaar gekürt worden war. Christine und Georg, die sich in der Einrichtung kennen- und liebengelernt haben, werden in diesem Jahr den Tanz zur Faschingsparty eröffnen, sagte Schmidt.

Auch ein Spielenachmittag, ein Flohmarkt mit Büchsenwurf-Stand für die Kinder, an dem letztlich aber mehr Erwachsene ihren Spaß hatten als Kinder, gehörten zu den Angeboten des vergangenen Jahres. Ein Sommerfest wurde organisiert und gemeinsam mit der Kirchengemeinde ein Nachmittag bei Kaffee und Kuchen verbracht samt Flohmarkt. „Zur Eröffnung der fünften Jahreszeit am 11. November bevölkerten dicke Brummer, Clowns und rotzöpfige Wesen die Räume der Wärmestube“, berichtete die Leiterin der Einrichtung.

Spaß beim Weihnachtsbasar

Sie erinnerte zudem an den Weihnachtsbasar, der allen viel Spaß gemacht habe und mit dem auch Geld eingenommen wurde für die Arbeit der Wärmestube. Vor Weihnachten gab es einige Spenden, die die laufende Arbeit unterstützen, aber auch für die geplante Sanierung des Sanitärtraktes Verwendung finden werden. Mit einem kurzen Gedenken an zwei verstorbene Stammgäste und besten Wünschen für Gesundheit und Zufriedenheit beendete Antje Schmidt ihre Ansprache, um den Imbiss freizugeben – mit den Worten: „Esst langsam, wir haben Gäste!“ Die wurden mit Gelächter quittiert.

Dass zu Heiligabend nicht nur 50 wie 2015, sondern 60 Geschenktüten ausgegeben worden sind, „spricht für uns“, sagte Schmidt, der die Arbeit in der Wärmestube sichtlich Freude bereitet. Sie hat auch eine Bitte an die Halberstädter. „Wir brauchen ganz dringend warme Winterbekleidung, Wolldecken, Bettwäsche und Haushaltsgeräte wie Kaffeemaschinen, Toaster bis hin zu Kleinmöbeln. Unsere Kleiderkammer ist ziemlich leergefegt.“ Abgeben kann man Kleiderspenden und Co. montags bis freitags von 8.30 bis 14 Uhr in der Wärmestube am Franziskanerkloster.