Halberstadt l Bagger arbeiten sich ins Erdreich, Stück für Stück rückt die Kolonne voran. Drei bis vier Meter tief müssen die Bauleute sich in den Boden arbeiten, um an die alten Kanalrohre zu kommen. „Wie alt genau die Leitungen sind, wissen wir nicht. Es gibt keine Unterlagen dazu“, sagt Thomas Valentin, Geschäftsführer der Abwassergesellschaft Halberstadt (AWH). „Aber fast 100 Jahre liegen die Regen- und Schmutzwasserkanäle bestimmt schon im Erdreich, sie sind wohl um 1920 verlegt worden.“ Eine lange Zeit, auch für Abwasserleitungen.

Also werden die Rohre jetzt komplett erneuert. „Sie entsprechen in mehreren Punkten einfach nicht mehr heutigen Anforderungen und waren zudem schon recht desolat“, sagt Valentin. Eine Untersuchung der Leitungen mit einer Kamera ergab, dass es massive Schäden auf der gesamten Länge gibt. Das Kanalsystem in der Magdeburger Straße beschäftigt die Fachleute der AWH deshalb schon länger, die Erneuerung der Rohre ist Bestandteil der langfristigen Investitionsplanung.

Gemeinsames Bauen spart Kosten

„Aber wenn wir eine so wichtige Verkehrsader sperren, sollten alle Beteiligten im Boot sein“, sagt Valentin. In Halberstadt klappe es meist sehr gut, solche großen Vorhaben als Gemeinschaftsaufgabe zu organisieren. Denn für den Straßenbau auf einer Bundesstraße ist die Landesstraßenbaubehörde zuständig, für Gehwege und Nebenanlagen die Stadt, für Trinkwasser-, Strom- und Gasleitungen die Halberstadtwerke. „Das Zusammenspiel klappt, denn so werden zum einen die Baukosten für alle Beteiligten in einem vernünftigen Rahmen gehalten, andererseits ist auch die Beeinträchtigung für Anwohner und Verkehrsteilnehmer überschaubarer, sagt der AWH-Chef.

Federführend für die Arbeiten in der Magdeburger Straße ist die Landesstraßenbaubehörde, die die halbseitige Sperrung der Bundesstraße 81 gleich nutzt, um auch den Kreuzungsbereich Am Breiten Tor/Schützenstraße zu sanieren. „Da sind wir als Abwassergesellschaft nicht beteiligt, unsere Leitungen sind dort okay“, sagt Valentin. Die eigentliche Straßensanierung in der Magdeburger Straße wird nach Abschluss der Kanalarbeiten beginnen, aber erst im kommenden Jahr.

Im Zeitplan

Erst sind die Kanalbauer dran. „Wir liegen gut im Zeitplan. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten geht es zurzeit zügig voran“, schätzt Marco Grigoleit ein, der vonseiten der AWH die Baustelle betreut. Die Kanalverlegung sei zudem nicht ganz so wetterabhängig wie Asphaltierungsarbeiten. „Wir können auch bei leichten Frostgraden noch weitermachen. Nur bei Dauerregen oder Dauerfrost müssen wir auch aufhören.“ Deshalb gehen die AWH-Leute davon aus, dass auf den 500 Metern der Baustelle bis zum Jahresende die alten Regenwasser- und Schmutzwasserrohre durch glasfaserverstärkte Kunststoffrohre ersetzt sein werden. Rund 600.000 Euro netto wird das Herausholen der alten und das Einlegen der neuen Rohre, die einen Durchmesser von 300 bis 500 Millimetern aufweisen, kosten.

Um Zeit zu sparen, hat die AWH schon vor Beginn der Kanalarbeiten die Hausanschlüsse saniert. „Dazu mussten wir die Straße nicht sperren, das haben wir mittels Inlinerverfahren erledigt“, erklärt Grigoleit.

Stadtwerke erneuern komplette Versorgung

Wenn die Abwassergesellschaft ihre Rohre in der Magdeburger Straße ausgetauscht hat, werden die Halberstadtwerke loslegen. Der Energieversorger will ebenfalls zahlreiche Leitungen erneuern, wird aber, wie es hieß, nicht mehr in diesem Jahr damit anfangen. Vorgesehen sind der Austausch von 400 Meter Fernwärmeleitungen, von 600 Metern Wasserleitung und 700 Metern Gasrohren. Und wenn man einmal alles offen hat, werden auch gleich die Stromleitungen im Erdreich erneuert – 1700 Meter Mittelspannungsleitungen, 2100 Meter Niederspannungsleitungen und rund 1000 Meter Hausanschlussleitungen, informiert Stadtwerkesprecher Sebastian Hübner. Allein für den Tiefbau nehmen die Stadtwerke 360.000 Euro in die Hand, die Leitungen kosten nochmal extra. Damit ist insgesamt wohl eine Investition von rund 750.000 Euro notwendig.

Die Bauarbeiten werden über den Winter zum Erliegen kommen, vorgesehen ist laut Stadtverwaltung, für diese Zeit für die Fußgänger eine Querungsmöglichkeit zu schaffen. Mit dem Frühjahr nimmt die Bautätigkeit wieder Fahrt auf, dann wird der Straßenkörper selbst saniert. Bis Ende November 2018, so die Planung, soll alles erledigt sein. Solange wird die Umleitung für die B 81 stadtauswärts über die Richard-Wagner-Straße führen.