Halberstadt l Orkan „Friederike“ hat am vergangenen Donnerstag etwa die Hälfte des Flach­daches der Spiegel-Grundschule in Halberstadt heruntergerissen (Volksstimme berichtete). Zum finanziellen Schaden konnte die zuständige Stadtverwaltung am gestrigen Dienstag noch nichts sagen. „Die mit der Reparatur beauftragte Firma ist mit Aufräumarbeiten beschäftigt und kann daher noch keine Schätzung abgeben“, informiert Rathaus-Sprecherin Ute Huch.

Gelände gleicht Schlachtfeld

Teile der Dachkonstruktion, vor allem Styropor­dämmung, Holzlatten und Folie, liegen vor dem Schulgebäude beziehungsweise im Innenhof oder hängen am Gebäude herunter und drohen abzustürzen. Das Umfeld gleicht einem Schlachtfeld. Am Montag sondierten Dach­decker und Gerüstbauer das Areal. Einen Tag später beginnen Mitarbeiter der Firma Böttcher Gerüstbau damit, den beschädigten Gebäudeflügel einzurüsten.

Bergsteigerqualitäten beweisen

Bergsteigerqualitäten müssen Mitarbeiter der Firma Bauingenieur und Dach­deckermeister GbR unter Beweis stellen. In über 20 Metern Höhe klettern sie mit Gurten gesichert auf das verwüstete Schuldach, um die Reste der demolierten Dachhaut zu bergen. Das sieht nicht nur gefährlich aus, das ist es auch, bestätigt ein Handwerker.

Bilder

Mit Schneidwerkzeugen und Sägen arbeiten sie sich durch das vom Orkan zerrissene und teils wild zusammengefaltete Dach. Viel Zeit bleibt für die Reparatur nicht. An den beiden zurückliegenden Tagen haben die drei benachbarten Schulen den 225 Grundschülern „Asyl“ gegeben. „Wir sind optimistisch, dass das gesteckte Ziel, ab Donnerstag an der Spiegel-Grundschule wieder unterrichten zu können, gehalten wird“, betont Ute Huch, Sprecherin der Stadtverwaltung Halberstadt.

Sturmtief Friederike wütet im Harz

Wernigerode (um) l Das Sturmtief "Friederike" hat am frühen Nachmittag Wernigerode erreicht. Zahlreiche umgestürzte Bäume hielten die Rettungskräfte im Harz in Atem.

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung ges...

  • Ein umgestürzter Baum an der Westerntorkreuzung in Wernigerode. Foto: Dietrich Rahnert

    Ein umgestürzter Baum an der Westerntorkreuzung in Wernigerode. Foto: Dietrich Rahnert

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung ges...

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung ges...

  • Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

    Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gele...

  • Vor der Francke-Grundschule kracht ein Baum auf das Autodach, verletzt wird niemand. Foto: Regina Urbat

    Vor der Francke-Grundschule kracht ein Baum auf das Autodach, verletzt wird niemand. Foto: Regina...

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: In der Ringstraße wird ein Teil des Dachs abgedeckt, die Straße zeitweise vorsichtshalber gesperrt. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: In der Ringstraße wird ein Teil des Dachs abged...

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Glück für Fahrgäste- an der Bushaltestelle Floßplatz in Hasserode entwurzelt es einen riesigen Nadelbaum, der auf die Wiese stürzt. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: Glück für Fahrgäste- an der Bushaltes...

  • Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kameraden der Wachbereitschaften sind im Einsatz. Für Stunden ist die Straße dicht, weil weitere Bäume umstürzen. Foto: Regina Urbat

    Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kameraden...

  • Sturmtief Friederike wütet im Harz: Feuerwehrleute räumen im Oberharz umgeknickte Bäume von der Straße. Foto: Regina Urbat

    Sturmtief Friederike wütet im Harz: Feuerwehrleute räumen im Oberharz umgeknickte B...

  •  Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kameraden der Wachbereitschaften sind im Einsatz. Für Stunden ist die Straße dicht, weil weitere Bäume umstürzen. Foto: Regina Urbat

    Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kamerade...

  • Der Orkan

    Der Orkan "Friederike" hat für zahlreiche umgestürzte Bäume auf den Straßen i...

  • Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

    Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

  • Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

    Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

  • Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

    Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

„Friederike“ ist den Planern im Rathaus zuvorgekommen. Seit einigen Jahren beschäftigt man sich dort bereits mit der energetischen Sanierung der in den 1970er Jahren erbauten Schule. Dazu gehört unter anderem die Dacherneuerung. Das Sanierungskonzept soll Ende April diesen Jahres beim Land Sachsen-Anhalt eingereicht werden. Mit dem Papier bewirbt sich die Stadt ­Halberstadt um Geld aus dem Stark III-Förderprogramm. 4,9 Millionen Euro sind für das Projekt in den städtischen Haushalt für 2019/2020 eingestellt.

Lundner-Schule auch betroffen

Der Orkan hat auch Teile des Daches der Miriam-Lundner-Grundschule abgedeckt. Der Schaden sei nicht so groß und werde in den kommenden Tagen behoben, so Ute Huch. Dort haben am Dienstag Handwerker mit dem Einrüsten des Gebäudes begonnen. Schulleiter Sebastian Lütgert hofft, dass die Arbeiten zügig vorangehen und zumindest eine provisorische Folie die Löcher schließt. Denn sollte es stark regnen, hätte die Schule mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Das Wasser könnte ungehindert in das Holz des Dachbodens sickern, weil das Dach nicht isoliert ist.

Das Flachdach eines seit vielen Jahren verwaisten ehemaligen Schulgebäudes am Paulsplan ist ebenfalls beschädigt worden. Für das im Besitz der Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe) befind­liche Haus werden derzeit Angebote für eine Reparatur eingeholt, informiert HaWoGe-Geschäftsführerin Beate Grebe. Der Orkan habe auch bewohnte HaWoGe-Häuser beschädigt, und deren Reparatur hätte natürlich Vorrang, betonte Grebe.

Die Schulen im Stadtgebiet, die sich in Trägerschaft des Landkreises Harz befinden, haben dagegen kaum Schäden davongetragen. „Vereinzelt wurden Ziegel beschädigt oder es kam zu Kronenausbrüchen an größeren Bäumen“, informiert Sprecherin Ingelore Kamann.

Schneise der Verwüstung

Außerdem hat der Orkan in den Grünanlagen sowie in den Halberstädter Bergen eine Schneise der Verwüstung geschlagen. Im Straßenbegleitgrün mussten acht Bäume beräumt werden, die bereits umgebrochen waren, beziehungsweise drohten umzustürzen. So in der Spiegelstraße, der Franz-List-Straße, im Birkenweg und in anderen Straßen der Stadt, informiert Ute Huch.

In den öffentlichen Grünanlagen sind es 17 umgebrochene beziehungsweise angebrochene Bäume, die kurzfristig gefällt werden müssen – zum Beispiel in der Schützenstraße, Am Kulk, im Lindenweg, am Kleinen Anger, Mühlenweg, in der Schwanebecker Straße und im Ortsteil Emersleben.

250 Festmeter Nutzholz beschädigt

An den Kindergärten und Grundschulen waren es acht Bäume. „Der städtische Friedhof beklagt den Verlust von mindestens 30 Bäumen, vorwiegend Nadelbäume“, berichtet Ute Huch. Im Park Spiegelsberge sind unter anderem mehrere große Kiefern entwurzelt und drei Laubbäume von den Orkanböen umgebrochen worden.

Schlimm habe es die Halberstädter Berge getroffen. Dort sind etwa 250 Festmeter Nutzholz, vorwiegend Nadelholz, durch den Orkan geschädigt worden. Schwerpunkt seien die Klusberge und das Osterholz, aber auch in den Spiegels– und Thekenbergen und auf den städtischen Waldflächen im Huy sind Sturmschäden zu verzeichnen. „Die Aufräumarbeiten werden mehrere Monate in Anspruch nehmen“, so die Einschätzung der Stadtverwaltung.

Vorrangig sollen erst einmal die Waldwege freigeschnitten und gefährliche Bäume beseitigt werden. „Es wird dringend darum gebeten, gesperrte Wegeabschnitte nicht zu betreten und beim Betreten des Waldes generell Vorsicht walten zu lassen“, warnt Ute Huch.