Halberstadt l „Meine ersten Erinnerungen sind, wie ich mit Blick auf den Dom gespielt habe. Damals konnte man noch wunderbar auf die Stadtmauer hochklettern. Ich sah die Türme von Dom und Martini, unten gab es manchmal einen Zirkus. Aber vor allem ist mir der Eindruck der gähnenden Leere von damals in Erinnerung geblieben.“

So spricht Neu-Alt-Halberstädterin Hanka Fiedler über Impressionen der Kreisstadt aus der Sicht eines Kindes. Denn den Großteil ihrer Kindheit und Jugend lebte sie hier. Mit 19 verschlug es sie dann für Lehre und Studium nach Leipzig, Rostock, Schwerin, und schließlich für die Liebe und eine Ausbildung zur Erzieherin 1974 nach Berlin. Diesen Beruf übte sie bis zur Schwangerschaft aus und lebte in einer Ökosiedlung im Hauptstadt-Bezirk Zehlendorf.

Zurück in die Heimat

Vor zehn Jahren zog es die damals 60-Jährige zurück in die alte Heimat. „Die Rente reichte kaum und ich wollte in die Nähe meiner Familie ziehen“, erklärt die heutige Yoga-Lehrerin.

In Berlin hat sie viele Dinge gelernt, unter anderem beim Leben mit wechselnden Bewohnern in der Ökosiedlung: Wer neu ist, oder wiederkommt, der wird gebührend begrüßt. „Ich habe mich in meiner Heimat so willkommen gefühlt,“ sagt sie und kam deshalb auf die Idee, die Tradition im Harz fortzuführen. „Aber ich wollte nichts mehr allein starten“, sagt die engagierte Halberstädterin. Durch einen glücklichen Zufall lernte sie bei einer politischen Veranstaltung Thea Maria Birkhahn kennen. Diese ist nach vielen Reisen ebenfalls in Halberstadt angelangt und so kamen sie auf die Idee, einen Stammtisch für Neu-Halberstädter zu gründen. Dieser findet seither einmal die Woche in der Kulturkneipe Papermoon in der Domstadt statt. „Es kommen immer relativ wenige, etwa zwei bis sechs Teilnehmer. Aber: Sie kommen wieder. und es entwickeln sich ernsthafte Freundschaften.“

Restaurants werden getestet

Nach dem ersten Kontakt bei der offenen Runde unternehmen sie zusammen Theaterbesuche, gehen in andere Kultureinrichtungen wie das Gleimhaus, wandern durch die grüne Umgebung und testen Restaurants aus. Jeden Monat ein anderes Lokal. „Wir wollen damit die Wirtschaft stärken“, sagt Hanka Fiedler. Diese Idee hatten zwei aus Berlin Zugezogene eingebracht.

Sie haben auch eine Begrüßung der Neuankömmlinge durch den Oberbürgermeister von Halberstadt angeregt. Die letzte war allerdings vor zwei Jahren. „Unser Wunsch wäre, dass das einmal im Jahr stattfindet.“ Grundsätzlich möchte sie die Halberstädter ermutigen, aktiv zu werden. Resignation nerve sie. „Ich sage: Leute, man kann jammern, aber dann auch ein Licht anzünden“, sagt sie.