Halberstadt l Wenn heute die deutsche Nationalelf gegen Schweden spielt, guckt auch Frauke Weiß zu. Die Christdemokratin ist aber niemand, der nur zu großen Fußballfesten seine Liebe zum Spiel entdeckt. Frauke Weiß ist ein Fan durch und durch. Seit Kindertagen ist ihr Klub Hansa Rostock, ist sie doch in einem Dorf nahe Rostocks aufgewachsen. Der Vater schaute Sport, immer. „Früher hatte man ja nur einen Fernseher, also guckten wir alle. Samstags um 17 Uhr die DDR-Sportsendung, um 18 Uhr dann die Sportschau und um 20 Uhr nochmal Sport im Westfernsehen“, berichtet die 72-Jährige.

Schimpfen wie ein Rohrspatz

Seit sie nicht mehr für ihre Partei im Landtag sitzt, genießt sie die Freiheit, auch mal zu anderen Tageszeiten als am Abend Sport zu schauen. „Früher bin ich ja kaum dazu gekommen, jetzt kann ich gucken, bis ich eckige Augen habe“, sagt sie lachend.

Am liebsten schaut sie Fußball und am liebsten allein.„Ich schimpfe immer wie ein Rohrspatz“, sagt sie und berichtet, dass sie im Halberstädter Friedensstadion oft böse Blicke erntet. Denn dort verfolgt sie die Spiele ihrer zweiten Lieblingsmanschaft, des VfB Germania Halberstadt. „Weil ich so eine tiefe Stimme habe, erkennen mich immer alle, wenn ich meckere.“ Nicht, dass es sie wirklich stören würde. Grinsend fügt die im Harzer Kreistag aktive Kommunalpolitikerin an, dass man ihr nachsage, fanatisch zu sein. „Ein bisschen recht haben die ja.“

Herzinfarkt beim Elfmeterschießen

Was Frauke Weiß bis heute nicht kann, ist, das Elfmeter-Schießen zu verfolgen. „Da gehe ich immer raus. Immer. Erst wenn gejubelt wird, gehe ich wieder rein. Die Wiederholung der Szene kann ich dann gucken, aber das andere ist mir zu aufregend. Da krieg‘ ich ja einen Herzinfarkt!“ Ihrer Mutter sei es ähnlich ergangen, erinnert sich die Diplom-Ingenieurin für Plasttechnologie, die nach ihrem Abitur zunächst eine Lehre als Chemiefacharbeiterin abschloss, ehe sie studierte.

Die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgt sie intensiv, nicht nur die Spiele mit deutscher Beteiligung. „Und ich gucke auch bis zum Schluss, das steht fest wie das Amen in der Kirche!“ Wie weit die deutsche Nationalelf kommt, das wagt sie nicht vorherzusagen, obwohl sie in ihrer Tippgemeinschaft bislang die Spitzenposition inne hat. Schließlich mache ihr beim Fußball keiner was vor, sagt sie und fragt sich, warum der Bundestrainer „so viele alte Herren aufs Feld stellt, wo wir doch so gute junge Spieler haben. Das verstehe ich nicht.“ Dass sie den Deutschen die Daumen drückt, steht außer Frage – und sie lässt sich gern positiv überraschen.