Halberstadt l „Fast schlangenartig-geschmeidig in seiner Körperlichkeit“, beschreiben Kritiker sein Spiel. Ulvi Erkin Teke ist als Gastdarsteller am Nordharzer Städtebundtheater zu sehen – in einem ungewohnten Part für einen Mann. Er spielt Sittah in „Nathan der Weise“. Eine Rolle, die ursprünglich für eine Frau angelegt war. Teke findet die Rolle spannend, weil sie ihm eine große Bandbreite an Emotionen abverlangt, wie er sagt. „Ich möchte mit meinem Spiel provozieren, dem Publikum Emotionen entlocken wie beim Fußball“, sagt der 32-Jährige.

Die Thematik des Stücks – das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen und Religionen – ist ihm gut bekannt. Er ist in Berlin-Tempelhof als Kind zweier türkischer Auswanderer geboren worden.

Clown gemimt

Während es Menschen gibt, die seit ihrer Kindheit davon träumen, Schauspieler zu werden, sträubte sich Ulvi Erkin Teke viele Jahre geradezu dagegen. Einmal, in der Grundschule, war er in einem Stück zu sehen – weil er musste. Gut war er nicht, sagt der Berliner heute selbst. Er habe den Clown gemimt, weil ihm das leicht falle. Doch für seine Mutter stand schon damals fest: Du gehörst auf die Bühne.

Bis Ulvi Erkin Teke selbst zu dieser Einsicht kam, kostet es einige Jahre. Und einige berufliche Änderungen. Lehren zum Friseur und Erzieher hat er begonnen, die zum Touristikassistenten und Einzelhandelskaufmann abgeschlossen. Er war als Animateur auf Ibiza und probierte sich in einigen Sportarten aus – Boxen, Handball, Fußball, Basketball. Erfüllung fand er in all dem nicht.

Als ihn eine Freundin mit zu einer Impro-Veranstaltung genommen hat, änderte sich das. „Die Seele schrie: Ich brenne noch“, sagt Teke. Er habe „Blut geleckt“. Das freie Spiel, das Ausprobieren und das Aus-sich-Herauskommen, haben ihm viel gegeben.

Texte lernen

„Aber eigentlich wollte ich nie Texte auswendig lernen und mir sagen lassen, wann ich zu weinen, und wo ich zu stehen habe“, gesteht Teke. Eigentlich. Doch dann bewarb er sich an der Ernst-Busch-Schauspielhochschule Berlin, schloss 2017 ab. Dass er dort zu den ältesten Studenten zählte, störte ihn nicht. „Ich finde es gut, älter zu sein und Erfahrung im Leben zu haben. Man hinterfragt mehr.“

Er bevorzuge Rollen in Dramen, „weil sie eine größere Herausforderung für mich sind“. Obwohl er von Filmrollen nicht abgeneigt ist, biete für ihn das Theater mehr Nervenkitzel. „Man hat nur einen Versuch, und der muss sitzen“, sagt Teke. Wenn er von seinem Beruf spricht, leuchten seine Augen mit der markanten Farbe – grün mit kupfernen Sprenkeln. Diese Begeisterung und die Tatsache, dass die Busch-Schule so renommiert ist, haben auch Tekes Vater überzeugt, der den neuen Berufswünschen des Sohnes zunächst etwas skeptisch gegenüberstand. „Er ist stolz und prahlt im Schrebergarten mit mir“, verrät Ulvi Erkin Teke lachend.

Für die Zeit nach „Nathan der Weise“ hat er sich bereits Ziele gesetzt. Er möchte eine Zusatzausbildung für Bühnenfechten und -akrobatik abschließen. „Da kann man noch viel mehr spielen als beim bloßen reden.“