Halberstadt l Das war es jetzt wirklich. Zum „allerletzten Mal“ präsentiert Zooinspektor Michael Bussenius eine Papageienshow – beim ersten Tier-Park-Fest in Halberstadt. „Es wurde mehrfach nachgefragt, darum haben wir es noch einmal möglich gemacht“, berichtet der 60-Jährige.

Denn eigentlich hatte er schon im vergangenen Jahr seinen Abschied aus dem Showgeschäft gegeben – vier Jahrzehnte nach seinem ersten Arbeitstag im Tiergarten Halberstadt. Ein Rücktritt vom Rücktritt also – aber nur ein kurzer. Denn der junge Mann, der ihn dieses Mal unterstützt, ist sein Nachfolger. Richard Bleyer aus Blankenburg. Der 18-Jährige beendet in diesen Tagen sein Freiwilliges ökologisches Jahr im Tiergarten, bevor er in Thale eine Ausbildung zum Zootierpfleger beginnt. „Er hat einen sehr guten Draht zu den Tieren entwickelt“, berichtet Bussenius. Obwohl ihm der Abschied von seinen gefiederten Bühnenpartnern schwer falle, sei er froh, das Richard Bleyer in seine Fußstapfen tritt. Dieser erhält nicht nur die Show-Requisiten, sondern auch Rat und Unterstützung von Bussenius. „Wir lassen ihn nicht allein“, versichert der Zooinspektor.

Während das 39. Tierparkfest so ein Abschied ist, ist es gleichzeitig ein Neubeginn. Erstmals wird es mit dem Parkfest, das vom Verein Halberstädter Berge organisiert wird, zu einer großen Veranstaltung zusammengefasst. Eine gute Entscheidung, wie Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) in seiner Eröffnungssrede betont. Beide Feste würden voneinander profitieren, gemeinsam noch mehr Besucher in die Spiegelsberge locken, da sie unterschiedliche Zielgruppen ansprächen.

Bilder

Voneinander profitieren – das ist auch Ziel einer Vereinbarung, die im Rahmen des Festes besiegelt wird: Die beiden Vereine „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ und Halberstädter Berge unterzeichnen die gegenseitige, beitragsfreie Mitgliedschaft. „Das hätten wir schon längst machen sollen“, sagt Claus Mangels, Gartenträume-Vorstandsvorsitzender, der extra aus Magdeburg angereist ist.

Gegenseitige Mitgliedschaft

Gegenseitige Mitgliedschaft – was bedeutet das? „Verbünden um zu bündeln“, fasst Mangels zusammen. „So sind wir viel mehr Kräfte, und können mehr erreichen.“ Man könne von den Erfahrungen des jeweils anderen profitieren, sich austauschen, Ansprechpartner vermitteln und füreinander werben. Dies, so betonteMangels, sei besonders wichtig. „Sachsen-Anhalt hat viel mehr zu bieten, als bekannt ist“, sagt er. „Sachsen-Anhalt verkauft sich unter Wert.“

Bei dieser Aussage muss Mirko Zerwell schmunzeln. „Genau das gilt auch für Halberstadt“, sagt der Vorsitzende des Vereins Halberstädter Berge. Aber das müsse nicht so bleiben – dank engagierter Mitstreiter könne man viel erreichen. Sein Verein sei ein Beleg dafür. „Wenn ich mir überlege, was wir in den letzten Jahren erreicht habe, bin ich stolz.“

Schwarzlichtzauber und Theater

Davon können sich die Besucher des – wie von den Moderatoren und Sprechern des Tages besonders betont wird – „Tier Bindestrich Park Bindestrich Fest“ selbst überzeugen. Beim Flanieren zwischen Jagdschlösschen, Belvedere, Eremitage und dem Gästehaus Spiegelsberge gibt es einiges am Wegesrand zu entdecken. Angefangen von der einfallsreichen Dekoration – die besonders dank der Illumination am Abend zur Geltung kommt – über das abwechslungsreiche Kuturprogramm mit Musik, Theater, Sagenerzählungen bis hin zu Schwarzlichtzauber und Walking Acts.

Auch auf der Bühne im Tiergarten präsentieren sich unterschiedliche Showacts – die Hauptrolle spielen aber natürlich die Tiere. Vor allem eines zieht das Interesse der Besucher auf sich: Joey. Dabei ist er kaum zu sehen – die meiste Zeit über versteckt er sich in einer Umhängetasche seiner „Ersatzmutter“ Viktoria Stelter.

Publikums-Magnet Joey

Joey ist ein Känguru-Baby, das von seiner Mutter aus dem Beutel geworfen wurde und seitdem von zwei Mitarbeitern des Tierpark mit der Flasche aufgezogen wird, bei denen er auch wohnt. Das Schicksal des kleinen Tieres und wie es ihm mittlerweile geht, interessiert. „Überall, wo wir hinkommen, ist er der Star“, berichtet Florian Hartmann, der „Ersatzvater“. Das sei schon manchmal anstrengend, auf der anderen Seite sind die Tiergartenmitarbeiter froh, dass so viele Menschen für die teure Spezialmilch, die Joey benötigt, spenden.

Derzeit lernt Florian Hartmann das Leben als Alleinerziehender kennen. Seine Freundin absolviert ein mehrwöchiges Praktikum im Leipziger Zoo. „Alle drei Stunden bekommt Joey die Flasche – auch nachts“, berichtet Hartmann. Und spätesten ab halb sieben ist es ohnehin vorbei mit der Nachtruhe – denn das Känguru-Baby kann mittlerweile hüpfen und das recht laut. Angesichts des Vollzeit-Jobs im Tiergarten, Haushalt und anderen Verpflichtungen komme da der Schlaf bei dem Halberstädter zu kurz. „Ich bräuchte ein Abo für Red Bull“, gesteht er lachend.