Halberstadt / Westerhausen l Er versucht zu lächeln, doch es ist Michael Bussenius anzusehen, dass es kein einfacher Tag für ihn ist. Nach 40 Jahren und genau 4231 Veranstaltungen endet heute seine Show-Kariere. Endgültig und unwiederbringlich. Denn die eigentlichen Stars seiner Auftritte – die Papageien – ziehen heute aus dem Halberstädter Tiergarten aus, sie bekommen einen neuen Besitzer. „Es ist ein zwiespältiger Tag. 1979 haben wir mit den Tiershows angefangen. Sie waren im Grunde mein Leben“, sagt er sichtlich berührt. Der 61-Jährige sei jedoch gleichzeitig froh, dass er seine geliebten Vögel in „junge und engagierte Hände“ geben kann.

Diese gehören zu Richard Bleyer aus Blankenburg. Mit gerade einmal 17 Jahren tritt er in die Fußstapfen von Michael und Mathias Bussenius, der bis vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Bruder im Rampenlicht stand, bis er sich aus gesundheitlichen Gründen aus selbigem zurückgezogen hat.

Die Übergabe sei keine spontane Entscheidung, sondern eine Entwicklung gewesen. „Wir haben ,Richie‘ bei seinem Freiwilligen Ökologischen Jahr im Halberstädter Tiergarten kennengelernt. Er hat einen guten Draht zu den Papageien entwickelt und hatte schon ein paar Probeauftritte mit ihnen“, schwärmt Michael Bussenius, der beruflich kürzer treten will, von seinem Nachfolger. Daher reifte auch der Entschluss, ihm die Tiere zu überlassen. „Wir sind glücklich, jemanden gefunden zu haben, der Interesse an dieser Arbeit hat, Liebe zu den Tieren und das notwendige Einfühlungsvermögen.“

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Berufswunsch: Etwas, was nicht jeder macht

Der 17-Jährige freut sich auf das Training und kommende Auftritte mit Ara Laura (37), Gelbbrust-Ara Amadeus (12) und der 14 Wochen alte Phoenix. „Ich sehe das nicht als Beruf an, ich mache das, was ich liebe“, sagt Richard Bleyer selbstbewusst. Schon immer habe er einen Beruf ergreifen wollen, der mit Tieren zu tun hat und etwas machen, was besonders ist, etwas, was nicht jeder macht. Das trifft definitiv auf Papageien-Shows zu.

„Ich hab ja ganz klein in der Show angefangen. Mein absolutes Highlight war aber das Tiergartenfest“, erzählt er. Weil dieser Auftritt so gut geklappt habe, sei für ihn der Weg geebnet gewesen. „Das hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, dass ich das auch weiterhin machen möchte“, so Richard Bleyer, der auch zuhause Tiere hält: fünf Schlangen, einen Hund und vier Katzen.

Neue Heimat in Westerhausen

Die Papageien werden jedoch nicht zu ihm nach Blankenburg ziehen. Phoenix, Laura und Amadeus sind stattdessen ab sofort Westerhäuser. Die drei Vögel haben am Mittwochnachmittag ihr extra für sie gebautes Domizil im dortigen Tierpark bezogen. „Es ist eine Ehre für uns und wird eine absolute Bereicherung unseres Tiergeheges“, sagte Eberhard Heintze, der Chef des Tierparks Westerhausen, erfreut.

Später, gegen Ende des Jahres, werden auch die drei Gelbhauben-Kakadus Lilli, Rudi und Apollo ihre neue Voliere dort in Beschlag nehmen. Dann wird es um einiges stiller im Halberstädter Tiergarten, sagt Michael Bussenius leise. Die Rufe der Vögel, insbesondere die „Gespräche“ mit den Papageien, die ein paar Worte gelernt haben, werde der Zooinspektor vermissen.

Das alltägliche, gekrächzte „Hallo“ und „Tschau“ gilt dann Richard Bleyer. Läuft alles nach Plan, beginnt dieser 2020 eine Lehre als Zootierpfleger. Bis es soweit ist, durchläuft der Blankenburger ein zehnmonatiges Praktikum im Westerhäuser Tierpark, in dem er sich auf seine Ausbildung vorbereiten kann. Den praktischen Teil soll er dann sowohl in Westerhausen als auch im Tierpark auf dem Hexentanzplatz in Thale absolvieren, so Eberhard Heintze. Darüber hinaus steht das Training mit den Papageien im Plan.

Das funktioniert dank Befehle und über Stimmlage, erläutert der Blankenburger. Und ganz wichtig: Leckerlis zur Belohnung. Zudem, so sagt Bussenius, muss man die Tiere beobachten und herausfinden, worauf sie überhaupt Lust haben. Laura legt sich zum Beispiel gern hin, für Apollo wäre das so gar nichts. Er hangelt viel lieber. Da Papageien ein sehr gutes Gedächtnis haben, wissen sie bei den Shows recht schnell, welcher Programmpunkt folgt. „Ich habe manchmal was vergessen oder durcheinander gebracht – die Vögel aber nicht“, verrät Bussenius.

Er verspricht, seinem Nachfolger künftig mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Und vor allem, dass er den Kontakt zu den Vögeln – die 80, 90 Jahre alt werden können – nicht abbrechen lassen will. „Das ist nicht wie ein Auto, das man einfach verkaufen und vergessen kann“, sagt er. „Papageien sind sehr intelligente, sensible Tiere, die sehr an ihren Bezugspersonen hängen.“ Auch ihm falle der Abschied „sehr, sehr schwer“. Er gebe die Vögel nur ab, weil er wisse, dass sie ein gutes neues Heim gefunden haben.

Versprechen: Ein Wiedersehen in Halberstadt

Bei der Übergabe der Papageien bedankt sich Eberhard Heintze mit einem Präsentkorb bei Michael Bussenius nicht nur für das Vertrauen, dass der Halberstädter dem Westerhäuser Tierpark entgegenbringt, sondern auch für die jahrzehntelange, freundschaftliche Verbundenheit. Alljährlich war seine Papageien-Show zum Tierparkfest in Westerhausen ein absoluter Publikumsmagnet. „Wir sind extrem stolz und dankbar, dass wir sie nun bei uns haben“, so Heintze.

So ganz müssen die Halberstädter nicht auf die Papageien-Show verzichten – Richard Bleyer verspricht, mit seinem gefiederten Team zu den Tiergartenfesten im Sommer aufzutreten.Guten Morgen