Halberstadt l Im Halberstädter Tiergarten haben sechs Ziegen den Leichtsinn einiger Gäste mit dem Leben bezahlt. Fünf Zwergziegen, darunter ein Jungtier, sind qualvoll verendet. Wie durch ein Wunder glückte die Rettung eines weiteren Tieres. Die Ursache für die Todesfälle steht fest: Besucher brachten Futter mit, das den Ziegen nicht bekam.

Mit Verstößen gegen das Futterverbot habe man im Tiergarten seit vielen Jahren zu kämpfen, informiert Zooinspektor Michael Bussenius. Allerdings seien die traurigen Folgen noch nie so dramatisch hoch wie jetzt gewesen.

Nur Futter vom Kassenhäuschen verwenden

Seit Jahren wird immer wieder an die Vernunft der Besucher appelliert, kein Futter mitzubringen und auf das am Kassenhäuschen erhältliche Zoo-Futter zurückzugreifen. „Viele richten sich danach. Leider nicht alle“, bedauert Tiergartenleiter ­David Neubert. Die Allermeisten würden einsehen, dass ihre gut gemeinte Absicht, die Tiere mit selbst mitgebrachtem Futter zu verwöhnen, nur schadet. Es gebe aber leider die Unbelehrbaren. Die Mitarbeiter des Tiergartens würden zwar ein wachsames Auge darauf haben, dass die Regeln eingehalten werden. Man könne die Gehege allerdings nicht den ganzen Tag ­beaufsichtigen. Daher der Appell an die Vernunft der Tiergarten-Besucher, kein Futter mitzubringen und selbst zu verfüttern.

„Sie können mir glauben, niemand möchte miterleben, wenn ein Tier an den Mangelerscheinungen verendet“, sagt David Neubert. Die sechs Ziegen seien den Mitarbeitern praktisch unter den Händen weggestorben.

„Die Tiere gehen elend zugrunde. Sie bekommen ­Koliken, werden blind, quälen sich, schreien und jammern herzzerreißend. Es ist ein Trauer­spiel.“ Mittlerweile gelang es, eine Mangelernährung als Todes­ursache bei den sechs verendeten Ziegen nachzuweisen. Unter anderem ausgelöst durch Kraftfutter wie Brot und Brötchen.

Giftige Pflanzen im Umfeld

Auch das Abreißen und Verfüttern von Grünpflanzen kann große Probleme bereiten, da einige sehr giftig sind, informiert der Tiergartenchef. Im Umfeld der Einrichtung wachsen unter anderem die giftige Schneebeere, Krokusse oder die Eibe, nennt Michael ­Bussenius nur einige Beispiele.

Der stellvertretende Tiergarten­leiter erinnert ­daran, dass das Futterverbot bereits seit Jahrzehnten besteht. Trotzdem spielen Unbelehrbare immer wieder leichtsinnig mit der Gesundheit der Tiere. „Wir wissen, dass die Gäste das Bedürfnis haben, die Tiere zu füttern. Aus diesem Grund besteht die Möglichkeit, am Kassen­häuschen ­spezielles Zoo-Futter zu kaufen“, so ­Michael Bussenius. Dessen Zusammenstellung sei so abgestimmt, dass es alle Bewohner des Tiergarten gut vertragen. „Auch die Menge“, ergänzt er.

„Mitgebrachtes Futter kann gerne in der Kasse abgegeben oder äquivalent eingetauscht werden“, sagt David Neubert. Nur dadurch könne man ­sicherstellen, dass die Tiere sich ausgewogen, gesund und arttypisch ernähren. Direkt hinter dem Kassenhäuschen würden jeden Tag Behälter für Futterspenden bereitstehen. Die Tiergarten-Bewohner erhalten täglich ausgewogenes und gesundes Futter. Die Ziegen, das Merino-Schaf und das Alpaka am Eingang der Einrichtung zum Beispiel Stroh, Heu, Peletts mit wichtigen Spurenelementen, Vitaminen und Mineralien sowie Obst und Gemüse.

Entwarnung nur bei Ziegen-Bock

Einen Ziegen-Bock, der letzte im Gehege, gelang es zu retten, berichtet David Neubert. Nachdem der Tierarzt ihn untersucht und Vergiftungssymtome festgestellt hat, wurde das zwei Jahre alte Tier sofort in die Tierärztliche Hoch­schule Hannover eingeliefert und entsprechend behandelt. Mit Erfolg – der Bock konnte bereits nach Halberstadt zurückkehren. „Er ist schon wieder ganz gut drauf, frisst und erholt sich gut“, gibt Michael Bussenius Entwarnung.