Wegeleben l Neugierig und ohne Scheu nähert sich Kater Herr Hentschel der Futterstelle. Denn der Streuner mit dem schwarzen Fell weiß: Wenn Anke Geiersbach und Cordelia Treffkorn vom neuen Tierschutzverein „Straßentiger e.V.“ vorbeikommen, gibt‘s was zu Fressen. Gemeinsam mit fünf weiteren Mitstreitern wollen die beiden Wegeleberinnen den Schutz von herrenlosen Katzen künftig in professionellere Bahnen lenken.

„Unsere Mitglieder haben sich schon früher um streunende Katzen gekümmert und sie gefüttert, teils ohne sich zu kennen“, berichtet Cordelia Treffkorn vom Vorstand. Da das Füttern und die tierärztliche Versorgung der Samtpfoten sehr zeitintensiv sei und viel Geld koste, habe man im August beschlossen, die Kräfte in dem neu gegründeten Verein zu bündeln. „Bislang haben wir sieben Mitglieder – die Mindestanzahl für eine Vereinsgründung. Wir sind aber zuversichtlich, dass es noch mehr werden“, sagt die Vorsitzende Anke Geiersbach.

Gegen unkontrollierte Vermehrung

Zu den Hauptzielen der Tierschützer gehören neben der täglichen Fütterung auch das Kastrieren und Chippen der etwa zwanzig in Wegeleben lebenden Streuner. „Im Ort gibt es drei, vier Stellen, an denen Straßenkatzen gefüttert werden“, sagt Treffkorn. Problematisch sei, dass sich die Vierbeiner unkontrolliert vermehren würden und mitunter Inzucht betrieben.

„Das macht die Tiere anfällig für Krankheiten. Sie bekommen zum Beispiel Katzenschnupfen und verenden auf der Straße“, ergänzt Geiersbach.

Erst vor fünf Wochen hätten Vereinsmitglieder fünf Katzenjunge aus einem Keller gerettet. „Die Mutter war krank und konnte sich nicht mehr um ihre Kleinen kümmern“, erzählt Treffkorn. In der Folge nahm Anke Geiersbach die Tiere bei sich zuhause auf. „Ich musste sie am Anfang alle zwei Stunden mit der Flasche füttern – auch nachts“, sagt Geiersbach, die beruflich in einer Tierarztpraxis arbeitet.

Dankbar für Unterstützung

Da noch einige bürokratische Hürden überwunden werden müssen, darf der Verein bislang noch keine Spenden entgegennehmen. Das erschwere die Arbeit, denn das Chippen, Kastrieren und die eventuelle Nachbehandlung müssten zunächst vorfinanziert werden, so Treffkorn. Durch die Mitgliedsbeiträge allein sei das kaum zu stemmen.

Dankbar sind die Wegeleber Katzenfreunde deshalb über die Unterstützung durch den Halberstädter Tierschutzverein um die Vorsitzende Waltraud Hammer. Müssen Tiere kastriert werden, vermitteln die Wegeleber diese nach Halberstadt, wo die nächsten Schritte eingeleitet werden. „Waltraud Hammer greift uns gewaltig unter die Arme. Das ist eine große Hilfe, solange wir noch nicht selbst über die finanziellen Ressourcen verfügen“, sagt Cordelia Treffkorn.

Gerade bei wildlebenden Katzen sei die Versorgung nicht einfach. „Man kann die Tiere nicht einfach einfangen und festhalten, bis es einen Termin gibt“, sagt Anke Geiersbach. Deshalb habe der Verein die Tierärzte in der Region über die Vereinsgründung bereits in Kenntnis gesetzt – auch um zu schauen, wer gegebenenfalls bereit wäre, ihnen einmal unter die Arme zu greifen, so die Wegeleberin.

Schwerer Stand im Ort

Anke Geiersbach und Cordelia Treffkorn sind sich darüber im Klaren, dass sie in Wegeleben für ihre Arbeit zum Teil belächelt und sogar angefeindet werden. „Straßenkatzen haben es hier nicht leicht. Oft finden wir sie mit von Menschen zugefügten Verletzungen. Gleichzeitig gibt es viele Leute, die sich selbst kümmern oder uns unterstützen wollen“, sagt Treffkorn.

Deshalb liege es ihnen sehr am Herzen, die Bevölkerung für die Thematik zu sensibilisieren und zur Mithilfe zu animieren, fügt Geiersbach hinzu. „Es muss zum Beispiel Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit auch Katzenbesitzer ihre Freigänger kastrieren lassen“, sagt sie. Als nächstes wollen die Vereinsmitglieder beantragen, die Futterstellen auch offiziell betreuen zu dürfen. Außerdem sollen Schutzhütten für den Winter gebaut werden.

Davon würde auch Herr Hentschel profitieren. Denn der alte Kater ist gesundheitlich sehr angeschlagen, berichtet Cordelia Treffkorn. „Wir wollen Herrn Hentschel gerne noch einmal zum Tierarzt bringen und durchchecken lassen, bevor der Winter kommt und es kalt wird.“