Harsleben/Halberstadt l „Uns geht es bei der Hitze schlecht – wie soll es da Tieren gehen, die den ganzen Tag in der Sonne stehen?“ Aus Sorge um das Tierwohl hat eine Vorharzerin (Name ist der Redaktion bekannt) die Volksstimme kontaktiert und mehrfach beim Veterinäramt des Landkreises Alarm geschlagen. „Mehrere Schafe und ein Pferd werden den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt. Sie haben keine Möglichkeit, einen Schattenplatz aufzusuchen“, schildert sie eine Beobachtung, die sie in Harsleben gemacht habe.

Schon im vergangenen Jahr sei ihr das aufgefallen. Doch dass sie nun zweimal Zeugin davon wurde, dass sich Schafe mit dem Kopf im Elektrozaun verfangen haben, habe den Ausschlag gegeben, die Zustände bei den Behörden zu melden.

Dauerhafte Lösung

Sie habe beide Male den Besitzer alarmiert, damit er die Tiere befreit. Das habe er auch getan – aber das reicht der Vorharzerin nicht. Sie wünscht sich eine dauerhafte Lösung und Schattenplätze auf der Weide. „Es muss dringend gehandelt werden“, betont sie.

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Wie Landkreis-Sprecherin Franziska Banse mitteilt, sei man den Beschwerden der Vorharzerin nachgegangen. Mitarbeiter der Kreisverwaltung hätten das betreffende Grundstück in Augenschein genommen und mit dem Tierbesitzer gesprochen. Die Sprecherin betont, dass in diesem Fall nicht von Tierquälerei gesprochen werden könne. Dass ihm die Tiere entzogen werden, habe der Harsleber so schnell also nicht zu befürchten. „Dafür muss eine eindeutige Gefährdung vorliegen.“

Auflagen

Dennoch sind dem Besitzer Auflagen erteilt worden, um die Tiere vor Schaden zu bewahren. So soll er für eine Überschattung sorgen und das Stromaggregat des Zauns überprüfen.

Was passiert, wenn der Tierhalter den Auflagen nicht nachkommt? Wie Franziska Banse erläutert, werden in der Regel Strafzahlungen fällig, wenn mehrere Fristsetzungen nicht eingehalten werden. „Bereits am Montag werden Mitarbeiter des Veterinäramtes prüfen“, ob der Harsleber dieAuflagen erfüllt hat, kündigt Franziska Banse an.

Situation vor Ort

Doch was sagt der Tierhalter selbst, wie stellt sich die Situation vor Ort dar? Das Grundstück des Tierbesitzers befindet sich am Ortsrand von Harsleben. Es ist weitläufig und verwinkelt. Auf einer Wiese stehen mehrere Schafe auf der Weide, umgeben von einem netzartigen, roten Zaun. Eimer mit Wasser stehen zur Tränke bereit. Von einem Pferd ist nichts zu sehen.

„Das Pony steht im Stall. In der Mittagshitze ist es draußen zu warm“, erläutert Peter Schön, der Tierbesitzer. Die Anschuldigungen sind seiner Meinung nach überzogen und teilweise falsch. So sorge er durchaus dafür, dass das Pony – ein Geschenk für die Enkelin – vor Sonne geschützt ist und sich nicht überanstrengt. „Aber man kann es auch nicht den ganzen Tag im Stall stehen lassen. Darum kommt es hin und wieder an die frische Luft.“ Im Schatten eines Baumes, wie Schön versichert.

Immer draußen

Den Schafen hingegen mache Hitze nichts aus. „Ich bin gelernter Schäfer“, berichtet der 61-Jährige. „Wir waren immer mit den Herden draußen – bei Wind und Regen und bei Hitze, das hat nie jemanden interessiert.“ Seit der Wende arbeite er nicht mehr in dem Beruf, halte aber seit gut 20 Jahren privat Schafe – zusätzlich zu Hühnern, Kaninchen und Katzen. „Wir hatten noch nie Probleme, es hat sich nie jemand beschwert.“ Auch sei ihm nie ein Schaf verendet. „Das sind Kamerunschafe. Die haben kurzes Fell und mit Hitze überhaupt kein Problem.“

Das bestätigt auch Zooinspektor Michael Bussenius aus Halberstadt auf Volksstimme-Anfrage. „Solange sie frisches Wasser haben und einen Ort, an dem sie sich zurückziehen können, sind ihnen die Temperaturen egal.“

Kritik

Berechtigt sei dagegen die Kritik hinsichtlich des Zauns, räumt Schön ein. Darin haben sich tatsächlich Schafe verfangen. „Bei den alten Schafen würde das nicht passieren, aber die Lämmer haben kleinere Köpfe“, erklärt er. Und: „Wenn der Strom richtig eingestellt ist, kommen die gar nicht nah genug an den Zaun ran, um sich zu verheddern.“ Das Aggregat sei defekt, die Spannung deshalb zu gering. „Ich habe schon ein neues gekauft“, sagt er. Auch den vom Veterinäramt geforderten Schattenplatz hat er bis zum Freitagnachmittag errichtet.

Den hat auch die Vorharzerin schon entdeckt und dabei gesehen, dass „sich alle Schafe in dem neu zur Verfügung gestellten Schattenplatz befunden“ haben, schreibt sie per E-Mail.