Besuch auf Schloss Hundisburg hat unangenehmes Nachspiel

"Toilettenärger": Gäste sollen für Reinigung aufkommen

Eine böse Überraschung erlebte die Mitglieder der Haldensleber Selbsthilfegruppe für Betroffene von Multiple Sklerose nach ihrem Besuch auf Schloss Hundisburg. Für die Reinigung der behindertengerechten Toilette flatterte ihnen eine Rechnung über 75 Euro ins Haus – obwohl sie die Toilette gar nicht benutzt hatten.

Von Mandy Ganske

Hundisburg. Wo sonst höchstens 50 Cent oder ein Euro fällig werden, erhält Daniela Lehmann eine Rechnung über 75 Euro plus 19 Prozent Mehrwertsteuer: Für die Benutzung einer Behinderten-Toilette auf Schloss Hundisburg. Dort war die Initiatorin der Haldensleber Selbsthilfegruppe für Betroffene von Multiple Sklerose tags zuvor mit ihren Mitstreitern essen, darunter einigen Rollstuhl-Fahrern. "Wir können und werden diesen Betrag nicht bezahlen, weil wir der Meinung sind, dass es auch für Behinderte eine kostenfreie und offene Toilette geben muss", schreibt sie empört in einem Brief an die Volksstimme.

Dabei fing alles ganz harmlos an: Bei der Bestellung der Tische für etwa 25 Personen im Schlossrestaurant sagte Daniela Lehmann vorab, dass Rollstuhlfahrer dabei sind. Bei der Schlossparkverwaltung, die eine barrierefreie Toilette im Gartensaal vorhält, sollte sie sich aber selbst darum kümmern, dass diese geöffnet wird. Das empfahl man ihr im Restaurant. Gesagt, und am Morgen des Treffens auch getan, indem sie bei der Parkverwaltung war und sich das WC aufschließen ließ. "Wir haben gegessen und die Führung mitgemacht, und die Toilette schließlich gar nicht benutzt. Wenn aber Rolli-Fahrer dabei sind, muss man sich schon darum kümmern, dass auch die Möglichkeit besteht, zu einer barrierefreien Toilette zu gelangen", erklärt Daniela Lehmann weiter, warum sie bei der Frage nach dem stillen Örtchen soviel Vorsorge treffen wollte.

Am nächsten Tag bekommt sie vom Restaurant-Inhaber Heinz-Peter Murlowski besagte Rechnung. Murlowski hatte sie von der Schlossparkverwaltung erhalten und direkt weitergeleitet. Ein Unding, findet Daniela Lehmann.

Das sagt auch Dr. Harald Blanke, Leiter der Schloss-parkverwaltung, der die Summe berechnet hat. Blanke stellt auf Nachfrage klar: "Die Rechnung war für den Wirt und nicht für die Gäste." Der Wirt hätte sie nicht weiterleiten dürfen, erklärt Blanke. "Die Gaststätte selbst hat keine Behindertentoilette. Murlowski hätte uns aus organisatorischen Gründen rechtzeitig Bescheid geben müssen, dass eine Besuchergruppe mit Behinderten kommt", sagt ein verärgerter Blanke zur Volksstimme. Die vorhandenen Toiletten seien jedenfalls "nicht öffentlich" und nicht "ständig zugänglich". Die WC-Ausstattung an sich sei auf dem Schloss aber ausreichend: Im Akademiegebäude, im Gartensaal und im Haus des Waldes seien Behinderten-Toiletten. Allerdings hätte man weder das Personal, noch die Möglichkeit, diese Anlagen stets und ständig offen zu halten. Die Kosten von 75 Euro plus Steuern seien nun entstanden, weil er – in der Annahme, die Toilette sei benutzt worden – die Arbeitszeit zum Reinigen einplanen müsse. "Das darf aber nicht zu Lasten der Behindertengruppe gehen", betonte Blanke.

"Das geht doch so nicht: Meine Gäste, deine Gäste"

Das aber hat der Wirt in dem Moment offenbar anders gesehen und Daniela Lehmann die Rechnung präsentiert: Murlowski sagte auf Nachfrage der Volksstimme, er habe nicht verstanden, wofür er nun 75 Euro bezahlen solle, und hat deshalb die Verantwortung von sich gewiesen. Schließlich sei doch gesagt worden, dass sich die Gäste um die Toilette selbst kümmern sollten. Außerdem gebe es grundsätzlich kein Miteinander auf dem Hof des Schlosses, was Nutzung und Kostenübernahme für die Pflege und Instandhaltung der Toiletten angehe. So würden auch seine WCs von Besuchern des Barockgartens genutzt – auch wenn diese bei ihm nicht essen. "Das geht doch so nicht: Meine Gäste, deine Gäste", sagte er zur Volksstimme, obwohl er einräumt, im konkreten Fall selbst dieses Prinzip zu bemühen. Nun tue es ihm leid, wenn für die MS-Selbsthilfegruppe Unannehmlichkeiten entstanden seien.

Lutz Blumeyer, Gleichstellungsbeauftragter im Landkreis Börde, sieht in diesem Vorfall ein grundsätzliches Problem, dass er immer wieder im Zusammenhang mit Burgen und Schlössern erlebe. "Es ist für mich unbefriedigend, aber nicht jede Burg und nicht jedes Schloss lassen sich als Behinderter besichtigen." Auf Schloss Hundisburg habe es schon immer Probleme gegeben, und es müsse möglich sein, eine Lösung zu finden, die technisch realisierbar sei. Er schlägt deshalb vor, dass sich der Arbeitskreis "Barrierefreies Leben" in Haldensleben des Themas annimmt.

Bauamtsleiter Ralf Krupp-Aachen, Mitglied im Arbeitskreis, signalisierte, dass man sich im Arbeitskreis des Themas sicherlich dann annehme, wenn es angesprochen werde und wenn es grundsätzlich Probleme mit den Behinderten-Toiletten gebe. Ihm sei dergleichen allerdings nicht bekannt. Außerdem sieht er den Ausschuss nicht in der Pflicht, wenn lediglich "ein interner Konflikt" dahinterstehe.

Für Daniela Lehmann spielt der Hintergrund keine Rolle. Das Schloss insgesamt hat für sie einen Imageverlust erlitten. Und von der Rechnung werde sie keinen Cent bezahlen, so die aufgebrachte Klein Ammensleberin. Ob der Wirt das nun übernehmen wolle, ließ der allerdings offen.