Glück im Unglück nach Felssturz in Ilsenburg: Niemand wird verletzt / Haus kann weiter geöffnet bleiben

Tonnenschwerer Felsbrocken prallt gegen Hotel

Gäste und Belegschaft eines Hotels im Ilsetal sind am Sonntag knapp einer Katastrophe entgangen: Ein tonnenschwerer Felsbrocken krachte gegen das Gebäude.

Von Jörg Niemann

Ilsenburg. Ein riesengroßer Felsbrocken hat am Sonntag gegen 10.20 Uhr die Ruhe im Ilsetal jäh unterbrochen. Der knapp vier Tonnen schwere Steinbrocken war Augenblicke zuvor ins Tal gedonnert und wenige Meter neben dem Haupteingang des Waldhotels "Am Ilsestein" gegen die Außenwand des Hotels geprallt.

Dabei ist eine für Rollstuhlfahrer angebaute Rampe zum Teil demoliert und vom Felsen versperrt worden. Außerdem wurde eine gut 50 mal 50 Zentimeter große Delle in die Außenwand gedrückt. Dahinter befindet sich ein Teil des Wellness-Bereiches des Hotels. Wie hoch der Sachschaden ist und ob der tonnenschwere Koloss möglicherweise statische Schäden verursacht hat, war am Montag noch unklar. Der Geschäftsführer befinde sich noch bis Wochenmitte im Urlaub, hieß es an der Rezeption.

Buchstäblich Glück im Unglück hatten sowohl die Mitarbeiter der Rezeption als auch die Gäste des Hauses. Ein Hotelgast befand sich nach Volksstimme-Informationen nur wenige Meter neben der Einschlagstelle. Er wollte zu seinem direkt am Waldrand stehenden Auto gehen, als der große Stein vom Hang herabstürzte. Nur Augenblicke später folgte diesem ein zweiter, etwas kleinerer Felsbrocken, der aber von einer Schutzmauer aufgehalten wurde. "So etwas hatten wir hier in all den Jahren noch nie", schilderte eine Angestellte des Hotels.

Unmittelbar nach dem Einschlag wurden Feuerwehr, Polizei und Geologen alarmiert. Der Feuerwehr war laut Einsatzleiter André Münzberg zunächst eine "Explosion mit Gebäudeschaden" gemeldet worden. Deshalb seien neben allen drei Ilsenburger Wehren auch noch die Stapelburger Feuerwehrleute zum Einsatz gekommen.

Vor Ort hatten die 70 Feuerwehrmitglieder allerdings die Aufgabe, eine Frau und ein Kind aus dem steckengebliebenen Hotelfahrstuhl zu befreien. Ob dessen unfreiwilliger Stopp Zufall war oder von der Erschütterung wegen des Einschlags verursacht wurde, konnte Münzberg nicht mit Sicherheit sagen. Möglich sei dies aber schon.

Während die Feuerwehren das Hotel weiträumig absperrten, untersuchte der ebenfalls alarmierte Geologe Günter Schönberg vom Landesamt für Geologie und Bergwesen zusammen mit Fachleuten die Absturzstelle. "Wir haben die Stelle gefunden, aus der sich das Gestein gelöst hat. Derzeit besteht keine akute Gefahr, dass sich weitere Steine dieser Größe lösen. Eine latente Gefahr für das Ablösen von kleineren Steinen ist aber vorhanden, so dass der Eigentümer nun in der Pflicht ist", erklärte Schönberg.

Eigentümer des Waldes am Steilhang hinter dem Hotel ist die Stadt Ilsenburg. Der Nationalpark Harz verwaltet die Fläche. Nach Angaben von Sprecher Friedhard Knolle hat wohl das aktuell warme Wetter den Feststurz ausgelöst. "Zu derartigen Felsstürzen kommt es vorrangig im Frühjahr", sagte der Nationalparksprecher und stellte eines klar: "Mit Hangsicherungstechnik hätte sich dieser Brocken niemals halten lassen."

Nach Volksstimme-Informationen sollen am Montag Vertreter von Ilsenburger Stadtverwaltung und Nationalparkverwaltung zusammengekommen sein, um sofortige Sicherungsarbeiten festzulegen. Das Hotel, einst als Erholungsheim für die Nationale Volksarmee der DDR gebaut, bleibt geöffnet. Es war damals wegen der Felsschlaggefahr im Ilsetal vorsorglich mit einem Sicherheitsabstand zum Hang gebaut worden.