Halberstadt l Wer als Halberstädter eine Fremdsprache erlernen möchte, liegt mit Niederländisch goldrichtig. Immerhin führen die westlichen Nachbarn Deutschlands die Rangliste der ausländischen Besucher in Halberstadt an. Auch bei Dänen, Österreichern und Tschechen ist die Domstadt beliebt. Mit 5,9 Prozent ist der Anteil ausländischer Besucher erneut gestiegen, um 0,4 Prozent. Dies teilt Christiane Strohschneider, Leiterin der Halberstadt-Information, im Rahmen der Tourismusbilanz 2017 mit.

Grundsätzlich falle das Fazit für das Vorjahr positiv aus, sagt sie. Insgesamt wurden in gewerblichen wie privaten Unterkünften 57.122 Gäste gezählt – gut 1.000 mehr als im Vorjahr. Durchschnittlich verbrachten die Besucher 1,8 Tage in Halberstadt. Die meisten von ihnen kommen aus Sachsen-Anhalt, berichtet Christiane Strohschneider. Touristen aus Nordrhein-Westfalen landen auf Platz zwei, Niedersachsen auf drei. Auch Bayern, Sachsen, Brandenburger und Berliner erkunden gern die Stadt.

Zelt statt Hotelzimmer

So wurden insgesamt 91.568 Übernachtungen in gewerblichen Unterkünften Halberstadts registriert – ein Plus von 1,9 Prozent. 2016 waren es 89.840. Hinzu kommen 15.705 Übernachtungen in privaten Unterkünften – 196 mehr als im Vorjahr. „Das ist schon deshalb beachtlich, wenn man bedenkt, dass sich die Bettenkapazität kaum erhöht hat“, sagt Christiane Strohschneider. Mit 1.021 Betten gebe es lediglich vier mehr als 2016. Wobei gar nicht alle Besucher ein bequemes Bett bevorzugen: 5.877 Übernachtungen wurden auf dem Campingplatz gezählt, satte 685 mehr als im Vorjahr.

„Schöne Ergebnisse“, fasst Christiane Strohschneider zusammen. „Aber wir waren schon mal besser.“ Zur Zeit der Domschatzeröffnung, vor zehn Jahren, erfreute sich Halberstadt noch größerer Beliebtheit bei Touristen. Das sei damals den überregionalen Werbekampagnen und dem großen Medieninteresse zu verdanken gewesen, sagen die Chefin der Tourist-Info und Ute Huch, Sprecherin der Stadt.

Weniger Besucher im Dom

Mittlerweile sei das Interesse an Halberstadts Wahrzeichen, dem Dom, jedoch gesunken. Wurden 2016 noch 69.078 Besucher gezählt, waren es 2017 lediglich 58.203. Auch die Liebfrauenkirche wurde von fast 400 Menschen weniger – also 16.447 – besichtigt als im Vorjahr. „Damit Museen bei Touristen gut ankommen, sind Sonderausstellungen und Ähnliches wichtig“, sagt Christiane Strohschneider. Doch diese müssen finanziert und personell gestemmt werden können.

Insgesamt konnten Halberstadts Museen jedoch mehr Besucher anlocken als im Vorjahr. So wurde das Schachmuseum in Ströbeck von rund 180 Gästen mehr besichtigt. Und nach einem Einbruch in den Vorjahren erfreuen sich auch die Stadtführungen wieder mehr der Besuchergunst: 10.299 Gäste nahmen 2017 teil – zum Vorjahr eine Steigerung um fast 600 Personen.

Werbung für die Schatzjahre

Damit in den kommenden Jahren noch mehr Gäste nach Halberstadt kommen, wird vermehrt auf Messen geworben. Unter dem Dach des Harzer Tourismusverbandes ist Halberstadt zum Beispiel bei der Grünen Woche in Berlin oder der Reiselust Bremen vertreten. Tagesausflügler sollen dank Ständen auf der Messe Autofrühling in Aschersleben für die Domstadt begeistert werden. Zudem finden Werbekampagnen im In- und Ausland statt. „Und wir sprechen vermehrt Reiseveranstalter direkt an“, so Strohschneider. Die Werbetrommel wird unter anderem für die Schatzjahre gerührt – eine Reihe von Veranstaltungen und Jubiläen bis 2020 in Halberstadt.

Für die Stadtkasse ist der Tourismus ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftszweig: 186.000 Euro Gesamtumsatz wurden 2017 von der Tourismus-Information generiert – 40.000 Euro mehr als im Vorjahr.