Sanierung

Umbau der alten Badeanstalt in Halberstadt im Zeitplan

Der Fertigstellungstermin steht. Am 1. Dezember soll die sanierte und umgebaute alte Badeanstalt an der Halberstädter Bödcherstraße an den künftigen Nutzer übergeben werden.

Von Jörg Endries 10.08.2021, 10:10
Am Dach der alten Halberstädter Badeanstalt sind die beim Bombenangriff am 8. April 1945 zerstörten Risalite neu entstanden.
Am Dach der alten Halberstädter Badeanstalt sind die beim Bombenangriff am 8. April 1945 zerstörten Risalite neu entstanden. Foto: Jörg Endries

Halberstadt - Die ehemalige Badeanstalt an der Halberstädter Bödcherstraße gleicht einem Bienenkorb. Trotz Ferien- und Urlaubszeit arbeiten zahlreiche Handwerker am und im Haus an der Sanierung beziehungsweise dem Umbau des über 120 Jahre alten Gebäudes. „Ziel ist, das Haus am 1. Dezember an den künftigen Mieter zu übergeben. Das Datum halten wir“, hält Architekt Jörg Gardzella an dem ehrgeizigen Ziel fest. Rekordverdächtig, wenn man bedenkt, dass die umfangreichen Bauarbeiten zur Rettung des über 20 Jahre leerstehenden Denkmals dann noch nicht einmal ein Jahr in Anspruch genommen haben, ergänzt Jörg Gardzella stolz.

Mit dem Abbruch der Schwimmhalle hinter dem imposanten Haupthaus gab im Herbst 2020 die Eigentümerin, die Stadtbad GbR, hinter der Ralf Becker, Ingo Gehrke, Ralf Baberski, Andreas Krützfeldt und Jörg Gardzella stehen, grünes Licht für die Umsetzung des Projekts. Mittlerweile steht der Rohbau, die Wärmedämmung wird an der Abrisskante der Schwimmhalle angebracht. Dort steht mittlerweile auch das Treppenhaus mit Aufzug, der das Haus barrierefrei erschließt, berichtet Jörg Gardzella. Der aus den 1950er Jahren stammende Anbau, erhält einen neuen Putz.

Fassade wird geputzt

Die Bauherren stellten von Anfang an einen Schwerpunkt klar heraus: Die Fassade der Badeanstalt und das Erdgeschoss samt Foyer im Originalzustand zu erhalten. Die Fassade des von 1898 bis 1900 errichteten Gebäudes ist derzeit zum großen Teil hinter einem Baugerüst und Planen verschwunden. „Kein Kunstprojekt, sondern absolut notwendig, weil derzeit die Steine mittels eines Micropartikelverfahrens abgestrahlt werden. Der Schmutz von über 100 Jahren verschwindet, die Steine und Fugen werden aber weitestgehend nicht beschädigt“, erklärt der Architekt. Bis Anfang September soll das Gerüst fallen.

Trotz der eingeschränkten Sicht auf die Vorderfront, ist zu sehen, dass sie sich verändert hat. Vor allem im Dachbereich. Dort krönen wieder drei Risalite (Giebel aus Sandstein) die Badeanstalt. Die neobarocken Teile sind originalgetreu von Steinmetzen wieder hergestellt worden. Die Originale gingen während des Bombenangriffs am 8. April 1945 auf Halberstadt verloren, bei dem auch die Badeanstalt schwer zerstört wurde. Über 40 Jahre trug das Bad dann ein Notdach, sodass der Verlust dieser Elemente nicht groß auffiel. Vor einigen Jahren musste die Stadt etwa 300 000 Euro (Fördermittel) in ein neues Dach investieren, um das Gebäude zu sichern. Seitdem zierten Bretterwände die Stellen, wo sich einst die Risalite befanden.

Originale erhalten

Im Erdgeschoss restaurieren Fachleute derzeit die original erhaltenen Türen. Die alten Lackschichten werden erhitzt und in Handarbeit mithilfe eines Spachtels abgeschabt. Anschließend bekommen die Türen einen dunkelblauen Anstrich und die Holzfutter ein dunkles Rot, erklärt der Architekt. Gerettet wird außerdem der schöne Fliesen-Fußboden aus dem Jahr 1900, der zurzeit mit Holzfaserplatten abgedeckt und somit geschützt ist.

Jörg Gardzella freut sich zu sehen, wie engagiert die Handwerker arbeiten. „Ihnen steht ein Lächeln ins Gesicht geschrieben, trotz der schweren Handarbeit.“ In einigen Räumen sind die Originalfliesen von Villeroy & Boch erhalten geblieben. Auch wenn das Haus künftig nicht mehr als Bad genutzt wird, sondern als Verwaltungssitz des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Halberstadt, sollen diese Details zumindest an die 100 Jahre erinnern, in denen Generationen von Halberstädtern dort das Schwimmen erlernten.

Glassteine im Museum zu sehen

Weitere Elemente des alten Bades bleiben ebenfalls erhalten. So unter anderem eine Mauer der einstigen Schwimmhalle samt Fliesen auf der Rückseite des Hauses, dort wo Parkplätze entstehen. „In einer Nische haben wir aus dem Bad gerettete bunte Glasbausteine verbaut, von denen einige an das Städtische Museum Halberstadt gingen und im Schraube-Museum künftig im Rahmen einer Ausstellung mit weiteren geborgenen Gegenständen aus dem alten Bad zu sehen sein werden“, berichtet Jörg Gardzella. Außerdem wurden Startblöcke gerettet, mit denen eine Sitzfläche gestaltet wird.