Huysburg l Auf den ersten Blick haben die Schöpfer von Schnatterinchen und Pittiplatsch aus unserer DDR-Kinderzeit, die Rotarier aus Clausthal-Zellerfeld und Halberstadt oder die Ost-West-Pilgerer der Ekkehard-Gesellschaft der Huysburg recht wenig gemeinsam.

Und doch sind sie einer Einladung der Mönchsgemeinde zum Kloster Huysburg gefolgt, weil sie alle ihr Herz für die Natur bewiesen haben. „Wir konnten mit Ihrer Hilfe sechs junge Bäume pflanzen und bedanken uns für diese Spende ganz herzlich“, begrüßt Prior Antonius Pfeil die Spender zunächst an der Klosterpforte. Der Prior spricht im Zusammenhang mit der Pflanzung neuer Bäume von der „nachhaltigen Bewahrung der Schöpfung für kommende Generationen.“

Radikaler Schnitt erforderlich

Die insgesamt sechs etwa zwölf Jahre alten Linden haben ihren neuen Platz bereits entlang des alten Prozessionsweges, der um die Klostermauer führt, gefunden und ergänzen den Allee-Charakter. Der Wunsch nach diesen Ergänzungspflanzungen war laut geworden, als im April entschieden wurde, dass einige radikale Arbeiten am alten Lindenbestand unumgänglich seien. Damals waren auch die lange vorhandenen Lücken im Bestand thematisiert worden.

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Die Linden, die zum Teil sehr massiv zurückgeschnitten werden mussten, sind etwa 150 Jahre alt und waren mit der Zeit zu einem Risiko für Wanderer und Besucher geworden. Baumgutachter Hartmut J. Beyer hatte die Bäume untersucht und erkannt, dass die einzige Chance, den alten Bestand zu retten, darin bestünde, die Bäume genau wieder an der Stelle zu kappen, an der die Kronen bereits vor vielen Jahrzehnten entfernt worden waren.

„Die Neuaustriebe haben an den Kappungsstellen zu wenig Halt gefunden und sind mit den Jahren immer bruchanfälliger geworden.“ Zudem hatte sich durch Fäulnis ein Pilz ausgebreitet, der den Stamm von innen aushöhlte.

Bäume haben sich erholt

Heute, einige Monate später, sind die Verantwortlichen froh, dass sie sich für diese Kappungslösung entschieden haben, die auf den ersten Blick zwar radikal erscheint, jedoch langfristig Erfolg verspricht. „Die Bäume haben sich gut erholt und ausgetrieben“, erklärt Fachmann Beyer.

Allerdings müsse nun im nächsten Frühjahr ein weiterer Grundschnitt erfolgen, damit sich Neuaustriebe zu starken Ästen entwickeln können. Hartmut Beyer ist froh, dass die alten Bäume als Lebensraum und ökologische Nischen für Tiere gerettet werden konnten.

Aktive Spender

Der Baumgutachter ist mit Gattin Eva Beyer zur Huysburg gekommen, denn das Ehepaar Beyer gehört zu den Baumspendern und will „seine“ junge Linde gießen. An jedem der Bäume wird ein Schild angebracht, auf dem der Name des Spenders vermerkt ist.

Einige Baumlücken

Gekommen ist auch eine Abordnung der Rotary-Clubs Clausthal-Zellerfeld und Halberstadt, die ebenfalls einen Baum gespendet haben. Und dabei wird es nicht bleiben, betont der derzeitige Clausthal-Zellerfelder Präsident Walter Lampe und übergibt weitere 500 Euro an die Mönche. Denn der alte Prozessionsweg weist noch einige Baumlücken mehr auf.

Als Erinnerung an seine verstorbenen Eltern Ingeborg und Günther Feustel hat Jan Michael Feustel aus Berlin einen der Bäume gespendet. Der Name Feustel ist untrennbar mit dem DDR-Kinderfernsehen verbunden, neben vielen anderen Figuren haben die Feustels Pittiplatsch und Schnatterinchen geschaffen.