Lüttgenrode/Osterwieck/Rhoden l Manchmal sind es kleine Mengen Müll, manchmal auch richtig große Mengen. Vor wenigen Wochen erst das Auto, das am Naturschutzgebiet des Kleinen Fallsteins entsorgt und Tage später auch noch in Brand gesetzt wurde.

Und nun entdeckten Spaziergänger an der einstigen Schwarzen Brücke der Abbenröder Chaussee in der Feldflur von Lüttgenrode eine Müllansammlung, für deren Anfahrt ein Pkw mit Anhänger nicht ausgereicht haben kann. Da hat jemand richtig viel Aufwand betrieben, den Müll zwei Kilometer weit über übelste Feldwege tief in die Pampa zu kutschieren.

Aber ist das wirklich so clever gewesen? Zumindest kann es kein wirtschaftlich denkender Mensch gewesen sein. Denn den Grasschnitt wäre er im Wertstoffhof losgeworden. Die Matratze im Sperrmüll. Die Plastiktüten im Gelben Sack. Das Paar Schuhe in einem Altschuhcontainer. Alles kostenlos.

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Gut, einiges hätte in die Hausmülltonne gemusst. Vielleicht hätte eine Entleerung für 2,82 Euro ausgereicht, aber selbst zwei Leerungen mit insgesamt 5,64 Euro hätten in keinem Verhältnis gestanden zu den Fahrkosten, zu dem Dreck in der Umwelt, dem nun anstehenden Aufwand der beim Landkreis angemeldeten Entsorgung sowie der ganz persönlichen Ungewissheit, vielleicht doch von irgendjemandem gesehen worden zu sein oder eine Spur hinterlassen zu haben. Das dürfte dann ein Vielfaches von 5,64 Euro kosten.

Verrottung erst in Jahrzehnten

Ein anderen Thema: der Hundekot. Ja, der ist ein jahrzehntelanges Dauerthema vor allem in der Osterwiecker Altstadt. Kaum ein Hauseigentümer, der nicht schon mal eine „Tretmine“ vor der Tür fand. Aber auch in der Natur hinterlassen die Tiere ihre Spuren. Was natürlich nicht schön ist. Aber nüchtern betrachtet, hier nicht ganz so dramatisch ist, weil sich die Natur den Haufen quasi zurückholt. Nach wenigen Wochen ist er weg, biologisch abgebaut.

Im Idealfall freilich haben Hundehalter Plastiktüten in der Tasche, um den Kot aufzunehmen, in einem öffentlichen Papierkorb oder daheim zu entsorgen.

Doch kennen einige Mitmenschen noch eine dritte, vermeintlich ganz besonders clevere Variante: Den Kot in eine Tüte verpackt und dann am Wegesrand abgeworfen.

Es gibt in Osterwieck mehrere Stellen, die dafür beliebt wie berüchtigt sind. Nur eines sollten sich diese Hundehalter gewiss sein: Wenn die Tüten keiner wegnimmt, werden diese dort noch in vielen Jahren liegen und zudem den eigenen Gassi-Geh-Weg säumen.

Denn Plastik hat eben die unschöne Eigenschaft, sich nicht so flott wie Kot zu zersetzen. Dünne Tüten benötigen bis zu 20 Jahre, dicke 80 Jahre, Flaschen sogar an die 500 Jahre. Letztere wären also erst zum 1000. Jubiläum von Luthers Thesenanschlag verschwunden.

Vielleicht werden ja eines Tages sogar noch Archäologen auf eigenartige Spuren der heutigen Hundehalter-Gesellschaft stoßen.

Reh vom Hund kaputt gespielt

Noch ein Umwelt- und Hundethema. Hört man auf die Halter der Vierbeiner, so heißen die meisten ihrer Lieblinge „Der tut nix“ und „Der will nur spielen“. Zu Hause auf dem Sofa mag das ja auch so sein, doch draußen beim Sichten von Läufern, Radfahrern und vor allem Wild entwickeln die Vierbeiner oft ein ganz anderes, sehr dynamisches Eigenleben. Was jetzt über Ostern zum Beispiel einem jungen Reh am Ortsrand von Rhoden zum Verhängnis wurde.

Spaziergänger haben beobachtet, wie solch ein „Der will nur spielen“ das Reh hetzte und sogar anfiel. Das Wildtier wurde schließlich an einer Scheune liegend entdeckt, zeigte keinerlei natürliches Fluchtverhalten mehr. Ein herbeigerufener Jäger stellte Verletzungen fest, es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Tier von seinem Leid zu erlösen. Es war – zum Glück im Unglück – ein Reh, das noch kein Kitz zu versorgen hatte.

Hundehalter sollten daher nachfolgenden Satz verinnerlichen: Es ist in Sachsen-Anhalt gesetzlich vorgeschrieben, dass Hunde im Zeitraum 1. März bis 15. Juli in freier Landschaft anzuleinen sind.

Warum? Es ist die Zeit, in der Tiere brüten oder Junge zur Welt bringen.

Mehr Kontrollen kosten Personal und Geld

Diese hier konkret aufgegriffenen Themen sind gewöhnlich zwölf Monate im Jahr in aller Munde. Dann heißt es gern, es müsste mehr Kontrollen vom Ordnungsamt geben, mehr Abfallbehälter oder der Bauhof müsste öfter reinigen. Das wäre natürlich eine Lösung, allerdings eine teure. Mehr Personal, mehr Arbeit erfordern mehr Geld. Mehr Geld aber könnte die Stadt nur durch höhere Steuern einnehmen. Was, ohne ein Hellseher zu sein, auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung stieße.

Zu guter Letzt soll noch mit teilweisen Fehleinschätzungen aufgeräumt werden: Hundesteuer wird nicht erhoben, um den Hundekot zu beseitigen. Es steht keine Gegenleistung. Nein, die Papierkörbe in Osterwieck werden nicht seltener geleert als früher, sondern nach wie vor dreimal in der Woche (wenn nicht Not am Mann im Bauhof ist). Ja, es wurde vor einigen Jahren die Zahl der Papierkörbe geringfügig reduziert. Warum? Weil festgestellt werden musste, dass darin verstärkt privater Hausmüll entsorgt wurde. Aber es sollen demnächst noch neue Hundetoiletten mit Tüten kommen.

Für mehr Sauberkeit nach der Stadt zu rufen oder der nächsten Frühjahrsputzaktion, wird nicht ausreichen. Einfacher wäre es doch, jeder würde sich an seine Nase fassen und die Natur so behandeln wie sein eigenes Grundstück.