Halberstadt l Kurzer Rundgang und Informationen über den baulichen Zustand der Museen. So stand es auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Kultur- und Sportausschusses der Stadt. Der Weg führte Ausschussmitglieder und interessierte Zuhörer nicht in die Ausstellungsräume, sondern dahin, wo die Museumsleute arbeiten. Um es vorwegzunehmen: Auch ihre Arbeitsbedingungen sind eher museumsreif zu nennen.

Simone Bliemeister, stellvertretende Leiterin des Städtischen Museums, führte die Gäste durch das Verwaltungsgebäude, auch Gartenhaus genannt. Hier findet sich kaum eine Ecke, in der nicht ein Schrank oder eine Kommode steht, vollgepackt mit Archivkartons. Im guten Fall. Der Eingangsflur ist zugleich Archivraum, dass Büro von Simone Bliemeister ebenso wie alle anderen Arbeitsräume. Fotos und Papierdokumente lagern hier, lange Risse ziehen sich über die Wände, manche der 100 Jahre alten Fenster hängen schief in den Angeln.

Das Gebäude stammt aus Barockzeiten, diente der Versorgung des Hausherrn vorn in der Spiegelschen Kurie. Am Rand des Domhangs errichtet, geht man zwei Stockwerke über dem Düsterngraben ins Erdgeschoss, eine steile Treppe führt in eines der beiden Kellergeschosse. Das obere ist vollgepackt mit mehr als 15.000 Büchern und Sammlungsobjekten. Ein Raum steht zurzeit leer, ein Rohr in der Holzbalkendecke war geborsten. Zwar ist das Loch, das man zum Entfernen der Feuchtigkeit in die Decke geschlagen hatte, wieder geschlossen, den muffigen Geruch wird der Raum aber sicher nicht so schnell los.

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Regenproblem

Überhaupt die Nässe. Oft regnet es durch, inzwischen sind einige Dachluken zugemauert worden, was die Lichtverhältnisse im Dachgeschoss nicht einfacher macht. Hier oben herrschen im Sommer Saunatemperaturen, berichtet Bliemeister, und im Winter schafft es die altersschwache Heizung kaum, Wärme nach oben zu transportieren. Nicht nur für die, die hier arbeiten, und zum Beispiel frühzeitliche Keramiken zusammensetzen, ein Problem. In alten Stahlschubladen lagert die Postersammlung des Museums, in einer anderen, viel zu groß für den kleinen Raum, Originalbauzeichnungen. Hier ist seit Jahrzehnten nichts modernisiert worden, nur immer wieder weiße Farbe kam auf die Wände, um die Tristess nicht zu groß werden zu lassen.

Im ehemaligen Pferdestall, heute Verwaltungssitz des Heineanums, geht der Rundgang weiter. Rüdiger Becker, Chef des Heineanums, lädt die Gäste ein, einen Blick in die öffentlichen Toiletten zu werfen. „Zu einem Museumsbesuch gehört nicht nur der Kauf von Eintrittskarten“, sagt er. Der Blick in die kleine Küche ist eine Zeitreise in die DDR, auch hier blättert Putz, sind Risse sichtbar. Beengt die Arbeitsbedingungen auch hier, jede Wand wird gebraucht, um Büchern Platz zu geben oder Materialien für die museums­pädagogische Arbeit. Und wie im Gartenhaus sind die klimatischen Bedingungen für die wertvollen Fachbücher nicht ideal. „Es gibt in unseren Häusern Schätze, auf die man wirklich achtgeben muss“, sagt Becker, „die Frage bei Kultur ist ja immer, bekommen die Dinge ein kw-Vermerk, also kann weg, oder wollen wir diese Schätze bewahren?“.

Eine Frage, der sich der Stadtrat langfristig stellen muss, wie Fachbereichsleiter Thomas Rimpler nach dem Rundgang sagte. Ausschussvorsitzender Dieter Kühn (Freie Wähler) formulierte es ähnlich: „Wie geht die Öffentlichkeit, die Politik und die Gesellschaft mit solchen Themen um? Was wollen wir schützen, was sind unsere Ideale, was macht Heimat für uns aus?“ Er sah jedoch angesichts der leeren Stadtkassen kaum Möglichkeiten, die Arbeits- und Aufbewahrungsbedingungen zu verbessern. „Wir müssen wohl die Wegelagerei einführen, um zu ausreichend Geld zu kommen“, so Kühn.

Thomas Rimpler betonte noch einmal, das es Anliegen des Rundganges war, für die bestehenden Probleme zu sensibilisieren. „Wenn es irgendwann mal um Geld für die Sanierung der Museumsräume gehe, sollte einfach klar sein, es geht nicht um Luxussanierung, sondern um den Schutz und Bewahrung unseres kulturellen Erbes.“ Volker Bürger (CDU) erinnerte daran, dass die Mitarbeiter trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen hervorragende Ausstellungen organisieren. Den Mitarbeitern bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, sei auch eine Frage der Wertschätzung ihnen gegenüber.