Dardesheim l „Jetzt weiß ich, wie schwer es Sportlehrer haben“, sagt Tom Nattermann. Zusammen mit Patrik Twardzik leitet er den Unterricht mit zwei sechsten Klassen der Thomas-Mann-Sekundarschule. Der Fußball rollt nicht die ganze Zeit, auch der Handball wird genutzt, einige Spiele gehen ganz ohne Ball.

Noch junge Aktion

Es ist noch eine recht junge Aktion der Regionalligafußballer. Sie gehen in Harzer Schulen und zu Vereinen, um mit den Kindern Sport zu treiben. Vermittelt und koordiniert wird das über die Halberstadtwerke, dem Hauptsponsor der Mannschaft. Den Spaß am Sport wollen die jungen Fußballer vermitteln und Werte, die auch fürs spätere Leben wichtig sind. Teamarbeit und Selbstvertrauen, zählt Halberstadtwerke-Sprecher Sebastian Hübner Beispiele auf.

Entstanden ist die Idee in der Mannschaft selbst. Florian Beil geht dabei voran. Auch Trainer Andreas Petersen unterstützt das Projekt, berichtet Hübner. Schließlich müssen die Kicker dafür auch mal vom Training freigestellt werden.

Schüler sind begeistert

„Die Schulen fragen meist gleich, ob wir wiederkommen können“, sagt Tom Nattermann. Die Dardesheimer Sportlehrer Edgar Schirbel und Andreas Seetge sitzen in dieser Stunde zwar nur auf der Bank, freuen sich aber darüber, mit welcher Begeisterung die Schüler bei der Sache sind. Die Fitness der Kinder, beobachtet Schirbel über Jahre anhand von Grundübungen, lasse immer mehr nach. Selbst Patrik Twardzik, dessen Schulzeit noch gar nicht so lange zurück liegt, bestätigt das.

Auch hier will das Germania-Projekt ansetzen, die Schüler wieder zum Sport zu motivieren, wie Sebastian Hübner erzählt. Er sagt: „Es ist sehr vielschichtig angelegt.“

Erfahrene Kicker

Die Schüler sollen ja auch nicht gleich Regionalligafußballer werden. So wie Nattermann und Twardzik, die in ihrer Karriere schon an namhaften Stationen Halt gemacht haben. Beide spielten bereits in der dritten Liga. In Patrik Twardziks Lebenslauf steht gar Celtic Glasgow als Verein, damals noch als Jugendlicher zusammen mit seinem Zwillingsbruder. „Ich komme aus einer Fußballerfamilie“, erzählt der 25-jährige gebürtige Tscheche, der in dieser Saison als einziger Germane alle 25 Punktspiele ohne Auswechslung bestritten hat. Sein Vater war Zweitliga-Torwart bei Rot-Weiß Erfurt und ist dort heute Torwarttrainer.

Die Sportstunde ist, obwohl schon etwas länger, doch viel zu kurz. Die Autogrammkarten von Nattermann und Twardzik sind heiß begehrt. Und sicher werden demnächst Dardesheimer Schüler von der Tribüne im Halberstädter Friedensstadion aus ihren „Sportlehrern auf Zeit“ die Daumen drücken. Denn die Kicker haben auch Freikarten übergeben.