Wernigerode/Halberstadt l Eines ist sicher: Zum 9. Dezember 2018 wird der Fahrplan der Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) fortgeschrieben. Inwieweit sich die Nutzer dann auf grundsätzliche Änderungen einstellen müssen, ist bislang unklar. Während Landrat Martin Skiebe (CDU) gut einen Monat vor dem Termin „keine einschneidenden Änderungen“ sieht, lassen Signale der HVB anderes erwarten. Nach Angaben von Abteilungsleiter Gerald Hahne werde seitens des Aufgabenträgers – der Kreisverwaltung – darauf orientiert, an den Wochenenden wieder zu dem zwischen April und August gültigen und massiv kritisierten Fahrplan zurückzukehren.

„Wir haben entsprechende Informationen vorliegen, nach denen das gewollt ist“, so Hahne. Das würde an den Wochenenden komplett neue Linienführungen nach sich ziehen und auch die Verschiebung von Knotenpunkten. Konkret: Hasselfelde war bis Mitte April Knotenpunkt und ist es seit August wieder, Blankenburg war von April bis August Knoten und soll es nun an den Wochenenden offenbar wieder werden. Wollen die Verantwortlichen – man muss es angesichts des Chaos‘ im Frühsommer so formulieren – damit zum Chaos zurück? Oder anders formuliert: Kommt punktuell die Rolle rückwärts von der Rolle rückwärts?

Workshop entfällt Genaue Korrekturen am Gen

Entschieden ist derweil, dass ein zum 9. November angekündigter Workshop ausfällt. Ursprünglich sollten an diesem Tag in einer siebenstündigen Beratung Vertreter von HVB, der Nahverkehrsgesellschaft Nasa sowie Kreisverwaltung zusammen mit Kreistagsabgeordneten über den HVB-Fahrplan und die Misere im Frühjahr diskutieren. Nun, so die Kritik des bündnisgrünen Fraktionschefs Bernhard Zimmermann, sei die Runde ohne Begründung abgesagt worden.

Das habe seine Fraktion mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, so Zimmermann. Egal, ob die Absage nur organisatorische Gründe habe – nach der Vorgeschichte der missglückten Fahrplanumstellung im Frühjahr sollte es im Interesse aller Akteure sein, zu einem geordneten Verhältnis zwischen dem Kreis als Auftraggeber und den HVB als Auftragnehmer und damit zu einem rechtskonformen Zustand zurückzukehren. „Den lange angekündigten Workshop hatten wir als den Weg dahin angesehen“, so Zimmermann, der mit Blick auf Skiebes Entscheidung von einem Rätsel spricht.

Skiebe sieht, obwohl er als Verwaltungschef am 19. Oktober zu dieser Runde hatte einladen lassen, aktuell keinen Anlass für einen derartigen Workshop. „Im Moment stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis. Wir sind beim Fahrplan jetzt in einem ruhigen Fahrwasser.“

Workshop eine Art Gehirnwäsche

Gut möglich, dass die Absage des Workshops am 30. Oktober auch eine Reaktion auf Signale aus Fraktionen war. Dort scheint sich der Applaus in Grenzen zu halten. SPD-Fraktionschefin Birgit Voigt begrüßt die Runde mit allen Beteiligten zwar – „aber wie soll ich das als Berufstätiger hinbekommen, sieben Stunden an einem Freitag“? Dass sich die genannten Beteiligten an einen Tisch setzen, sei derweil zu begrüßen.

CDU-Fraktionschef Thomas Balcerowski begrüßt die Absage: „Ich hatte den Eindruck, dass da eine Art Gehirnwäsche erfolgen sollte, um das Chaos, das die Kreisverwaltung organisiert hat, im Nachgang zu rechtfertigen.“ Das müsse er nicht haben, schon gar nicht sieben Stunden lang.

Für ihn reiche ein Blick auf die Zahlen und Fakten, um die Situation zu beurteilen: „Laut HVB hatten wir im Frühsommer mit dem neuen Fahrplan 1800 Beschwerden. Nach der Rückkehr zum alten gab es 30 – damit ist alles gesagt“, so Balcerowski. Mit Blick auf neuerliche Fahrplanänderungen ist er vorsichtig: „Wir wollen Kundenzufriedenheit – jetzt haben wir sie wieder.“

In der Zukunft sieht er Skiebe als Landrat gefordert: „Er muss sich das Thema Nahverkehr auf den Tisch ziehen und den Fahrplan mit Praktikern fortschreiben“, fordert Balcerowski, der noch viele Baustellen und reichlich Sand im Getriebe sieht. Wo er die Praktiker verortet, macht der CDU-Mann klar: Bei den HVB.

Bleibt abschließend die Frage, die nicht nur Balcerowski beantwortet wissen will: Wer hat das Chaos im öffentlichen Nahverkehr im Frühjahr verursacht und zu verantworten? „Die Ursachenforschung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Landrat Skiebe, der nach eigenen Worten eine neutrale Prüfstelle beauftragt hat, das Zusammenspiel und die Rolle aller Partner zu beleuchten. Ergebnisse? Aktuell gelte dafür das Jahresende als Zielmarke.