Halberstadt l Vor etwa zwei Jahren gab die Stadtverwaltung grünes Licht für die Erarbeitung des Verkehrskonzeptes, die mit reger Bürgerbeteiligung erfolgte. Der Vorgänger stammt noch aus den 1990er Jahren, wurde letztmals 2003 aufgefrischt und gilt daher als angestaubt und nicht mehr zeitgemäß.

Mit dem Papier sollen die Weichen für die Beseitigung zahlreicher Problemzonen in Halberstadt gestellt werden. „Strategisches Ziel der Stadtentwicklung ist es, die zum Teil durch überdimensionierte Verkehrsräume zerklüftete Innenstadt neu zu ordnen und als attraktive Stadträume neu zu gestalten“, heißt es im Konzept.

Planer setzen auch auf Kreisverkehre

Dazu gehören laut Konzept unter anderem die Förderung des Fußgänger- und Radverkehrs als gesundheitsfördernde und energiesparende Verkehrsarten, die Berücksichtigung der Belange eines attrak­tiven Angebotes des Öffentlichen Personen­nahverkehrs (ÖPNV) mit dem Ziel einer Ausweitung des ÖPNV und eine deutliche Reduzierung des motorisierten Durchgangsverkehrs in der Innenstadt. Dabei soll jedoch die Erreichbarkeit der einschlägigen Ziele weiterhin abgesichert sein. Außerdem soll die Verlangsamung des motorisierten Individualverkehrs und damit eine Reduzierung von Lärm- und Schadstoffbelastung in der Innenstadt erreicht werden. Im Fokus stehen aber auch die Verbesserung der Barrierefreiheit, die Erhöhung der Sicherheit und des Sicherheitsempfindens für alle Verkehrsteilnehmer.

Das Verkehrskonzept setzt unter anderem verstärkt auf die Einrichtung von Tempo-30-Zonen in der Innenstadt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Hauptverkehrsstraßen das Zentrum tangieren. Für eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit schlagen die Verkehrsplaner das Westendorf, die Schmiedestraße, den Hohen Weg, die Heinrich-Julius-Straße (zwischen Hoher Weg und Kühlinger Straße), die Gerber- und Antoniusstraße sowie den Sargstedter Weg zwischen Braunschweiger Straße und Sargstedter Weg/Röderhofer Straße vor. Damit würde man die Verkehrssicherheit sowie die Wohn- und Aufenthaltsqualität verbessern, den Fuß- und Radverkehr fördern und den Durchfahrtwiderstand durch die historische Innenstadt erhöhen.

Umgestaltung

Eine zentrale Aufgabe bei der Entlastung der Innenstadt vom Kfz-Verkehr kommt dem sogenannten Verkehrsring zu. Zu ihm gehören die Walther-Rathenau-Straße, die Straße der Opfer des Faschismus, die Schwanebecker Straße, die Röderhofer Straße sowie die kommunalen Huy-, Bleich- und Schützenstraße. Fit ist dieser Ring, den es auf dem Papier bereits seit etwa 20 Jahren gibt, noch lange nicht. Bedeutet, der Zustand der Straßen ist teils miserabel, verkehrstechnische Anlagen wie Ampeln sind nicht aufeinander abgestimmt. Damit ist der Ring nach wie vor für viele Kraftfahrer ­unattraktiv und die Fahrt durch die Altstadt bislang alternativlos.

Auf der Agenda stehen außerdem die Umgestaltung des Hohen Weges, der aufgrund seiner enormen Breite von 21 Metern Autobahncharakter besitzt. Laut Meinung der Fachleute stört der Hohe Weg mit seinen hohen Verkehrs­stärken und Geschwindigkeiten die Fußverbindung zwischen Domplatz, Holz- und Fischmarkt sowie die Funktion für den öffentlichen Verkehr und Reisebusse. Als Lösung wird die Führung des Kfz- und Straßenbahnverkehrs auf einem Fahrstreifen und die Verringerung der Fahrbahnbreite auf 6,50 Meter vorgeschlagen. Der so entstandene Freiraum bietet Platz für die Einrichtung getrennter Geh- und Radwege mit 2,50 beziehungsweise 2,75 Meter Breite inklusive 75 Zentimeter Sicherheitsstreifen zwischen den Wegen. Umgestaltungsvorschläge sieht das Verkehrskonzept in der Innenstadt außerdem für die Kühlinger-, die Heinrich-Julius- und die Schmiedestraße vor.

Fragezeichen steht hinter der Finanzierung

Die Verkehrsexperten empfehlen den Einsatz von Kreisverkehren an Knotenpunkten des Hauptverkehrsstraßennetzes. Von vielen Bürgern immer wieder gefordert, bis heute jedoch nur selten in der Kreisstadt umgesetzt. So würde sich die Umgestaltung der bislang von einer Ampel geregelten Kreuzung Huystraße/Röderhofer Straße/Wolfsburger Straße in einen Kreisverkehr anbieten.

Während der jüngsten Tagung des Stadtentwicklungsausschusses diskutierten die Mitglieder über das Integrierte Verkehrskonzept. Yvonne von Löbbecke (FDP) fragte, ob die Stadt Geld für die Umsetzung des Konzepts habe. Um alle Projekte zu verwirklichen, sind mehrere Millionen Euro notwendig. „Es wird nichts angefangen, wenn die Projekte nicht im Haushalt verankert sind. Es gibt leider keinen ­Extra-Haushalt“, antwortete Thomas Rimpler, Fachbereichsleiter Stadtplanung. Darauf entgegnete Ausschussvorsitzender ­Michael Herrmann (CDU): „Dann brauchen wir kein Verkehrskonzept entwickeln, wenn aufgrund der Finanznot nichts umgesetzt werden kann.“ Er forderte Aussagen darüber ein, wann was realisiert werden soll.