Halberstadt/Wernigerode l Nach der erfolgreichen Rettung von zwei Jungen, die sich in den Wäldern unterhalb des Brockens verlaufen hatten, stellt sich die Frage, warum die Verantwortlichen in der Harzer Leitstelle nicht auf das entscheidende Ortungssystem zugreifen konnten. Weil es, wie Kai-Uwe Lohse vom Eigenbetrieb Rettungsdienst auf Anfrage erklärt, erst in den nächsten Tagen fertig installiert und in Betrieb genommen wird.

Deshalb musste Leitstellen-Schichtleiter Sebastian Petrusch am Donnerstagabend einen Trick anwenden, um die 12 und 15 Jahre alten Jungen punktgenau orten zu können. Er rief die Kinder auf deren Handy an und bat sie, den Notruf 112 zu wählen. Das Ansinnen: Mit diesem Notruf in der Leitstelle Braunschweig landen, wo das AML-Ortungssystem – die Abkürzung steht für Advanced Mobile Location (zu Deutsch: fortgeschrittene mobile Ortung) – bereits verfügbar ist.

Das Prinzip von AML: Wird mit einem Mobiltelefon eine Notrufnummer mit AML-Unterstützung gewählt, aktiviert das Handy automatisch die interne Satelliten-Navigation (GPS), selbst wenn diese zuvor vom Nutzer blockiert worden war. Nach wenigen Sekunden liegen die präzisen GPS-Daten vor und werden als SMS an die Leitstelle gesendet. Anhand dieser GPS-Daten können die Retter die Position des Handys fast auf den Meter genau orten. Das sei ein entscheidender Fortschritt gegenüber der bisherigen Ortung via Funkmasten, so Lohse. Dieses Prinzip sei gerade in dünn besiedelten Regionen mit wenigen Masten ungenau.

Nachrüstung kostet 26.000 Euro

AML wird aktuell in vielen Leitstellen eingeführt. „Auch wir sind dran, die Software ist bei uns bereits installiert und soll noch im Januar in Betrieb gehen“, kündigt Lohse an. Kostenpunkt der Nachrüstung: rund 26.000 Euro.

Bis dahin bleibt der Umweg Braunschweig, der im jüngsten Fall erfolgreich war. Die dortige Leitstelle lieferte die GPS-Koordinaten, danach waren die beiden Jungen rasch gefunden.