Osterwieck l Osterwieck, genau genommen der Schäfers Hof, ist seit 2018 offizieller Sitz des deutschen Romwegvereins. Die 2200 Kilometer lange Pilgerstrecke nach Rom beginnt in Stade und durchquert drei Nationen. In Deutschland, Italien und Österreich gibt es jeweils einen Partnerverein, der sich um seine Route kümmert.

Vertreter dieser drei Vereine gründeten in Bozen eine Art Dachverein. Dieser hat vor allem eine bürokratische Aufgabe. Er gilt als Anprechpartner für das in Luxemburg ansässige Institut des Europarates, das über die Zertifizierung als europäische Kulturroute entscheidet.

Auf Augenhöhe mit Jakobsweg

Bereits Ende September wurde der Antrag eingereicht. „Fünf Ordner in englischer Sprache“, schilderte Dr. Thomas Dahms, der Vorsitzende des deutschen Romwegvereins. Eine intensive Arbeit, an der von deutscher Seite vor allem auch Jens Friedrich (Wernigerode), Michael Weiß (Bad Neustadt/Saale) und Ulrike Steger (Donauwörth) beteiligt waren. Sollte es mit der Aufnahme klappen, wäre das ein Gütesiegel für die Via Romea und sie stünde in einer Reihe etwa mit dem berühmten Jakobsweg. Seit 1987 sind bisher mehr als 30 Kulturrouten des Europarates zertifiziert worden.

Mit Flavio Foietta ist ein Italiener zum Vorsitzenden des europäischen Via-Romea-Vereins gewählt worden. Dass der Sitz in Bozen ist, hat auch Symbolcharakter. „Das ist der Punkt, an dem die deutsche und italienische Sprache gleichwertig aufeinandertreffen“, sagte Dahms.

Ein Italiener war es mit Prof. Giovanni Caselli auch, der 2006 den Anstoß zur Wiederbelebung des Romwegs gab, jenes Pfades, den Abt Albert von Stade 1236/1237 ging und später von der Route eine Reisebeschreibung hinterließ. „Ein lange vergessener Weg“, wie Dahms beschrieb. In einer Sisyphosarbeit entlang der historischen Route wurden viele Partner, darunter etliche Kommunen, gewonnen, die die heutige Wegeführung neu festlegten, beschilderten und als Paten warten.

Pilger übernachten in Osterwieck

Als europäische Kulturroute gäbe es die Möglichkeit, Fördermittel für Projekte zu bekommen, erklärte Thomas Dahms. Projekte, die nicht nur das Wandern selbst betreffen. Dahms sieht dabei auch die europäische Verbundenheit. Wie es der zeitliche Zufall wollte, wurde der internationale Dachverein genau 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründet.

Es gibt bereits Pilger, die die komplette Route von Stade nach Rom gegangen sind. Was auch die Osterwiecker merkten, denn auf dem Schäfers Hof besteht eine Übernachtungsmöglichkeit. Noch mehr sind auf Teilabschnitten unterwegs.

Thomas Dahms lief den deutschen Abschnitt bis Mittenwald und hat danach einen Pilgerführer herausgegeben. 2019 plant er die Route durch Österreich und Italien abzugehen und danach den Pilgerführer mit einem zweiten Teil zu ergänzen.