So gelingt die Feier

Daniela Radler weiß, wie die eigene Trauung zur Traumhochzeit wird: „Am wichtigsten sind für mich die Blumen. Wenn die Braut ihre Lieblingsblume ausgewählt hat, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass diese auch zum Rest passt – also zum Kleid, zum Schmuck, zur gesamten Lokalität. Hier sind die Geschmäcker natürlich verschieden. Manche mögen es schlicht, andere pompös. Die richtige Zusammenstellung – auch farblich – ist zentral. Mir persönlich gefallen pastellige Töne sehr gut. Was für mich gar nicht geht, obwohl ich weiß, dass es viele mögen, ist die Kombination von Weiß und Dunkelrot – eine Katastrophe!“

Ditfurt l Heiraten wie zu Großmutters Zeiten – und doch mit einem modernen Hauch. Darauf können sich seit einigen Jahren immer mehr junge Paare einigen. Der Vintage-Stil – so nennt sich die Kombination aus Nostalgie und modernem Design – erfreut sich dieser Tage immer größerer Beliebtheit auf Hochzeiten.

Doch für die gelungene Mischung aus ungezwungenen, romantischen und stilvollen Elementen bedarf es des richtigen Händchens. Dafür wollen zwei Schwestern aus Ditfurt sorgen, die seit Februar professionelle Hilfestellung bei der Dekoration und Organisation von Hochzeiten und anderen Festen anbieten.

„Ich bin schon immer gerne über Flohmärkte gegangen und habe nach schönen Dingen Ausschau gehalten. Mit der Zeit hat sich da einiges angesammelt“, erzählt Daniela Radler. Und ihre Schwester Anne Fischbach ergänzt: „Irgendwann haben wir dann angefangen, Hochzeiten und andere Feste für unsere Freunde auszustatten.“

Unternehmensgründung im Februar

Mit der Zeit seien sie von ihrem Bekanntenkreis immer wieder gefragt worden, ob sie sich nicht vorstellen könnten, das Ganze auch professionell zu betreiben, berichtet Daniela Radler. Und weil diese Idee die Schwestern lange Zeit nicht losgelassen habe, sei irgendwann der Gedanke da gewesen: „Wenn nicht jetzt, wann dann? Hinterher ärgern wir uns nur“, sagt Anne Fischbach.

Im Februar wagten die Ditfurterinnen den nächsten Schritt: Was als Hobby und gelegentlicher Freundschaftsdienst begann, sollte mit der Gründung des Unternehmens Vintagezauber nun in professionellere Bahnen münden. Zunächst allerdings nur als zweites berufliches Standbein – unter der Woche gehen die jungen Frauen gegenwärtig weiter ihren Bürotätigkeiten nach.

Rückschlag kurz nach dem Start

Die Entscheidung, zunächst nur ein Nebengewerbe anzumelden, sollte sich als richtig herausstellen: Zwar konnten die jungen Unternehmerinnen schon kurz nach der Gewerbeanmeldung den ersten offiziellen Großauftrag ergattern – das E-Center in Quedlinburg feierte Ende Februar unter dem Motto „Tradition trifft Moderne“ hundert Jahre Edeka. Doch bald darauf folgte die weltweit rasante Ausbreitung der Corona-Pandemie, die nicht nur das öffentliche Leben zum Erliegen brachte, sondern auch die Feierwilligkeit der neugewonnenen Kunden.

Entmutigen lassen wollen sich die Schwestern davon allerdings nicht – auch wenn natürlich Aufträge weggefallen seien. Daniela Radler: „Einige Feiern wurden verschoben, darunter runde Geburtstage und mehrere Hochzeiten. Viele sind einfach vorsichtig.“ In dieser Situation komme es ihnen zugute, dass sie mit ihrem Service noch relativ am Anfang stünden und „nicht schon hundert Anfragen da waren“, wie Anne Fischbach ergänzt.

Sie fährt fort: „Wegen Corona haben wir das Gewerbe zuletzt auch nicht mehr soviel beworben, weil wir nicht wussten, wohin die Reise geht.“ Langsam steige das Interesse der Leute aber wieder, sagt Schwester Daniela. „Wir merken schon, dass die Planungen für nächstes Jahr langsam wieder in Gang kommen.“

Fundstücke zu Hause aufgearbeitet

Bis dahin jedenfalls haben die jungen Ditfurterinnen genug Zeit, sich weiter auf Schatzsuche nach ausgefallenen Möbeln und außergewöhnlichen Dekorationsgegenständen zu begegeben. „Viele wissen gar nicht, was man aus den alten Sachen noch machen kann“, sagt Daniela Radler. So würden sie die gefundenen Schmuckstücke mit nach Hause nehmen, um sie dort selbst aufzuarbeiten.

Da die eigenen vier Wände mittlerweile nicht mehr genug Platz böten, um alles unterzubekommen, haben sich die Vintagezauber-Gründerinnen mittlerweile auch ein kleines Lager zugelegt.

Das Repertoire ist dabei breit gefächert: Von Tischdecken und Spiegeln, über antike Metallbetten und alte Koffer bis hin zu Bilderrahmen und Kosmetik-Tischchen entgeht nichts dem geschulten Blicken der beiden. „Zuletzt haben wir eine tolle alte Rikscha gefunden“, sagt Radler mit Begeisterung. „Die eignet sich super für eine Foto-Ecke auf einer Feier.“

Hoch im Kurs stehe im Moment auch der sogenannte Shabby-Chic, bei dem die Gebrauchsspuren mit zum Konzept gehören. Beliebt ist bei den Schwestern darüber hinaus der skandinavische Stil mit seinem Mix aus minimalistischer Gestaltung und organischen Naturmaterialien – „die haben im Norden einfach den besseren Geschmack“, sagt Anne Fischbach lachend.

Ideen auf der Straße finden

Inspiration würden sie nicht nur auf Reisen, sondern im Grunde überall finden, wo sie unterwegs seien. „Wenn ich draußen bin, halte ich alles mit meiner Kamera fest, was ich schön finde. Neue Ideen kann man wirklich auf der Straße sammeln“, sagt Daniela Radler.

Schon als Kind sei ihr Berufswunsch Dekorateurin gewesen. „Auch wenn mein Geschmack damals noch etwas anders war als heute“, verrät Radler schmunzelt. Und die jüngere Schwester Anne pflichtet bei: „Den Sinn für das Ästhetische habe ich definitiv von Daniela geerbt.“

Die Fähigkeit zur stilistischen Variabilität kommt den beiden auch im Umgang mit den oft sehr anspruchsvollen Bräuten zugute. Daniela Radler: „Die Vorstellungen sind da ganz unterschiedlich. Deshalb setzen wir uns im Vorfeld mit dem Paar zusammen und besprechen gemeinsam das Motto, die Farbvorstellungen, ob es eher schick oder schlicht werden soll.“

Kabeltrommel als Stehtisch

Anne Fischbach gibt ein Beispiel: „Vor einiger Zeit haben wir die Hochzeit einer Freundin dekoriert, die einen natürlichen und etwas rustikaleren Stil wollte. Das haben wir dann bei der Auswahl der Möbel, der Farben und Materialien berücksichtigt.“ Hier sei Kreativität gefragt: So hätten sie auf der besagten Feier Holzkabeltrommeln zu Stehtischen umfunktioniert, mit Strohballen gearbeitet und einen Traubogen aus Birkenholz angefertigt.

„Wir sind schon sehr penibel und wollen, dass unsere Arbeit Hand und Fuß hat“, betont Daniela Radler. Deshalb könnten Paare auch aus bestimmten Paketen auswählen – je nachdem, wie sehr sie sich selbst mit einbringen wollten.

Unterstützung von Freunden

Da nicht immer alle Arbeiten zu zweit zu bewältigen seien, sind die Schwestern froh, über ein großes Netzwerk zu verfügen, das ihnen zur Not auch unter die Arme greifen kann. „Wir haben viele Leute im Freundes- und Bekanntenkreis, die selbst kreativ sind oder Geschäfte betreiben und von denen wir auch viel Hilfe bekommen“, sagt Fischbach.

Auch wenn die beiden Frauen ihr Geschäft vor allem aus Spaß an der Sache betreiben, könnten sie sich für die Zukunft durchaus mehr vorstellen. Anne Fischbach: „Es wäre schon schön, wenn es mit der Zeit weiter wachsen würde.“

Dabei wollen sie nicht auf die Dekoration von Hochzeitsfeiern reduziert werden. So würde demnächst auch ein Junggesellinnen-Abschied mit Picknick und Stand-Up-Paddling (Paddeln im Stehen) am Ditfurter See anstehen. Das Motto: „Dinner in Weiß“.