Halberstadt l Sie nehmen sich Zeit. Viel Zeit. Schließlich ist ihre Entscheidung Geld wert. 1000 Euro, um genau zu sein, denn mit dieser Summe ist der „Silberne Uhu“ dotiert, der Deutsche Preis für Vogelmaler. Gestiftet wird das Geld vom Förderkreis für Vogelkunde und Naturschutz am Museum Heineanum, der auch die Organisation der „MoVo“, der Ausstellung Moderner Vogelbilder unterstützt. Seit 2003 wird diese Biennale ausgerichtet, die deutschlandweit einzigartig ist, weil sie sich nur dem Thema der Vogelmalerei widmet. Was im englischsprachigen Raum eine lange Tradition hat, ist in Deutschland noch vergleichsweise neu. Geht es doch nicht allein um die anatomische Korrektheit der Darstellung, sondern auch um Kunst.

„Deshalb gehören zur Jury neben den Ornithologen auch die Kunstkenner“, sagt Bernd Nicolai. Der langjährige Direktor des Heineanums ist mitterweile als Geschäftsführer für den Verein tätig. Der hat neben der Unterstützung für die Museumsarbeit und diese Kunstausstellung eine wesentliche Aufgabe als Träger des Rotmilanzentrums des Landes Sachsen-Anhalt übernommen.

Rotmilane finden sich in der aktuellen „MoVo“-Ausstellung, übrigens der neunten, nicht, dafür aber andere imposante Greifvögel. So stehen denn die vier Jurymitglieder Herbert Grimm vor dem Bild eines farbenfrohen Adlers. Ein Gaukler, ein Schlangenadler, der in Afrika beheimatet ist. Für die Fachmänner kein Problem, die vier, die hier stehen, sind allesamt Ornithologen – aus Erfurt, Soltau, Goslar und Halberstadt. Zur Jury gehören noch der Ornithologe Karl Schulze-Hagen aus Mönchengladbach, der in Bielefeld lehrende Kunstprofessor Nils Hoff aus Berlin und Reimar Lacher, Kunsthistoriker des Gleimhauses Halberstadt.

Schau mit 111 Vogel-Bildern

111 Bilder hängen in der Schau, die am Samstag, 22. Juni, mit der Verleihung des „Silbernen Uhu“ eröffnet wird. Die Verleihung erfolgt jedoch nicht mitten in der Ausstellung, erfahrungsgemäß sind die Sonderausstellungsräume im Städtischen Museum, wo die Bilderschau zu Gast ist, zu klein dafür. Und weil das auch für den Vortragsraum der Museen gilt, sind die Veranstalter dankbar für die Gastfreundschaft der Hochschule Harz.

Im Audimax der Hochschule, quasi gegenüber am Dom­platz gelegen, wird die neunte „MoVo“ um 13 Uhr eröffnet. Nach der Begrüßung der Gäste durch Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) wird Dr. Hans-Jörg Wilke vom Nationalpark Unteres Odertal über den Wandel des Vogelbildes in der populären Tierillustration von 1850 bis 1950 berichten. Und erst dann werden die Anwesenden erfahren, wer denn die Jury mit seiner Arbet überzeugen konnte. „Die Entscheidung halten wir solange geheim“, sagt Bernd Nicolai. Deshalb kann es auch schon mal vorkommen, dass der Auszuzeichnende nicht anwesend ist. Aber meist versuchen die Künstler dabei zu sein, wenn die Werkschau startet. Es ist eine gute Gelegenheit, untereinander ins Gespräch zu kommen.

53 Künstler aus dem gesamten deutschen Bundesgebiet, aus Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich sowie den USA haben in diesem Jahr den Zuschlag erhalten und dürfen ihre Werke zeigen. Beworben hatten sich 78 Frauen und Männer mit insgesamt 297 Arbeiten. Die Teilnahmebedingungen lassen pro Bewerber bis zu fünf Bilder zu, die eingereicht werden können. Die Laien und Profis reichen zunächst hochauflösende Fotos ihrer Arbeiten ein, die dann auf eine Leinwand im Vortragsraum projiziert, von den Jurymitgliedern dahingehend bewertet werden, ob die Qualität ansprechend genug, die Darstellung des Vogel ornithologisch korrekt ist.

Künstler entscheiden über ihre Beiträge

Wer mitmachen darf bei der Ausstellung, schickt dann die Originalbilder nach Halberstadt. Und erst wenn diese hängen, trifft sich die Jury zur Wahl des Preisträgerbildes. „Die Künstler selbst entscheiden, welches ihrer Werke sie zum Wettbewerb einreichen. Manchmal sehen wir ein anderes ganz vorn. Aber wir können nur die Arbeiten bewerten, die tatsächlich am Wettbewerb teilnehmen“, erklärt Nicolai.

Da hat es das Publikum leichter. Denn für den Publikumspreis, der am Ende des Ausstellungszeitraums vergeben wird, können alle 111 Bilder bewertet werden und nicht nur die, an deren Beschriftungen eine grüne Ecke prangt. Wirklich einfacher macht das aber die Entscheidung nicht. Schließlich kennzeichnet die Schau eine große Vielfalt an Maltechniken und Stilen.