Halberstadt/Harsleben l „Da hat der Bauarbeiter echt Glück gehabt“, sagte Sebastian Hübner. Denn als sich seine 35 Tonnen schwere Bodenfräse in die Hochdruckleitung fraß, hätte sich auch ein explosives Gas-Luft-Gemisch bilden können, so der Sprecher der Halberstadtwerke. Wobei es aber vielleicht gerade der hohe Druck von 3,2 Bar ist, der Schlimmeres verhindert hat, wie im Gespräch mit Ingo Wetzel deutlich wurde. Wie vom amtierenden Halberstädter Feuerwehrchef zu erfahren war, sorgte der hohe Druck für den Austritt von großen Mengen Gas, die sich erst nach und nach mit dem Sauerstoff in der Luft mischen und dann leichter zu entzünden sind. Aber auch Wetzel sagte: „Der Fräsenfahrer hatte viel Glück.“

Großräumige Sperrung

Die Baufirma, die derzeit parallel zur Bundesstraße 79 zwischen Quedlinburg und Harsleben einen Radweg baut, hatte am Mittwochmorgen um 8.45 Uhr die Rettungsleitstelle in Halberstadt über die Havarie am Abzweig nach Westerhausen informiert, die wiederum sofort Feuerwehr und Polizei in die Spur schickte.

Die Hauptberufliche Wachbereitschaft Halberstadt unterstützte die Freiwillige Feuerwehr Harsleben bei diesem Einsatz mit Technik und Personal. Während Beamte aus dem Polizeirevier Halberstadt die Unglücksstelle absperrten, erkundeten die Kameraden die Lage, entschieden aufgrund der gemessenen Gaskonzentration, der Windstärke und -richtung, wie weit der Absperrradius gefasst werden musste, um Gefährdungen für Dritte auszuschließen.

 

Dass das Gasleck in freier Landschaft gerissen wurde, erleichterte die Arbeit, es mussten keine Gebäude evakuiert werden und auch die angelegten Atemschutzgeräte waren letztlich nicht erforderlich. „Das Gas enthält Beimischungen, die dafür sorgen, dass schon kleinste Mengen deutlich zu riechen sind“, erklärte Ingo Wetzel, „deshalb sind unsere Messgeräte wichtig, um eine objektive Einschätzung treffen zu können“. 

Gasversorgung sichergestellt

Auch von den Halberstadtwerken war rasch ein Einsatztrupp vor Ort, eilte zu den Absperrventilen, um das betroffene Leitungsstück abzuschiebern. Die sechs ausgerückten Stadtwerkemitarbeiter hatten um 10 Uhr die beschädigte Stelle von der weiteren Gaszufuhr getrennt, bis dahin war in der Hauptleitung der Druck reduziert worden. „Die Versorgungssicherheit war aber gewährleistet“, sagte Sebastian Hübner. Möglich wurde das, weil die Stadtwerke in den vergangenen Jahren zwischen Emersleben und Wegeleben in den Lückenschluss eines Ringnetzes investiert hatten. Somit war die Gasversorgung auch in Halberstadt sichergestellt und auch für die Harsleber gab es bis auf eine Ausnahme keine Auswirkungen in der Gasversorgung. Für das betroffene Unternehmen hätten die Stadtwerke rasch eine andere Lösung gefunden.

Es dauerte eine Weile, bis nach dem Absperren alles Gas aus dem Teilstück der Stahlleitung, die einen Durchmesser von 20 Zentimetern hat, entwichen war. Erst dann konnte die Leckage an der 60 Zentimeter tief im Boden liegenden Leitung genauer in Augenschein genommen und die großräumige Sperrung aufgehoben werden.

Fast zwei Stunden war die B 79 zwischen Quedlinburg und Harsleben komplett gesperrt, erst um 11.35 Uhr konnte zumindest die Bundesstraße wieder freigegeben werden und auch die Feuerwehr wieder abrücken. Die war aus Richtung Quedlinburg kommend ab der Anschlussstelle Quedlinburg-Zentrum der Autobahn 36 und ab Harsleben in Richtung Quedlinburg dicht. Auch aus Westerhausen gab es kein Rankommen an die B 79.

Noch keine Ursache

Mittwochnachmittag begannen bereits die Vorbereitungen für die Reparatur der beschädigten Hauptleitung, die im Laufe des Donnerstags erfolgen soll, berichtetet Sebastian Hübner. Der Stadtwerkesprecher dankte zugleich Feuerwehren und Polizei: „Die Zusammenarbeit hat super geklappt“. Wie es trotz vorliegender Schachtgenehmigung und erkennbarer Kennzeichnung der Gastrasse zu der Havarie kommen konnte, ist bislang unklar.