Kritik von Grünen-Politikerin Steffi Lemke

Wahlkampfthemen zu oft "schwere Kost"

Wernigerode (tk) l Diesmal hat die Ausrede am bündnisgrünen Wahlstand wirklich gestimmt. Das Paar aus Dänemark darf wirklich nicht den neuen Bundestag wählen.

Steffi Lemke, Sachsen-Anhalts Spitzenkandidatin, lässt sich Freitagnachmittag in Wernigerodes Fußgängerzone nicht beirren. Wenigstens 100Info-Hefte über die Wahlziele und Regierungsvorhaben der Grünen will sie verteilen.

Genauso viele wie tags zuvor vor einem Supermarkt in Haldensleben. Touristenströme aus Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern oder Süddeutschland machen es ihr nicht leicht. Gleichbleibend freundlich weist die 45-Jährige daraufhin, auch dort gibt es am 22.Bundestagswahlen. Themen wie bezahlbare Energien, drohender Fachkräftemangel und notwendiger Mindestlohn, wachsende Leiharbeit sind überall in der Republik anzupacken, sagt Lemke.

Kette und Geste

Offen berichtet die Politikerin aus Dessau, es sei schwer, die Wähler mit Inhalten zu erreichen. Die Kette der Kanzlerin oder eine Geste des Herausforderers seien hingegen in aller Munde. Für den Harz fallen jener Frau, die das Erbe der Quedlinburgerin Undine Kurth im Bundestag antreten will, keine besonderen Schwerpunkte ein, die im grünen Wahlkampf herausgestrichen gehören.

Abwanderung nach Kahlschlag

"Es ist der Kahlschlag der Großen Koalition in Magdeburg bei der Bildung, der Jugend und der Kultur, der unserem Land noch Großes bescheren wird", kritisiert die Grüne. Für Steffi Lemke steht fest: das wird die Abwanderungsrate in Sachsen-Anhalt "massiv befeuern".

Dennoch will sie in Berlin mit dieser SPD regieren? Steffi Lemke kennt solche Fragen. Mit ihrer Kritik an der Politik von Minsterpräsident Reiner Haseloff(CDU) und Finanzminister Jens Bullerjahn(SPD) stehe sie nicht allein, führende SPD-Mitglieder wie Burkhard Lischka, sogar der CDU-Staatssekretär im Bundes-Innenministerium, Christoph Bergner, gehörten dazu, sagt die Grüne.

Wieder stürzt sie sich in den Straßenwahlkampf. Oft heißt es, man habe schon gewählt, andere schütteln bloß mit dem Kopf. Und wieder andere lehnen ihre Broschüre deswegen ab, weil sie keine Vegetarier werden wollen. Dann wird Steffi Lemke von zwei älteren Japanerinnen nach der Tourist-Information gefragt.