Wegeleben l Grund zur Freude gibt es für Radfahrer und Wanderfreunde: Die Schutzhütte, die sich am Radweg vom Quedlinburger Weg in Wegeleben in Richtung Heidberg befindet, wurde vor dem Verfall gerettet und lädt wieder zum Verweilen und zum Genießen der Feldflur ein. Auch bei Unwetter bietet sie nun wieder den nötigen Unterschlupf. Zu verdanken ist die Instandsetzung einigen engagierten Wegelebern, die das Projekt in einer Gemeinschaftsaktion und ohne großen Kostenaufwand in die Tat umgesetzt haben.

Ulrich Strümpel, der ehemalige Leiter Finanzen der Verbandsgemeinde Vorharz, berichtet über die Anfänge des Vorhabens: „Die Strecke in Richtung Heidberg ist bei vielen Radfahrern beliebt, so auch bei mir. Da ich oft dort vorbeikomme, war es mir schon länger ein Dorn im Auge, dass die Hütte in einem so schlechten Zustand war.“ So hätten nicht nur einige Bretter gefehlt oder seien durchgefault, auch sei der gesamte Bereich um den Unterstand herum mit Müll verunreinigt gewesen.

Kräfte wurden gebündelt

Um etwas an diesen Zuständen zu ändern, hätten Strümpel und einige Bekannte bald einen gemeinsamen Entschluss gefasst. „Vor etwa einem Vierteljahr saßen wir in gemütlicher Runde beisammen und haben gemeinsam überlegt, was sich in der Sache machen lässt“, erzählt der Wegeleber. Eine Anfrage nach finanzieller Unterstützung bei der Stadt sei damals – weil der Haushaltsplan zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgestanden habe – nicht von Erfolg gekrönt gewesen.

Doch von diesem Rückschlag ließen sich die Wegeleber nicht entmutigen. Stattdessen setzten sie auf den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft, wie sie oft im ländlichen Raum herrschen. „Man findet hier schnell ein offenes Ohr für seine Anliegen und viele bieten ihre Unterstützung bereitwillig an“, sagt Strümpel, der auch Vorsitzender des Schützenvereins ist.

„Wir haben uns dann entschieden, die Sache – natürlich in Abstimmung mit der Stadt – selbst in die Hand zu nehmen“, fährt Ulrich Strümpel fort. Hierfür hätten sich in kurzer Zeit noch eine Reihe weiterer Mitstreiter gefunden, die beim Wiederaufbau der Schutzhütte mit zur Hand gehen wollten.

Gesagt, getan: Nur zwei Tage plus einen Tag Vorbereitungszeit benötigten die Wegeleber Hobby-Handwerker in der vorigen Woche, um den alten Unterstand abzureißen, neue Holzplanken zu beschaffen, zurechtzusägen und neu anzustreichen, und die Schutzhütte anschließend wieder aufzubauen. Das Altholz wurde dabei vom Bauhof ordnungsgemäß entsorgt. Mit von der Partie waren neben Ulrich Strümpel auch Gustav Loos, Helmut Schütze, Henning Hapke und der Bauhof-Mitarbeiter Michael Zwingelberg

Besonders freut sich Strümpel, dass bei der Aktion alle Mitstreiter ihre Kräfte gebündelt und etwas mit dazu gegeben hätten, sodass die Kosten so niedrig wie möglich gehalten werden konnten.

So spendete Strümpel selbst das für die Sanierung benötigte Holz, Michael Zwingelberg stiftete die Schrauben und die Farbe stellte Gustav Loos zur Verfügung. Darüber hinaus fuhr der Wegeleber Landwirt Friedrich Baumgärtel das Material mit seinem Transporter zur benötigten Stelle und spendierte für die fleißigen Helfer außerdem ein Frühstück zur Stärkung. Einen Hänger sowie ein Notstromaggregat für die Sägearbeiten brachte die örtliche Firma Strüma mit.

Für die Umsetzung war Improvisation nötig

Obwohl sie das Projekt schon lange hätten realisieren wollen, sei bei der Umsetzung bisweilen auch etwas Improvisation vonnöten gewesen, sagt Ulrich Strümpel. „Wir sind letzte Woche zum Beispiel einfach losgefahren, um nach passendem Holz zu suchen. Als wir im Sägewerk Machemehl in Gernrode schließlich fündig geworden sind, war die Frage: Wie bekommen wir die fünf Meter langen Planken jetzt wieder nach Wegeleben transportiert?“

Um dieses Problem zu lösen, habe allerdings ein Anruf bei Landwirt Baumgärtel genügt, der sich gleich bereiterklärt habe, das Holz mit seinem Transporter abzuholen, so Strümpel. Auch mit den technischen Leihgaben der Firma Strüma sei es unkompliziert abgelaufen. Strümpel: „Wir sind dort einfach mal spontan vorbeigegangen und haben nachgefragt.“

Mit dem Ergebnis ihrer Gemeinschaftsarbeit sind die Wegeleber sehr zufrieden. „Wir freuen uns, dass es in so kurzer Zeit geklappt hat“, sagt Ulrich Strümpel. Und fügt hinzu: „Für die nächsten zehn, 15 Jahre sollten wir jetzt Ruhe haben.“

Dabei sei der Arbeitseinsatz noch gerade rechtzeitig erfolgt, denn, so erklärt Strümpel: „Die Schutzhütte war ganz schön mitgenommen. Es war wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, sie noch reparieren zu können, ohne sie vollständig neubauen zu müssen.“

Besonders stolz sind die ehrenamtlichen Handwerker aus Wegeleben darauf, etwas geschaffen zu haben, das auch der Allgemeinheit zugute kommt. „Man kann ja auch einmal etwas an die Stadt zurückgeben, ohne immer nur Forderungen zu stellen. Das Ganze ist eine gute Sache, die in aller Interesse liegt.“

Auch Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU) weiß diesen Einsatz zu schätzen. „Als Bürgermeister bedanke ich mich bei allen Sponsoren und fleißigen Helfern auch im Namen der Einwohner der Stadt Wegeleben recht herzlich“, lobt der Rathauschef das Engagement der Truppe.

Strümpel bittet um Rücksichtnahme

Für die Sanierungsarbeiten habe er von anderen Wegelebern schon positive Resonanz erhalten, sagt Strümpel. Gerade in Corona-Zeiten würden sich die Leute freuen, einmal herauszukommen. So sei der Radweg, der wie die Schutzhütte vor Jahren im Rahmen eines Projektes des Arbeitsamtes geschaffen wurde, in diesen Tagen noch stärker frequentiert als sonst.

Strümpel hofft, dass die Leute künftig gut mit dem frisch sanierten Unterstand umgehen und sich stärker um dessen Pflege bemühen als zuvor. „Es war eine mühevolle und vor allem zeitaufwendige Arbeit. Wir hoffen, dass der Aufwand anerkannt wird und keine mutwilligen Zerstörungen am Bauwerk erfolgen.“