Vom Kampf gegen ungewollte Giganten

Warum Riesenbärenklau und Co. hier nicht her gehören

Wenn die Kollegen des AWZ unterwegs sind, um bestimmte Pflanzen zu bekämpfen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung einheimischer Arten. Denn Riesenbärenklau und Co. haben in unseren Breiten eigentlich nichts zu suchen.

Von Ramona Adelsberger 10.08.2021, 09:41
Michelle und Lea Dunkel sind gern im Huy unterwegs und erkunden die Natur. Wenn sie auf besondere Pflanzen treffen, wie diesen imposanten Riesenbärenklau, dann gibt es eine Extra-Lehrstunde.
Michelle und Lea Dunkel sind gern im Huy unterwegs und erkunden die Natur. Wenn sie auf besondere Pflanzen treffen, wie diesen imposanten Riesenbärenklau, dann gibt es eine Extra-Lehrstunde. Foto: Blum

Schlanstedt - Immer wieder sind in der Natur imposante Pflanzen zu entdecken, die in ihrem Wuchs an die Giganten der Urzeit erinnern und um die man besser einen großen Bogen machen sollte. Bei diesen Pflanzen handelt es sich um den Riesenbärenklau, dessen giftiger Saft bei Berührung auf der menschlichen Haut sehr schmerzhafte Reaktionen auslösen kann.

„Der Riesenbärenklau ist phototoxisch“, erklärt Sylvia Lehnert von der Unteren Naturschutzbehörde. Doch nicht nur deshalb sei er unerwünscht in unseren Breiten. „Der Riesenbärenklau bildet Kolonien und drängt die einheimischen Arten zurück.“

„Wir müssen die Pflanzen genau beobachten und schnellstens reagieren, wenn der Riesenbärenklau in der Blüte steht“, so die Fachfrau weiter. Denn das Aussamen sei unbedingt zu verhindern. Daher stehe sie in ständiger Verbindung mit den Kollegen des Aus- und Weiterbildungszentrums (AWZ), die nun in diesen Wochen in der Natur in der Nähe von Schlanstedt unterwegs sind. Allerdings entfernen die Kollegen in der Regel bereits die Jungpflanzen, lange, bevor diese blühen.

Doch ihre Aufgabe ist es nicht nur, den Riesenbärenklau zu beseitigen, sondern es gibt noch weitere dieser unerwünschten Pflanzen, die sich immer weiter ausbreiten würden. Der Oberbegriff ist „Invasive Neophyten“ und dazu gehört neben dem Riesenbärenklau auch das Orientalische Zackenschötchen, ein Kreuzblütler mit tiefen Wurzeln, der auf den ersten Blick harmlos wirkt, aber jede Pflanze neben sich erdrückt.

Die Monster sind überall.

Sylvia Lehnert, Untere Naturschutzbehörde

„Das Monster ist überall“, stellt Sylvia Lehnert fest und erklärt, dass das Zackenschötchen wertvolle Biotope bedrohe, wie beispielsweise Steuobstwiesen oder Magerrasen. „Im Frühjahr war hier alles gelb“, erinnert sie sich. Da hatten die Mitarbeiter des AWZ bereits alle Pflanzen beseitigt. Doch nun ist es an der Zeit, wieder aktiv zu werden, denn diese Pflanze blüht bis zu dreimal im Jahr. Ganz in der Nähe befinde sich ein geschütztes Biotop.

Und auch eine dritte Neophytenart ist den Naturschützern ein großer Dorn im Auge, der Staudenknöterich, der riesige Ausmaße annehmen kann und sich besonders an Fließgewässern wohl fühlt.

Für Peter Hoffmeister, den Anleiter der AWZ-Riege, die gern als „schnelle Eingreiftruppe“ bezeichnet wird, weil sie immer zu den Brennpunkten gesandt wird, ist die Vorbereitung der Kollegen besonders wichtig. „Wir schulen unsere Mitarbeiter im Vorfeld, damit sie die Pflanzen erkennen.“ Denn, im Gegensatz zum Riesenbärenklau, ist der Wiesenbärenklau komplett harmlos und darf natürlich stehen bleiben.

Im Bereich entlang des Hohlebachs zwischen Schlanstedt und Eilsdorf finden sich nun alle drei „Monsterpflanzen“ auf einmal, daher legen die Untere Naturschutzbehörde und das AWZ hier besonderes Augenmerk auf die Beseitigung der Neophyten und senden die Eingreiftruppe seit drei Jahren ganz gezielt immer wieder an diese Stelle. Unterstützt wird dieser Kampf gegen die grünen Invasoren durch die Kommunale Beschäftigungsagentur.

Übrigens ist der Ärger rund um diese Invasiven Neophyten menschgemacht. So wurde der Riesenbärenklau im 19. Jahrhundert ursprünglich als imposante Zierpflanze aus dem Kaukasus eingeführt. Das orientalische Zackenschötchen wurde sogar erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa eingeschleppt und wegen seines Reichtums an Eiweiß sogar als Futterpflanze angebaut. Und der Staudenknöterich wurde um 1825 als Zier- und Viehfutterpflanze aus Asien nach Europa gebracht und in der Forstwirtschaft lange gezielt angebaut.