Halberstadt l Aufatmen können seit Montag etwa 111 Mieter in der Richard-Wagner-, Puschkin-, Maxim-Gorki- und Juri-Gagarin-Straße in Halberstadt. Eine Sperrungsandrohung der Halberstadtwerke, die am 9. März erfolgen sollte, ist vorerst nicht umgesetzt worden, bestätigte Halberstadtwerkesprecher ­Sebastian Hübner.

Damit sei die Versorgung der Betroffenen mit Wasser und Wärme vorerst weiter gewährleistet, obwohl der Vermieter, ein Unternehmen aus der Nähe von Helmstedt, seit Monaten seine offenen Rechnungen bei den Halberstadtwerken nicht bezahlt.

Verträge müssen erst juristisch geprüft

„Wir setzen unsere Androhung vorerst auf unbestimmte Zeit aus und halten die Versorgung im Sinn der Mieter erst einmal auf unbestimmte Zeit aufrecht“, informiert Sebas­tian Hübner. Hintergrund für diese Entscheidung sei, dass das kommunale Versorgungsunternehmen weiter an einer möglichen Hilfe für die Mieter arbeiten wolle.

Bereits in der vergangenen Woche brachten die Halberstadtwerke eine Lösung ins Spiel, um die drohende Kappung der Wasser- und Wärmeversorgung im letzten Moment noch zu verhindern und so den Mietern zu helfen. Das Unternehmen bot den Betroffenen den Abschluss sogenannter Mieterverträge an. Damit würden sie einen Vertrag mit den Halberstadtwerken abschließen und fortan direkt an den Versorger für genutztes Wasser und Wärme zahlen und nicht mehr wie bislang mit der Miete an den säumigen Vermieter.

Laufzeit bis 30. Juni

„Wir wollen den Betroffenen helfen und die Aktion bis 30. Juni laufen lassen, um ihnen Zeit zu geben, sich eventuell eine neue Wohnung zu suchen“, begründet ­Sebastian Hübner am Freitag diesen Vorschlag. Mittlerweile habe man festgestellt, dass die Umsetzung nicht so einfach ist, obwohl sich bis Freitag bereits etwa 50 Mieter gemeldet hatten und das Angebot nutzen möchten.

„Wir müssen das Vorhaben erst einmal auf rechtlich ­sichere Füße stellen“, so Sebastian Hübner. Diese Verträge gebe es eigentlich vertragsrechtlich nicht und man will auf jeden Fall vermeiden, dass sie angefochten werden können. „Das tun wir gerne, weil wir die Mieter nicht allein lassen wollen.“ Alle Betroffenen könnten sich nach wie vor an die Halberstadtwerke wenden.

Der säumige Vermieter habe die für 6. März gesetzte Zahlungsfrist für die ausstehenden Schulden erneut verstreichen lassen. Mit Stand Montag, 9. März, 8 Uhr sei kein Geld auf den Konten der ­Halberstadtwerke eingegangen, berichtet Sebastian Hübner.

Vermieter bezahlt Schulden bei Versorger nich

Die Betroffenen sind unschuldig in die prekäre Lage gekommen. Mit der Miete haben sie die Rechnungen für verbrauchtes Wasser und ­Wärme an den Vermieter bezahlt, der wiederum Vertragspartner der Halberstadtwerke ist. Allerdings bezahlt der die erbrachten Leistungen seit Oktober 2019 nicht. Bis Jahresende seien Schulden in fünfstelliger Höhe aufgelaufen, so Steffen Kerlin, kaufmännischer Leiter der Halberstadtwerke. Jetzt kämen die ersten Monate des neuen ­Jahres hinzu, dann stünde eine sechsstellige Schuld an.

Für die Halberstadtwerke sei das in dieser Größe ein bislang einmaliger Fall. Der Versorger versucht seit Monaten, mit dem Vermieter eine Lösung zu finden, schrieb Mahnungen. Ende Januar erfolgte von Seiten der Halberstadtwerke eine ­Sperrungsankündigung für Wasser und Heizung. Das veranlasste den Vermieter zumindest zu einer kleinen Teilzahlung. Weitere Überweisungen sollten folgen, blieben aber aus.