Halberstadt l Wildschweine sind mittlerweile nicht nur in Wäldern und auf Feldern zuhause. Die stetig wachsende Popula­tion bereitet zunehmend Probleme in der Stadt. Sie überschreiten die Grenzen Halberstadts, ­suchen bewohnte Grund­stücke heim und verbreiten Angst und Schrecken bei den Besitzern. ­Marianne Brandt und Tilo Schnabel wohnen im ­Süden Halberstadts bei den Tennisplätzen und können davon ein Lied singen.

Tilo Schnabel kann belegen, dass das nicht nur Gerede ist. Schwarz auf Weiß hält er die Wildschwein-Besuche fest. Direkt im Umfeld seines Hauses installierte er sogenannte Wildkameras, die automatisch bei Kontakt auslösen. Neben Rehen und Dachsen sind immer wieder Wildschweine zu sehen. Schnabel hat schon selbst direkt Kontakt mit den Tieren gehabt. „Wenn Sie plötzlich auf der Wiese vor Ihrem Haus einen großen Keiler liegen sehen, ist die Angst schon groß. Die Tiere sehen nicht nur imposant aus, sie können sehr gefährlich werden.“

Marianne Brandt berichtet, wenn sie mit dem Fahrrad nach Hause kommt, klingele sie laut, um damit die Wildschweine zu vertreiben. „Oder, wenn ich abends noch einmal auf das Grundstück gehen muss, schalte ich fünf Minuten vorher das Licht an.“ Die Halberstädterin greift auch zu anderen Waffen – chemischen. Dabei handelt es sich um einen Geruchsstoff, den man kaufen kann und der Wildschweine abschrecken soll. Einen Erfolg kann sie bislang nicht belegen.

Widschweine erst seit zwei Jahren Problem

Marianne Brandt und Tilo Schnabel wohnen in einem landschaftlich schön gelegenen Areal, das zu den Spiegelsbergen gehört. Seit fast 30 Jahren beziehungsweise 33 Jahren sind sie hier zuhause. Der Kontakt zur Natur ist dort zwangsläufig. Aber so nah, dass die Wildschweine auf die Grundstücke kommen und ihr Unwesen treiben, darauf können beide verzichten. „Die Wildschweine sind erst in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren zum großen Problem geworden“, stellt Tilo Schnabel fest. Die Tiere haben keinerlei Ängste und wühlen den Rasen­ um. Auf einer Fläche versucht der Halberstädter ­Bäume anzupflanzen, also aufzuforsten. Den Schutz gegen Wildverbiss, ein Drahtgeflecht, reißen die Tiere regelmäßig weg.

Selbst die Anwesenheit seines großen Hundes, ein Boxer, schreckt die Schweine nicht wirklich ab. Tilo Schnabel hat extra einen Zaun direkt um das Wohnhaus gezogen, um die Tiere vom ­direkten Kontakt mit Menschen fern zu halten. „Den habe ich mit einer Alarmanlage gesichert. Nicht um die Schweine abzuwehren, der ist eigentlich zur Abschreckung von Dieben gedacht. Die Anlage musste ich abschalten, weil die Wildschweine ständig Alarm auslösen und ich nicht mehr zum Schlafen gekommen bin.“

Die Vorfälle mit Wildschweinen mehren sich. Erst vor Kurzem ist eine Rotte auf den Friedhof Langenstein eingedrungen und hat ihn teilweise verwüstet.

Jörg Matthies, Vorsitzender der Jägerschaft Halberstadt, bestätigte, milde Winter und große landwirtschaftlich genutzte Flächen, wo die Schwarzkittel einen reich gedeckten Tisch vorfinden und sich vor den Jägern gut geschützt bewegen können, begünstigen das ­stetige Anwachsen der Population. Eine Kleinfelderlandwirtschaft und ­Naturinseln würden den Jägern entgegenkommen und die Jagd auf die Schweine erleichtern. Die Jäger würden den Bestand bejagen. Die Jägerschaft Halberstadt brachte 897 Wildschweine 2017 zur ­Strecke. Zum Vergleich: 2015 wurden im selben Gebiet 500 Wildschweine erlegt.