Halberstadt l Gibt es ihn, den Winterdienst ohne Winter? Ute Lemme muss schmunzeln. „Also, es kann ja immer noch Winter werden“, sagt die Stala-Betriebsleiterin. Schließlich ist es erst Mitte Januar.

Zwei Mitarbeiter nachts unterwegs

Auch wenn es noch keine Schneeberge zu beseitigen oder vereiste Straßen abzustumpfen galt, zwei Mitarbeiter seien bei Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt immer im Einsatz und kontrollierten, ob gestreut werden muss oder nicht. Wobei die schwierigste Zeit nicht früh um vier Uhr ist, sondern die um den Sonnenaufgang, wenn die Thermometersäule um die Null-Grad-Celisus-Marke pendelt.

Splitt muss teuer entsorgt werden

Weil man Wetter nicht für Monate vorhersagen kann, läuft jedes Jahr die gleiche Routine ab. Im Frühjahr wird frisches Salz geordert, wenn denn welches verbraucht wurde. Das Salz kommt – je nach Temperatur und Witterungslage – als Feuchtsalz, als Trockensalz oder Sole auf die Fahrbahnen der städtischen Straßen. „Wir salzen ja nur auf den Straßen, und auch da nur auf wichtigen Hauptverkehrsadern“, erklärt Lemme. Auf anderen Straßen und auf den Gehwegen werde zur Abstumpfung Splitt gestreut. Das sei umweltfreundlicher, wenn auch nicht billig. Schließlich müsse der gestreute Splitt wieder aufgefegt und dann entsorgt werden. „Der ist ja mit allem Möglichen verunreinigt. Und den Splitt zu reinigen, wäre mehr als unwirtschaftlich“, sagt Lemme.

366 Tonnen Salz sind eingelagert

Zudem sei Splitt, anders als das Salz, im Preis relativ konstant. Salz hingegen sei im Sommer preiswerter als im Winter, sollte deshalb rechtzeitig bestellt werden. 366 Tonnen lagern in einer Halle der Stala. Viel dazu kaufen müsse der Eigenbetrieb der Stadt nicht, wenn der Winter dieses Jahr ausfallen sollte. „Theoretisch ist Salz unbegrenzt haltbar. Natürlich hat man Verlust, weil Salz ja Feuchtigkeit bindet und dann klumpt.“ Aber solange alle Türen und Tore gut verschlossen sind, könne das Salz sehr lange lagern. Die Vorhaltekosten entstünden allerdings immer, bezahlt würden sie bislang von der Stadt nicht.

Fahrzeuge werden bei Bedarf umgerüstet

In den Lagerhallen des Stadtbetriebes steht ein sofort einsatzbereites Streufahrzeug. Alle anderen Fahrzeuge sind, sagt Lemme, innerhalb einer Stunde für den Winterdienst umgerüstet. Im Einsatzfall heiße das, dass 17 Fahrzeuge ausrücken samt 21 Kollegen auf Streu- und Räumdienst umstellen. Dazu kämen die Handkolonnen, die Gehwege frei räumen, auch für andere Auftraggeber als die Stadt selbst. Auf dem Betriebshof sorgen im Winterdienst sechs Kollegen dafür, dass die Salzbehälter rasch wieder aufgefüllt werden. „Aber zurzeit ist die Witterung ja so, dass wir ganz normal arbeiten können“, sagt Stala-Chefin Lemme.

Aktuell wird normal gearbeitet

Das heißt, zum einen fahren die Kehrmaschinen, zum anderen kann die kleine Tiefbauabteilung vorliegende Aufträge abarbeiten und die Gärtner pflanzen Bäume. Das wirke sich, so Lemme, hoffentlich positiv auf die Bilanz des Unternehmens aus, das in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen enorme Minusbeträge eingefahren hat.

Erst Schnee, dann Kälte wären perfekt

„Unsere Leute sind alle im Einsatz, wir können die Aufträge erledigen. Schwieriger ist es, wenn kein Schnee liegt, aber kräftiger Frost herrscht“, sagt Lemme. Dann könnten die mit Wasser gefüllten Kehrmaschinen nicht raus, auch Gärtnern und Tiefbauern seien dann die Hände gebunden. Einnahmen aus dem Winterdienst kämen dann aber auch nicht. Von daher wünscht sich Ute Lemme, sollte es doch noch Winter werden, erst kräftigen Schneefall und dann Kälte. „Das ist auch für die Natur besser, die ja schon sehr weit ist“, so die gelernte und leidenschaftliche Gärtnerin.