Halberstadt l Ohrenbetäubender Lärm erfüllt die Halle, man versteht sein eigenes Wort kaum. Funken sprühen, es knistert und kracht. Wo Schweißer arbeiten, ist es laut. In der großen Halle an die Nikolaus-Otto-Straße wird an einem langen, tonnenschweren Träger für riesige Motoren gearbeitet. „Zwei Kilometer Schweißnähte sind allein an diesem Teil erforderlich“, sagt Johann Rosenberg. Seit Juli 2016 ist er Geschäftsführer der im März gegründeten Stahl-Metall-Bau Harz GmbH, kurz SMHZ. Die steht in der Nachfolge der Halberstädter Technischen Werkstätten HaTeWe, die Ende 2015 Insolvenz anmelden mussten.

Mit 21 Mitarbeitern gestartet

Mit 21 Mitarbeitern startete das Unternehmen damals, inzwischen sind 42 Männer und Frauen bei SMHZ beschäftigt. Rund 30 im technischen Bereich, 12 sind in der Qualitätssicherung, Konstruktion, Buchhaltung tätig. „Seit Kurzem haben wir auch einen Mitarbeiter im Vertrieb, der ist Gold wert“, sagt Rosenberg beim Rundgang über das Gelände, das zu DDR-Zeiten Teil des Maschinenbaus Halberstadt war. Der Schweißerhalle gegenüber steht hinter verschlossenen Zäunen der große Backsteinbau des einst größten Betriebes in Halberstadt.

In den SMHZ-Hallen lebt die Maschinenbautradition Halberstadts fort. Hier werden für Unternehmen wie MAN oder Siemens Fundamentrahmen für Verdichterstationen, Generatoren und Turbinen gebaut. Auch hier gibt es eine Traditionslinie, die am Leben geblieben ist: Einige der Großmotoren stehen auf Schiffen, nicht als Antriebsmotoren, aber für die Energieerzeugung auf Kreuzfahrtschiffen zum Beispiel.

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Ölwannen für Schiffsmotoren

Die Halberstädter fertigen Ölwannen für Schiffsmotoren und Generatoren, Druckbehälter für die Chemieindustrie, die kunststoffverarbeitende Industrie und für den Maschinenbau. Aber auch Komponenten für Werften, für die Nutzung erneuerbarer Energien, für den Rohrleitungs- und Behälterbau und Teile für Industrieausrüstungen gehören zum Portfolio des Unternehmens.

„Mit unserer Bandbreite an Leistungen sind wir gut aufgestellt“, ergänzt Gerhard Krossing. Der Diplomingenieur ist seit einem Jahr als Leiter Produktion und Projektentwicklung tätig und berichtet, dass es unter anderem gelungen ist, Aufträge für spezielle Anforderungen der Bergwerkstechnik an Land zu ziehen.

Schwierige Suche nach Fachkräften

Johann Rosenberg fügt an, dass die Halberstädter mit ihrer Qualitätsarbeit wieder mehr punkten auf dem Markt. „So manche Auftraggeber haben gemerkt, dass es auf lange Sicht günstiger ist, einen Zulieferer zu haben, bei dem die Qualität stimmt. Deshalb gibt es auch wieder Aufträge an deutsche Unternehmen, obwohl unser Lohnniveau über dem von Anbietern zum Beispiel aus Osteuropa liegt.“ Wobei manche der Mitarbeiter in Halberstadt, die die mehrlagigen Schweißnähte ziehen, Wurzeln eben in Osteuropa haben. „Fachkräfte zu gewinnen, ist wirklich schwer geworden“, sagt Rosenberg.

Neben der Auftragsproduktion will das kleine mittelständische Unternehmen wieder mehr in die eigene Konstruktion investieren. Bereits jetzt wird diese Leistung mit angeboten und auch genutzt. „Wir arbeiten von der Konstruktion über den Zuschnitt bis hin zur Lackierung das komplette Programm ab“, sagt Krossing. Wobei ein Vorteil sei, dass man hier in Halberstadt leichte, aber auch große und komplexe Elemente fertigen kann – bis zu einem Stückgewicht von 60 Tonnen können Bauteile hier geschweißt, sandgestrahlt, gefräst, gebohrt und mit anspruchsvollen Korrosionsschutzsystemen beschichtet werden.

18 Schweißlagen übereinander

Das Unternehmen beschäftigt selbst Werkstoffprüfer, um dem Kunden, die die Teile auch noch einmal röntgt oder per Ultraschall untersucht, bestmögliche Qualität zu liefern. „Wir reden hier von 60 Prozent zu prüfender Nähte an unseren Bauteilen – bei bis zu 18 Schweißlagen übereinander“, sagt Gerhard Krossing. Weil die Arbeit nicht nur ein Höchstmaß an Konzentration erfordert, sondern auch körperlich anstrengend ist, hat Johann Rosenberg eine Entwicklung auf dem Markt besonders erfreut. „Endlich gibt es Schweißroboter, die auch für kleine Unternehmen wie uns erschwinglich sind, weil die neue Robotergeneration die Zeichnungen lesen und sich weitgehend selbst programmieren kann. Wir haben ja keine Massenproduktion, sondern oft Einzelfertigung oder Kleinstserien. Die erfordern ein häufiges Umprogrammieren. Bislang war das unbezahlbar.“

Auch wenn man vielleicht künftig Roboter einsetze, auf die Fachleute kann man nicht verzichten. „Ihre Erfahrung bleibt unverzichtbar für die anspruchsvollen Nähte, die von Hand gesetzt werden müssen“, sagt der Geschäftsführer.