Halberstadt l Leerstand in der Einkaufsmeile des Halberstädter Hauptbahnhofs ist immer wieder ein Thema. Eine Reihe von Geschäften und Dienstleistern sind seit der Wiedereröffnung des sanierten Bahnhofs 2010 hier zu finden, andere Ladenflächen haben immer wieder wechselnde Nutzer oder sind verwaist. Seit Kurzem gesellt sich zu den Anbietern ein neues Blumengeschäft.

Zwei Monate Umbauzeit

„Grüne Welt“ heißt das ­Geschäft, das seit Mitte Oktober im Gebäude des Halberstädter Bahnhofs zu finden ist. Bereits am 14. Oktober hat Inhaberin Marion Wedde aus Wegeleben die Eröffnung des Ladens gefeiert. Zuvor befand sich an dieser Stelle ein Friseur. Nach dessen Schließung ist in rund zwei Monaten Umbauarbeiten ein freundlich gestalteter Verkaufsraum geschaffen worden.

Marion Wedde bietet gemeinsam mit Brigitte Kretschmer ein Sortiment von Schnittblumen, Grünpflanzen sowie blühender Topfpflanzen an. Da­runter befinden sich Gestecke und Dekorationsartikel. „Das Sortiment wird mit vielen natürlichen Materialien kombiniert, wie beispielsweise Holz, das wir gut weiterverarbeiten können“, berichtet die Floristin.

Lange Berufserfahrung

Den grünen Daumen und die Liebe zu der floralen Dekora­tion besitzt Marion Wedde bereits ihr Leben lang. „Ich habe schon immer in diesem Beruf gearbeitet“, so die 47-Jährige. Vor der Eröffnung ihres Ladens war sie Mitarbeiterin im ehemaligen Blumengeschäft des Bahnhofs, das jedoch geschlossen wurde. Nun bietet dieses eigene Geschäft für Marion Wedde die Möglichkeit, sich neu zu verwirklichen. Neben der wechselnd kreativen Ausgestaltung des Ladenraumes steht beispielweise schon ein erster Veranstaltungstermin fest: am 25. November gibt es von 9 bis 16 Uhr eine Adventsausstellung. Außerdem beliefert Marion Wedde nach Geschäftsschluss Kunden in Harsleben und Wegeleben. „Da ich aus Wegeleben komme, habe ich das so eingerichtet und verbinde es mit meinem Nachhauseweg“, so die Floristin.

Eine Besonderheit des Ladens sieht Wedde zudem in den Öffnungszeiten. Aufgrund des Standortes im Bahnhofsgebäude kann man bei ihr auch sonntags Blumen erwerben.

Nosa will Bahnhof weiter beleben

Eine Besonderheit, mit der die städtische Holding Nosa, die den Bahnhofs managt, um Mieter wirbt. Einen Vorteil habe der Hauptbahnhof gegenüber anderen Handels-Standorten in Halberstadt: die flexiblen Öffnungszeiten, betonte Nosa-Geschäftsführer Frank Dannhauer Anfang August in einem Volksstimme-Gespräch. Wochentags ist das repräsentative Bahnhofsgebäude von 5 bis 22 Uhr geöffnet. Der Standort bietet für den Handel außerdem die Möglichkeit, die Sonntagsschließzeit zu umgehen. Verkaufsoffene Sonntage, die streng limitiert sind, sind am Bahnhof nicht notwendig. Geschäfte können ohne Einschränkung öffnen. Der Halberstädter Hauptbahnhof besitzt eine ­Genehmigung, die das ermöglicht.

Noch nicht am Ziel

Wunsch der Nosa ist natürlich, alle Ladenflächen zu vermieten. Das gelingt leider noch nicht, so Frank Dann­hauer. Etwa 60 bis 70 Prozent der insgesamt 770 Quadratmeter umfassenden Gewerbeflächen im Erdgeschoss seien derzeit vermietet. Damit sei man noch lange nicht am Ziel, aber auch weit vom „großen Leerstand“ entfernt. Ursachen für die verwaisten Geschäfte seien vor allem, dass die Reisenden heute schnell nach Hause wollen. Außerdem sind die Umsteigezeiten so optimiert worden, dass sich Aufenthaltszeiten für Reisende enorm verkürzt hätten und damit wenig oder gar keine Zeit für einen Geschäftsbummel bleibt, so Frank Dannhauer.

Verhandlungen laufen derzeit zwischen der Nosa und Abellio zur Errichtung eines Service-Punktes im Bahnhof. Abellio übernimmt vom 1. Januar 2018 an das HEX-Nahverkehrsnetz. „Die Gespräche sind bisher positiv verlaufen“, sagt Frank Dannhauer.