Halberstadt l „Eine Kooperation, die wertschöpfend in der Region ist, ist immer fruchtbar“, sagt Rainer Gerloff, bevor er gemeinsam mit Andreas Bayer zu Kugelschreiber und Vertrag greift, der eine wertschöpfende Kooperation besiegelt. Bayer ist Geschäftsführer der Omexom GA Nord, die in Halberstadt eine Niederlassung hat. Und die liegt nicht nur räumlich in unmittelbarer Nachbarschaft der Halberstadtwerke. „Uns verbindet eine jahrzehntelange Zusammenarbeit“, sagt Gerloff. Ist doch der Anlagenbauer eines der Glieder in der Versorgungskette der Region.

Perspektivwechsel

Weil es in der praktischen Arbeit eine enge inhaltliche Verbindung gibt, haben sich Halberstadtwerke und Omexom entschlossen, diese ganz praktisch zu nutzen – in der Lehrlingsausbildung. „Es ist wichtig, dass die jungen Leute Einblick in verschiedene Unternehmen erhalten, die unterschiedlich geführt werden und sich, bei aller Gemeinsamkeit, in den Arbeitsfeldern unterscheiden. Das gibt den Auszubildenden die Möglichkeit, sich damit auseinanderzusetzen. Das fördert ihre Entwicklung“, sagt An­dreas Bayer.

Da die Omexom GmbH eine extrem dezentral arbeitende Gesellschaft ist, können eben einzelne Niederlassungen über solche Fragen wie den Austausch von Auszubildenden entscheiden, erklärt der Geschäftsführer, der von seinem Halberstädter Niederlassungleiter Horst Jordan begleitet wird.

Seit Jahren in Kontakt

Jordan kennt die Stadtwerkekollegen seit Jahrzehnten. Ein Fakt, der nicht unwichtig ist, wenn man schnell mal etwas entscheiden muss. „Dank unser guten Zusammenarbeit können manche Fragen operativ gleich vor Ort entschieden werden, ohne erst administrativ agieren zu müssen“, sagt Stadtwerke-Chef Gerloff. Aber um solche Entscheidungen am Graben treffen zu können, ist es wichtig, dass sich auch der Firmennachwuchs kennt. Sowohl untereinander als auch in der Frage, wie der Geschäftspartner tickt.

Deshalb sollen nun die Auszubildenden bei Omexom für einige Wochen bei den Halberstadtwerken arbeiten und umgekehrt. „So lernen die Auszubildenden das komplette Verfahren kennen vom Auftragseingang über die Beauftragung der Firmen, die Abwicklung des Auftrags bis hin zur Rechnungslegung“, ergänzt Nicole Barz. Die Personalreferentin der Stadtwerke ist für die Ausbildung zuständig und freut sich, dass die Idee solch eines Azubis-Tauschs die Firmenchefs begeistert.

Einblicke in die Praxis

Durch den Austausch lernen die Stadtwerke-Azubis auch die ganz praktische Arbeit kennen und die Omexom-Azubis die Abläufe davor und somit den kompletten Prozess. Wobei nicht jeder Stadtwerke-Azubi den Arbeitsplatz für einige Wochen statt in der Wehrstedter Straße 48 dann in der Wehrstedter Straße 48a haben wird. „Betroffen von dieser Kooperation sind nur unsere Auszubildenden in den gewerblichen Berufen“, sagt Nicole Barz. Also die angehenden Elektroniker für Betriebstechnik und die Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik.

„Wir haben in diesem Jahr so viele Auszubildende wie seit Jahren nicht mehr,“ berichtet Andreas Bayer. In den zehn Standorten des Anlagenbauers, die er als Geschäftsführer betreut, sind 35 junge Menschen dabei, das berufliche Rüstzeug als Rohrleitungs- und Anlagenbauer erwerben. Und inzwischen sei es so, dass die Azubis andere Jugendliche dazu bewegen, eine Lehre in dem Unternehmen zu beginnen.

Arbeit auf dem Brocken

„Das Tolle an der Ausbildung bei uns ist, dass wir nicht nur im Stadtgebiet tätig sind, sondern auch auf dem Brocken und im Oberharz zu tun haben“, ergänzt Horst Jordan. Die Mitarbeiter sind in einem Radius von 70 bis 80 Kilometern tätig. Und sie haben auch an Freileitungen zu tun, was im Stadtgebiet eher selten geworden ist. Von daher, so Jordan, kann der Austausch für die Lehrlinge ganz spannend werden.

Spannend finden die beiden Geschäftsführer auch den Perspektivwechsel, den ihr Fachkräftenachwuchs durch den Wechsel der Arbeitsstätte erfahre. „Das hilft, die Arbeit des jeweils anderen wertzuschätzen“, sagt Rainer Gerloff. Und das könne sich durchaus positiv auswirken auf die Qualität der Arbeit.

Einfluss auf Werdegang

Dass der Perspektivwechsel am Ende auch den beruflichen Werdegang beeinflussen kann, erwähnen Gerloff und Bayer am Rande. Aber auch die Frage, in welchem Unternehmen es nach der Ausbildung weitergeht, kann durch so einen Azubi-Tausch beeinflusst werden.

Letztlich diene beides, die Lehrlingsausbildung und die Jobperspektive, der Region, betont Gerloff. „Wer hier lernen will und dazu die Möglichkeit erhält und dann eine berufliche Zukunft hat, der bleibt hier“, ergänzt Andreas Bayer.