Osterwieck l Das Jahr 2018 begann für die Wohnungsgesellschaft Osterwieck (WGO) aufregend, wie man es aber niemandem wünscht. Am Montag dieser Woche brannte es in der Wohnung eines Mehrgeschossers am Stadtrand. Glück im Unglück im doppelten Sinn. Die Mieterin kann dort wohnen bleiben. Und der Brand entstand nach den vorliegenden Erkenntnissen durch ein Stromkabel, das nicht zur Hausinstallation gehört.

Auch wenn die WGO in den vergangenen Jahren viele ihrer DDR-Plattenbauten saniert hat, weiß Geschäftsführer Silvio Erdmann, dass in zahlreichen Häusern die Leitungssysteme für Strom, Gas, Trink- und Abwasser noch die ursprünglichen sind. Diese sollen jetzt Schritt für Schritt zunächst überprüft werden. „In allen Objekten“, betont Erdmann. Also auch in den Fachwerkhäusern.

Knapp 400 Wohnungen hat die WGO in ihrem Eigentum, dazu kommen weitere 400 zur Fremdverwaltung für Privateigentümer, aber auch die Stadt. Eine Erhebung gibt es nicht, aber man kann davon ausgehen, dass nahezu jeder dritte Osterwiecker in einem Objekt wohnt, das im Eigentum oder in der Verwaltung des städtischen Unternehmens ist.

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14 Prozent der Wohnungen stehen leer

Längst nicht alle Wohnungen sind belegt. „Wir haben einen Leerstand von 14 Prozent“, berichtet Erdmann bezogen auf das WGO-Eigentum. Zufrieden ist er damit nicht. Eine einstellige Zahl wäre ihm lieber.

„Vergangenes Jahr gab es nur wenige Neuvermietungen durch Zuzüge“, stellt er fest. Überwiegend habe es sich um Umzüge gehandelt, innerhalb Osterwiecks und auch der Einheitsgemeinde. In der Mauerstraße 13 und 14, zwei Plattenbauten in der Altstadt, sei eine Reihe langjähriger Mieter ausgezogen. Daraufhin habe sich das Unternehmen entschlossen, statt des geplanten Daches die leeren Wohnungen zu modernisieren. Der Einsatz einer sechsstelligen Summe hatte nach Erdmanns Einschätzung Erfolg, die Wohnungen werden 2019 wieder vermietet sein. Dach und auch Fassade mit frischem Farbton sollen nun in diesem Jahr an die Reihe kommen.

„Die Innenstadt ist stark gefragt“, stellt Silvio Erdmann fest. Während früher vor allem kleine Wohnungen hoch im Kurs standen, sind es jetzt plötzlich auch wieder Vier-Raum-Wohnungen für Familien. „Diese sind jahrelang nicht gebaut worden, weil es einfach keinen Bedarf gab. Jetzt ist die Nachfrage da, und wir haben keine.“ Zumindest keine freien.

Dreieinhalb Millionen für Fachwerk-Sanierung

In der Altstadt sollen in den nächsten Jahren neun Wohnungen zum Eigentum der WGO hinzukommen. Das Unternehmen geht das Vorhaben „Tanne“ an. Eines der bedeutendsten, wenn nicht sogar das bedeutendste Fachwerkhaus von Osterwieck. Dreieinhalb Millionen Euro soll der Bau kosten, mehr als jedes andere bisher sanierte Fachwerkobjekt in der Altstadt. Noch ist ein Baustart nicht amtlich. Ein Kostenanerkennungsverfahren läuft derzeit. Mit einer Entscheidung wird im Frühjahr gerechnet.

Wenn die Förderung wie beantragt fließt, ist Erdmann zuversichtlich, dass die WGO das Vorhaben stemmen kann. „Wichtig ist, dass es kostendeckend ist“, sagt er und fügt seine Maxime hinzu: „Alles, was sich nicht selbst trägt, werde ich nicht befürworten.“

Um die Vermietbarkeit der „Tanne“ macht sich Erdmann wenig Sorgen, eben wegen der hohen Nachfrage in der Altstadt. Selbst wenn ein Mietpreis von fünf Euro und damit etwas höher als in anderen geförderten Wohnungen angestrebt wird. Dafür erhalten die Mieter ein barrierearmes Haus mit Fahrstuhl, Laubengängen, Terrassen und Balkonen. Und auf dem Hof entstehen Parkplätze.

Fünf Euro Obergrenze bei Mietpreisen

Fünf Euro sind bisher so ziemlich die Oberkante des Mietpreises in Osterwieck. Erdmann ist aber überzeugt, dass es eine Klientel gibt, die für entsprechende Wohnqualität auch noch etwas mehr bezahlen würde. So wie das direkt am Harzrand der Fall ist. „Wir haben in Osterwieck genügend bezahlbaren Wohnraum für eine breite Bevölkerungsschicht. Es gibt aber auch Wohnungssuchende, die sich etwas Moderneres und Hochwertigeres leisten können und möchten. Im Moment können wir sie nicht bedienen.“

Das sind Gedanken an das Übermorgen, bezogen auf den jetzigen Standort der beiden Plattenbauten Vor dem Kapellentor. Einen hat die Wohnungsgesellschaft schon aus der Bewirtschaftung genommen, für den anderen ist das nun auch vorgesehen. Von den 24 Wohnungen seien nur noch sieben belegt, stellt Erdmann fest. Wohnraum, der noch mit Kohle beheizt wird. „Wir sind im Gespräch mit den Mietern.“ Man möchte ihnen neue Wohnungen anbieten und durch weitere individuelle Gespräche Einvernehmen erzielen.

Das Ziel ist ganz klar der Abriss der beiden Gebäude, redet Silvio Erdmann nicht drumherum. Er setzt dabei auf das von der Stadt beantragte Sanierungsprojekt „Bahnhofstraße“, über das dieser Bereich entwickelt werden soll (Volksstimme berichtete am Donnerstag). „Man muss auch an die Zukunft denken.“

Hohe Altschulden belasten noch viele Jahre

Das Geld wird dabei natürlich eine wesentliche Rolle spielen. Abriss ist teuer und müsste gefördert werden, um ihn bezahlen zu können. Erdmann betont, dass trotz großer Vorhaben die laufende Instandhaltung weitergeht. 2017 und voraussichtlich auch 2018 habe das Unternehmen schwarze Zahlen geschrieben, ohne aber einen großen Überschuss zu erwirtschaften. „Wir möchten möglichst viel investieren.“ Darin bestehe Einvernehmen mit dem Gesellschafter, der Stadt Osterwieck. Wenngleich die Altschulden ein Noch-Mehr verhindern. Mehr als ein Drittel aller Verbindlichkeiten seien jene Altschulden aus DDR-Zeiten. „Und die laufen noch viele Jahre“, so Erdmann.