Langenstein l Das Hobby zum Beruf machen bleibt für viele ein Traum. Kai Rathsack konnte ihn sich erfüllen. Der Langensteiner liebt von Kindesbeinen an Musik. Er komponiert zwar nicht selbst, arbeitet dafür mittlerweile auf internationaler Bühne erfolgreich als Musikproduzent.

„Ich verdiene mit meinem Hobby jetzt auch Geld und kann davon gut leben“, ist der 27-Jährige glücklich. Vorbildern wie Two Steps from Hell, ein Unternehmen, das Musik für Film- und Computerspiel-Trailer sowie für Filme produziert, und dem bekannten ­Hollywood-Filmproduzenten Hans Zimmer eifert er erfolgreich nach. Der Sprung über den großen Teich in die Traumfabrik ­Hollywood ist dem 27-Jährigen mit seiner Produktionsfirma End of ­Silence bereits gelungen.

Das Unternehmen betreibt er mit seinem Geschäftspartner Kevin Mantey von Langenstein und von Magdeburg aus. Unter dem Dach des elterlichen Hauses in Langenstein befindet sich sein Musikproduktions-Studio. Außerdem betreibt Kai Rathsack mit großem Erfolg seit Jahren den YouTube-Kanal Epic Music World.

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20 Millionen Aufrufe pro Monat im Internet

„Mit YouTube hat alles vor zehn Jahren begonnen. Damals habe ich allerdings noch keinen Gedanken daran verschwendet, Geld damit zu verdienen“, erinnert sich Kai Rathsack. Der Erfolg sei auch nicht sofort da gewesen. Nur mit einer großen Portion ­Leidenschaft für Musik, Kreativität, Beharrlichkeit und viel Fleiß sei es gelungen, seinen Kanal Epic Music World zum weltweit erfolgreichsten des Genres Epic Music zu machen. Es ist ein modernes, von klassischer Musik geprägtes Genre, das auch Eigenschaften von anderen bekannten Genres aufgreift.

Aus den anfänglich 1000 Abos sind mittlerweile über eine Million mit insgesamt 400 Millionen Aufrufen seit 2010 geworden. „Momentan liegt die Plattform bei 20 Millionen Aufrufen pro Monat“, sagt der Produzent stolz. Aus den anfangs kleinen Euro-Beträgen, die der Kanal mit Werbung einbrachte, ist ein wirtschaftliches Standbein erwachsen.

Kai Rathsack arbeitet weltweit mit etwa 300 Komponisten zusammen, mit denen er Verträge geschlossen hat. Viel mehr würden sich wünschen, dass sie den Sprung auf den Kanal schaffen. „Anfragen gibt es viele. Jeder kann heutzutage Musik machen. Das Problem ist, damit bekannt zu werden“, erklärt der Produzent. Das würde wiederum mit Internet-Plattformen wie Epic Music World gelingen, wenn sie einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Natürlich spielt die Musik-Qualität eine große Rolle, um möglichst viele Fans anzusprechen. Das sei auch das Erfolgsrezept von Epic Music World.

Win-Win-Situation für Harzer und Komponisten

Auf dem Kanal ist nicht nur Musik zu hören. Kai Rathsack arbeitet mit Zeichnern zusammen, animiert deren Arbeiten am Computer und stellt sie als Video zur Musik dazu. „Die Werbeeinnahmen aus der Veröffentlichung der Musik gehören mir. Im Gegenzug erhalten die Komponisten alle Einnahmen, die sich aus einer weiteren Vermarktung ihrer Musik ­außerhalb des YouTube-Kanals ergeben. Das ist eine faire Win-Win-Situa­tion“, erklärt der Langensteiner.

Seine zweite Firma, das Label End of Silence, die Film- und Trailermusik sowie Musik für Computerspiele produziert, ist praktisch aus dem YouTube-Kanal erwachsen, berichtet Kai Rathsack. Der zweite Mann in der Firma, Kevin Mantey, stammt aus Stuttgart, jetzt lebt er in Magdeburg. Er ist selbst Komponist und betrieb einen eigenen YouTube-Kanal. Durch die gemeinsame Arbeit habe man sich kennengelernt. Vom über YouTube aufgebauten Netzwerk zu hunderten Komponisten profitiert nun auch End of ­Silence.

„Wir studieren den Markt, überlegen, was Sinn macht oder nicht. Schauen, ob Musik für Action- oder Fantasie-Filme und Computerspiele gesucht wird und geben den Komponisten die Themen vor“, sagt Kai Rathsack. Von der ersten Phase der Idee heraus entsteht ein reges Hin und Her zwischen Komponisten und Produzenten. „Meist gibt es von unserer Seite Änderungswünsche. Entweder soll eine Trommel ­stärker in den Vordergrund ­rücken, eine ­Violine stärker betont, eine Sängerin oder Sänger mit eingebunden werden, um das Thema besser zu treffen.

Im Filmmusik-Geschäft gelandet

Das ist eine ziemlich intensive und zeitraubende Arbeit, die teils auch Investitionen erfordert. Die Zusammenarbeit mit Orchestern und Künstlern kostet erst einmal viel Geld. Die ist aber auch notwendig, um an lukrative Aufträge zu kommen.“ Manager, mit denen die beiden Produzenten Verträge haben, vermarkten anschließend ihre Musik. Diese sitzen unter anderem in Asien, Europa und in den USA, wo ein wichtiger Markt beheimatet ist – die Film­industrie. „Wir hoffen immer, dass wir dabei sind.“ Der große Traum, einen Fuß ins Filmmusik-Geschäft in Hollywood zu bekommen, ist für End of Silence bereits Realität.

„Wir konnten für Trailer einiger großer und bekannter Hollywood-Filme Musik verkaufen“, erzählt Kai Rathsack. Dazu würden unter anderem „Spider Man“, „John Wick 2“, „Logan“ aus der Wolverine-Serie, „Rogue One“ aus der Star- Wars-Reihe, „Interstellar“ und „Final Fantasy XV“ gehören, zählt der Langensteiner stolz auf.

Bei Trailer-Musik handelt es sich um Stücke, die zwei bis drei Minuten lang sind. Die Verwendung kann in Trailern auch mal nur einige Sekunden betragen. Die Musik ist darauf ausgelegt, in kurzer Zeit das Interesse und die Aufmerksamkeit des Zuschauers für den Film zu ­wecken. Die Einnahmen aus einer Trailer-Platzierung können sehr lukrativ sein, abhängig von Budget, Ausstrahlungsort und Länge, gewährt der ­Musikproduzent Einblick.

Drei eigene CDs auf dem Markt

Übrigens: Drei CDs haben Kai Rathsack und Kevin Mantey ebenfalls auf den Markt gebracht. 2017 „Kaleidoscope“, im Oktober 2018 „Gate of Realms“ und im Dezember 2018 „A World of Color“, die auf den Musikstream-Diensten Spotify, iTunes und Amazon zu hören sind.

Die Einnahmen aus Epic Music World und dem Label End of Silence ermöglichten Kai Rathsack den Sprung in die Selbstständigkeit. Mit seinem Studium an der Hochschule Magdeburg-Stendal hat sein berufliches Engagement allerdings überhaupt nichts mehr zu tun. Trotzdem studiert er ­Wasserwirtschaft. „Ich will das Studium in diesem Jahr mit einem Bachelor-Abschluss erfolgreich beenden. Eigentlich war der schon 2018 geplant. Dafür fehlte mir allerdings einfach die Zeit.“

Für Kai Rathsack steht fest, dass er wahrscheinlich nie in der Wasserwirtschaft seine Brötchen verdienen wird. Der Abschluss ist ihm trotzdem wichtig. „Dann hat man etwas in der Tasche. Was die Zukunft bringt, steht in den Sternen.“