Halberstadt l Am Anfang stand eine Frage: Wie kann man der ganzen Situation rund um den Fischmarkt wieder Herr werden? In dem die Halberstädter demonstrieren? „Das haben wir rasch verworfen, stattdessen wurde die Idee eines Freiluft-Cafés geboren“, berichtet Steffen Wolf.

Der Zahnarzt ist Anlieger am Fischmarkt und hat die Entwicklung der vergangenen Wochen kritisch verfolgt. Vor allem nach der ersten tätlichen Auseinandersetzung suchte er nach Partnern, die mit ihm gemeinsam überlegen, wie die Einwohner Halberstadts ihr Zentrum wieder selbst mehr beleben und nutzen. „Da, wo früher der Weihnachtsbaum an der Martinikirche stand, da wollen wir ein kleines Freiluftcafé installieren, von Bürgern für Bürger“, sagt Wolf.

Platzwächter-Prinzip

In Gastronom Jens Ganso und Landtagsabgeordnetem Daniel Szarata (CDU) hat er tatkräftige Mitstreiter gefunden. „Aber wir brauchen natürlich ganz viele Halberstädter, die sich mit einbringen. Wir wollen zeigen, dass man sich rund um die Martinikirche und im Stadtzentrum wohlfühlen kann“, sagt Szarata. Gerade hier im Zentrum, wo die Touristenbusse ankommen, sei es wichtig, dass Halberstadt sich von seiner besten Seite zeige. „Nicht das es heißt, der Dom ist okay, aber ansonsten schnell wieder weg“, sagt Szarata.

Mit einem stundenweise geöffneten Kulti(viert)Café den Bereich um die Bürgerkirche wieder für alle zur Wohlfühlzone werden zu lassen, das sei das Ziel ihrer Bemühungen. „Wenn hier Kaffee getrunken wird, Vereine sich vorstellen, Sportler Autogramme geben, Schulchöre auftreten oder Firmen sich präsentieren, ist immer was los und der Bereich besser einbezogen in das städtische Leben“, sagt Wolf. „Das Prinzip ist eigentlich so wie bei den Platzwächtern: Wo wir sind, kann kein anderer sein“, ergänzt Szarata.

Jens Ganso war sofort bereit, mit einer Verkaufsbude, Stühlen und Tischen zu helfen, die auf dem Martiniplan und auch unterhalb der Treppe aufgestellt werden können. „Wir denken dabei auch an die Umwelt, werden auf Einwegplastik weitgehend verzichten“, sagt Ganso.

Mitmachen gefragt

Kultiviertes Zusammensein, Zeit zum Plaudern soll zunächst in den noch warmen Sommer- und Frühherbstwochen donnerstags bis sonntags am Martiniplan angeboten werden, immer von 14 bis 18 Uhr. Man wolle den umliegenden Cafés und Bäckern keine Konkurrenz machen, suche deshalb auch das Gespräch mit den Betreibern dort. Überhaupt sind alle drei noch viel auf Werbe- und Informationstour, sprechen mit Gewerbetreibenden und hoffen, dass sich viele Einwohner einbringen in das Vorhaben, das Areal rund um Bürgerkirche, in der vor 30 Jahren die Wendebewegung in Halberstadt ihren Ausgang nahm, als Ort gesitteten Umgangs in Beschlag zu nehmen.

Starten soll das Projekt am Sonntag, 1. September, um 14 Uhr – direkt nach dem Bürgerbrunch, der auf dem Holzmarkt stattfinden wird. Bis dahin, so hoffen die drei Akteure, haben sich schon viele Gruppen und Vereine gemeldet, die den Kaffeeausschank an einem der Kulti(viert)-Café-Tage übernehmen.