Halberstadt l Es ist vollbracht. Fünf Spaten waren es, die am Montagvormittag genutzt wurden, um den offiziellen ersten Spatenstich für die Lindenhof-Terrassen zu vollziehen. An exponierter Stelle im Stadtgebiet baut die Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe) neu. Auf einer Brache, die sie zuvor selbst geschaffen hat.

Abriss und Neubau

Das sei kein Widerspruch, betont Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke), der qua Amt Aufsichtsratsvorsitzender des städtischen Vermieters ist. Hohe Energiekosten, fehlende Barrierefreiheit, Balkons zur Nordseite – die Platte entspach nicht mehr den veränderten Wohnansprüchen, sagte Henke. Und da Architektur auch eine identitätsstiftende Aufgabe in einer Stadt habe, sei der Entschluss zur Neubauung an einer städtebaulich so wichtigen Stelle nur folgerichtig gewesen.

Bebauungsplan

Wie Beate Grebe, Geschäftsführerin der HaWoGe erläuterte, waren 2013 insgesamt 150 Wohnungen mit 11 046 Quadratmetern Wohnfläche und 16 Gewerbeeinheiten mit 2190 Quadratmetern Fläche abgerissen worden. Sie dankte in ihrer Rede vor dem Spatenstich den Mitarbeitern des Stadtplanungsamtes ebenso wie dem Stadtentwicklungsauschuss und Stadtrat. Durch den Bebauungsplan Stadtzentrum Süd wurde Baurecht geschaffen, das auch eine veränderte Wegeführung zur Rathauspassage zur Folge hat. Grebe dankte ebenfalls den Mitarbeitern des Bauordnungsamtes der Kreisverwaltung, die sehr zügig den Bauantrag für das ehrgeizige Vorhaben bearbeitet hatten. Zügig waren auch die Archäologen, die hatten bereits im September die Baufläche freigegeben.

Bilder

322 Pfähle für das neue Haus

Nun kann es also losgehen mit dem tatsächlichen Bau. Das Gebäude wird auf 322 Bohrpfählen ruhen. Auf jede einzelne Bohrung wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst ein besonderes Augenmerk legen, schließlich wird im Stadtzentrum gebaut, dem Bereich, in dem 1945 die meisten Bomben gefallen waren.

Die Pfahlgründung ist eine Premiere für das Bauteam der HaWoGe, „aber ein kompletter Austausch des Baugrundes wäre zu teuer geworden“, sagte Grebe auf Nachfrage. Auch so gebe das Unternehmen eine „nennenswerte zweistellige Millionensumme aus“. Die Finanzierung steht, die Kreditverträge sind unterschrieben berichtete die Bauherrin, nachdem sie noch einmal das Auswahlverfahren für das Planungsbüro erläutert hatte.

200 Miet-Anmeldungen

Den Zuschlag als Generalplaner im auf fünf Büros beschränkten Ideenwettbewerb hatte arc Architekturconzept erhalten. Dessen Entwurf war einstimmig von der Jury ausgewählt worden und stieß in der Öffentlichkeit ebenfalls auf ein sehr positives Echo. Das bewiesen die 200 Anmeldungen, die bereits für die 91 entstehenden Wohnungen vorlägen, so Grebe.

Im ersten Bauabschnitt entstehen auf einem durchgehenden Erdgeschoss drei einzelne Wohngebäude, in denen auf 6200 Quadratmetern Fläche 75 Zwei-Raum-, 13 Drei-Raum- und drei 4-Raum-Wohnungen Platz finden. Es wird drei Fahrstühle geben, die Wohnungen werden barrierefrei und barriere­arm gebaut, jeweils mit Terrasse, Balkon oder Loggia. „Es entsteht ein Energieeffizienzhaus“, sagte Grebe, „in dem die Wohnungen Fußbodenheizung haben werden. Geheizt wird natürlich mit Fernwärme.“

Zwei Jahre Bauzeit

Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll das komplette Gebäude stehen, in dem ein weiteres Projekt des „neuen wohnen“ samt Wohncafé geplant ist. Seit 2006 gibt es diese gemeinsam mit dem Diakonischen Werk angebotene besondere Form des betreuten Wohnens schon und der Bedarf werde sicher noch zunehmen, sagte Grebe, bevor sie zum Spaten griff.