Halberstadt l Der Breite Weg bewegt die Gemüter. Wie kann es gelingen, dass mehr Leben herrscht in diesem Teil des Stadtzentrums? Dass sich etwas ändern muss, ist klar, die Stadt will erneut einen Versuch unternehmen, den Weg umzugestalten. Die Halberstädter sind aufgefordert, Ideen einzubringen.

Die Diskussion ist gestartet, einen konkreten Vorschlag hatte der CDU-Ortsverband unterbreitet – den Breiten Weg wieder für den Fahrzeugverkehr freizugeben, wenn auch nur im Schritttempo. Wie sehen das die Leser? Am Wochenende hatten wir eine Telefonabstimmung geschaltet. Die Mehrheit stimmte gegen Autos auf dem Breiten Weg. Während im TED nur Ja oder Nein gefragt war, äußerten sich einige Leser auch per E-Mail zu der Idee der Christdemokraten – und unterbreiteten selbst Gestaltungsideen. Wobei diejenigen, die uns schrieben, Autos auf dem Breiten Weg ablehnten. Das sei keine Lösung, so der Tenor.

Bedauert wurde in mehreren Zuschriften, dass es versäumt wurde, mit dem Bau des Zentrums einen zweiten Magneten am Ende des Breiten Weges zu schaffen, der die Leute anziehe. Doch da diese Möglichkeit verspielt sei, die großen Märkte stünden alle auf der grünen Wiese, könnten andere Projekte die Neugier der Passanten wecken.

Möbelhaus als Markthalle

So brachte Ralf von Manteuffel die Idee ein, angesichts der langen Backtradition in Halberstadt eine große gläserne Backstube mit Café zu schaffen oder eine Bonbonmanufaktur einzurichten. „Man muss etwas finden, was die Leute auch an das andere Ende des Breiten Weges lockt, damit sie auch die Geschäfte auf dem Breiten Weg wahrnehmen und diese vielleicht durch neue Angebote noch ergänzt werden“, schreibt Ralf von Manteuffel.

Günter Math schlägt vor, nicht nur den Breiten Weg zu betrachten, sondern die gesamte Innenstadt aufzuwerten. Man sollte den Breiten Weg so gestalten, „dass sich Gaststätten, Biergärten, Kaffees und auch Eisdielen zum Ausruhen ansiedeln“. In der Kühlinger Straße entstehen in den Neubauten neue Geschäfte. „Warum kann die Rathauspassage ihre Hinterhof-Fenster zur Kühlinger Straße nicht attraktiv als Schaufenster für Passanten gestalten?“, fragt Günter Math. Er schlägt zudem vor, das alte Möbelhaus in der Kühlinger Straße zu einer Markthalle auszubauen. „Dann wäre täglich Publikum in der Stadt, die sich auch die Geschäfte ansehen würden. In den Südländern gibt es auch so etwas, wo man täglich frisches Obst, Gemüse und Fisch einkaufen kann.“ Dazu wäre es sinnvoll, die Kühlinger Straße als Tempo-30-Zone auszuweisen. Parkplätze gäbe es dort außerdem ebenfalls.

Pflaster muss neu werden

Doch noch vor solchen Angeboten sehen zahlreiche Leser die Notwendigkeit, die Pflasterung des Breiten Weges zu erneuern oder sich um die Brunnenanlage am Breiten Tor zu kümmern, die einen sehr traurigen Eindruck macht.

Auch neue Umfassungen für die Beete und Bäume auf dem Breiten Weg wurden vorgeschlagen oder eine Überdachung vor den Ladenzeilen, damit sich vielleicht mehr Cafés ansiedeln, deren Gäste draußen sitzen können, auch wenn das Wetter mal nicht ganz so gut ist.

Autoverkehr nicht hilfreich

Zum Autoverkehr auf dem Breiten Weg äußerte sich auch Sabine Rebmann. „Schritttempo wird nicht zu erwarten sein! Eine 30-km/h-Zone ist jetzt schon kaum zu realisieren. Das zeigt leider immer wieder die Erfahrung. Wer da widerspricht, lebt nicht in dieser Welt. Wer soll das denn kontrollieren? Es sind Kinder unterwegs, die Bürger allgemein, vor allem ältere Bürger haben hier einen beliebten Treffpunkt in Halberstadt, sie mögen den Breiten Weg“, schreibt sie. Auch sie verweist auf die schlechte Qualität des Breiten Weges. Er werde häufig wegen des schlechten Gehwegpflasters gemieden, mit einem Rollator oder Rollstuhl sei er regelrecht eine Zumutung. „Da ist tätsächlich (!) dringend Verbesserung erforderlich.“

Sie lehnt auch Parkplätze zwischen den Grünflächen ab, es sei eher zu empfehlen, einige Behindertenparkplätze zusätzlich an geeigneten Stellen zu schaffen.

Straßenbahn neu führen

„Der Breite Weg sollte auf keinen Fall für den Verkehr geöffnet werden. Es muss nicht unbedingt mit dem Auto bis ins Café oder in die Geschäfte gefahren werden. Des Weiteren führt der Autoverkehr zur Minderung der Wohnqualität“, schreibt Silke Bormann. Sie wohnt im Stadtzentrum und kann sich im unteren Teil des Breiten Weges bis zum Weingarten Parkplätze vorstellen, denn „dort ist ja auch zu Markttagen nicht wirklich etwas los“.

Brigitte Weber fragt: „Aus der Unterstadt möchte man die Autos verbannen, auf dem Breiten Weg wieder einführen?“ Die von einem Leser geäußerte Idee, die Straßenbahn über den Weingarten und Breiten Weg zu leiten (mit zwei bis drei Haltestellen) sei ihr auch gekommen, schreibt sie. „Davon könnten vielleicht auch die Verkehrsbetriebe profitieren, wenn der Nahverkehr dort stattfindet, wo Leben in die Stadt soll.“ Allerdings ist sie skeptisch, was die Umsetzung betrifft, schließlich koste das alles viel Geld.