Verstärkung fürs Ärzteteam

Zwei junge Allgemeinmedizinerinnen in Osterwiecker Gemeinschaftspraxis begrüßt

Die Allgemeinmedizinerinnen Marketa Palenik und Marika Arendt unterstützen die Gemeinschaftspraxis der Osterwiecker Hausärzte Dr. Angela Greulich und Rolf Reddemann.

Von Vera Heinrich
Die Ärztinnen Marketa Palenik (links) und Marika Arendt (Mitte)  unterstützen die Osterwiecker Arztpraxis Am Langenkamp. Das freut Bürgermeisterin Inge Wagenführ, die sich gleich den Blutdruck überprüfen lässt.
Die Ärztinnen Marketa Palenik (links) und Marika Arendt (Mitte) unterstützen die Osterwiecker Arztpraxis Am Langenkamp. Das freut Bürgermeisterin Inge Wagenführ, die sich gleich den Blutdruck überprüfen lässt. Foto: Vera Heinrich

Osterwieck - Das Kleeblatt ist vollzählig. Mit den beiden Medizinerinnen Marika Arendt und Marketa Palenik ist das Ärzteteam der Osterwiecker Gemeinschaftspraxis von Dr. Angela Greulich und Rolf Reddemann nun vier Köpfe stark.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir die jungen Kolleginnen im Team haben“, teilt Angela Greulich mit. Die promovierte Allgemeinmedizinerin, die seit 1993 die allgemeinmedizinische Gemeinschaftspraxis betreibt, schätzt dabei besonders: „Es fühlt sich gut an zu wissen, dass es hier weitergeht, wenn ich irgendwann nicht mehr da bin.“ Das empfinde sie als Erleichterung, dass auch künftig jemand für ihre Patienten da sein werde, so die 1964 Geborene.

Mehr Arbeit wegen der Pandemie

Ob sie schon an den Ruhestand denke, fragt Rolf Reddemann seine Kollegin scherzhaft. „Wieso ich?“, antwortet sie augenzwinkernd und betont, dass sie noch lange nicht ans Aufhören denke. „Ich möchte gern etwas weniger arbeiten“, sagt sie. Ein Vorsatz, dem die Pandemie einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht habe.

„Zurzeit arbeiten wir alle jedoch eher mehr“, schildert sie und ist umso dankbarer für die Verstärkung durch den Neuzuwachs. Praxispartner Rolf Reddemann stimmt ihr zu: „Wir sind sehr froh, bisher alles gut stemmen zu können. Das gilt gerade für die notwendigen Anpassungen an die Erfordernisse der Pandemie.“

Marika Arendt findet: „Tatsächlich haben wir so viel zu tun, dass wir noch weitere Ärzte gebrauchen könnten.“

Rolf Reddemann erläutert die großen Aufgabenbereiche, in denen die Hausärzte gerade gleichzeitig gefordert sind: „Wir bieten jeweils eine Sprechstunde für Akutfälle und für Termine an. Hinzukommt die Infektionssprechstunde, in der die Patienten aufgrund der Ansteckungsgefahr separiert werden müssen.“ Außerdem seien Hausbesuche, die Betreuung der Pflegeheimpatienten und die Versorgung unserer chronisch Erkrankten täglich zu bewältigen. „Seit 28. Dezember sind wir zudem mit Impfen gegen Covid-19 beschäftigt“, so der Allgemeinmediziner.

Kollegin Greulich ergänzt: „Nur weil wir zu viert sind, können wir die Impfkampagne so massiv unterstützen.“ Neben dem regulären Praxisbetrieb impfen die Ärzte regelmäßig in der Osterwiecker Impfstation und haben sich am Aufbau des Testzentrums im Ort beteiligt. Ferner wurden durch sie Pflegheimpersonal und Lehrer in der Abnahme von Antigen-Schnelltests eingewiesen.

Ärzte als Stütze der Stadt

Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) lobt die Bereitschaft der vier Ärzte zur Unterstützung und sagt: „Sie sind wie alle Ärzte hier eine gute Stütze der Stadt. Es ist so viel wert, die ärztliche Versorgung in der Einheitsgemeinde aufrechtzuerhalten.“

Sie sei stolz, dass die beiden neuen Ärztinnen der Stadt zur Verfügung stehen, so die Verwaltungschefin, die erklärt: „Wir müssen dafür etwas tun.“ Angesichts des Landarztmangels zahlt die Stadt Osterwieck eine Landprämie, um Mediziner in den ländlichen Bereich zu locken. Zur Unterstützung gehört für die Bürgermeisterin auch, einen Kindergartenplatz zur Verfügung zu stellen. Schließlich sind beide Ärztinnen junge Mütter. Marketa Palenik hat einen Jungen im Kindergartenalter und eine Tochter, die das Osterwiecker Gymnasium besucht. Marika Arendt hat zwei Töchter im Grundschulalter.

Marketa Palenik ist in Tschechien geboren und hat dort ihr Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen. Vor zehn Jahren ist die 38-Jährige nach Deutschland gekommen und hat in Leipzig ihre Facharztausbildung absolviert. „Mein Mann hat in Halberstadt einen neuen Job gefunden, sodass wir Leipzig verlassen haben.“ In Osterwieck hat die junge Familie dann ein Haus gefunden, über das Marketa Palenik sagt: „Als wir es gesehen haben, wussten wir, dass hier unsere zukünftige Heimat sein wird.“ Als frisch gebackene Fachärztin für Allgemeinmedizin startete Marketa Palenik im Dezember 2020 als Hausärztin in Osterwieck.

Gekommen, um zu bleiben

Marika Arendt lebt mit ihrer Familie in Wolfenbüttel. Die gebürtige Berlinerin ist über Rolf Reddemann nach Osterwieck gekommen. Beide kennen sich seit vielen Jahren aus Halle, wo beide studierten. Bereits 2013 absolvierte sie im Rahmen ihres Medizinstudiums ein Praktikum in der Osterwiecker Hausarztpraxis.

Der Kontakt sei über die Jahre nie abgerissen, sodass sie nach dem klinischen Teil ihrer Facharztausbildung im Wolfenbütteler Krankenhaus 2018 wieder in die Praxis Am Langenkamp zurückkehrte. Im Januar dieses Jahres beendete sie erfolgreich ihre fünfjährige Ausbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin.

Marika Arendt erzählt: „Wir sind hier sehr breit aufgestellt.“ Ein Umstand, dem auch die weite Entfernung zu vielen Fachärzten in den Städten geschuldet sei, erklärt sie. „Dadurch übernehmen wir oft auch die Diagnostik in Fällen, in denen der Patient in der Stadt längst zum Facharzt geschickt worden wäre.“ Die Verbindung von Arzt und Patient sei auf dem Land wesentlicher enger, empfindet die 32-Jährige und sagt: „Deshalb habe ich sehr viel gelernt. Die Arbeit ist wirklich vielseitig, spannend und anspruchsvoll.“

Ihre Kollegin Marketa Palenik teilt diese Ansicht. Beide Ärztinnen betonen, dass sie nach Osterwieck gekommen sind, um zu bleiben.