Nordgermersleben l „Viele haben es mit ihrem Anteil möglich gemacht, dass wir die restaurierte Orgel wieder in Dienst nehmen können“, erklärte Pfarrerin Helgard Steinacker vor vielen Gästen in der Nordgermersleber Kirche, die sich fortan Orgellernkirche nennen kann. Sie sprach das planerische Gehalt und das handwerkliche Geschick ebenso an wie das musikalische Talent und die gebende Hand.

Uwe Jauch, Superintendent des Kirchenkreises Haldensleben-Wolmirstedt, meinte, dass die Wochen, die es bis zur Einweihung der Orgel länger gedauert hat, wohl schnell vergessen sind, wenn „ein Traum in Erfüllung geht“. Die restaurierte Orgel wird künftig das kulturelle Leben im Ort bereichern. Persönliche Erinnerungen, wie er sie an seine Konfirmandenzeit hat, als er noch für den Organisten den Blasebalg treten musste und sich so manches Mal im Turm verewigte, werden dabei wohl keine Rolle mehr spielen. Aber die Menschen an den Manualen und Pedalen muss es, so Jauch, geben, mit der Liebe zur Musik, ob haupt- oder ehrenamtlich.

In Nordgermersleben gibt es so einen Menschen – den Kantor Uwe Döschner nämlich. Er wird in der neuen Orgellernkirche künftig bei vielen die Liebe zum Instrument wecken. Und so soll die Kirche ein Ort der Bildung werden und Generationen im Lernen verbinden. Hier sollen Fertigkeiten und Fähigkeiten weitergegeben und auch Altes mit der Moderne verbunden werden. Doch bis es soweit war, dass die restaurierte Hülle-Orgel wieder erklingen und der zweite Bauabschnitt des Projektes „Orgellernkirche“ beendet werden konnte, sind einige Jahre ins Land gegangen. Ulrich Trittel als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Nordgermersleben ließ die Zeit noch einmal Revue passieren: Große Schäden am Kirchendach, die 2011 festgestellt wurden, ließen die Kirchengemeinde überlegen, wie die Kirche gerettet werden könnte. Die Nutzung als Lernort für interessierte Orgelspieler hat sich am Ende unter verschiedenen Ideen durchgesetzt. So wurden in den vergangenen vier Jahren etwa 412 000 Euro investiert, etwa 195 000 Euro davon kamen aus Töpfen des Leader-Förderprogramms. Unterstützung kam zudem aus dem Orgelfond der Landeskirche und dem Baulastfond und dem Orgelfond des Kirchenkreises. Spender trugen insgesamt etwa 35 000 Euro zusammen, die ebenfalls bei der Finanzierung des ehrgeizigen Projektes halfen. Die Kirchengemeinde ist optimistisch, dass die noch fehlenden 20 000 Euro auch noch aus Spenden und anderen Quellen aufgebracht werden. Insgesamt wurden für die Restauration der Orgel mit 24 Registern und 1296 Pfeifen 2509 Stunden an Arbeit aufgebracht. Welchen hervorragenden Klang sie nun wieder dank ihres großen Umfangs hervorbringt, davon konnten sich die Gäste in der Kirche selbst überzeugen. Sie erklang in Begleitung des Posaunenchors unter Leitung von Stefan Heinzel und des Kirchenchores unter Leitung von Klaus Ehlers, aber auch solo. Und genau diese Klänge lassen auch den Gemeindekirchenrat hoffen. „Wir wünschen uns, dass unser Konzept in der Zukunft Zuspruch findet und das Orgelspielen allen Lernenden gefällt“, so Ulrich Trittel.

Über die Jahre mitverfolgt haben die Vorbereitung des Projektes auch Steffi Trittel als Bürgermeisterin der Hohen Börde sowie als Vorsitzende der Lokalen Aktionsgruppe „Flechtinger Höhenzug“ und der Ortsbürgermeister von Nordgermersleben, Albrecht von Bodenhausen. „Es gab Menschen, die meinten, das Projekt kann nicht gelingen in Nordgermersleben, das konnte widerlegt werden“, erklärte der Ortsbürgermeister und bezeichnete die Projekt als kulturelle Bereicherung für das Dorf. Steffi Trittel hatte diesen „Tag der Orgel“ heiß ersehnt und meinte, dass das Geld in Nordgermersleben sehr gut angelegt ist.

Dass auch das Orgellernprojekt in Zukunft ein Erfolg wird, dafür haben die Haldensleber Rotarier bereits einen finan-ziellen Beitrag geleistet.